14.03.2005 · Vox, der kleine, aber feine Sender für amerikanische Spielfilme und angekaufte Spitzenserien aus der deutschen RTL-Gruppe, bekommt einen neuen Chef. Frank Hoffmann war bisher Leiter der Abteilung „Magazine“ bei RTL.
Von Michael HanfeldVox, der kleine, aber feine Sender für amerikanische Spielfilme und angekaufte Spitzenserien aus der deutschen RTL-Gruppe, bekommt einen neuen Filialleiter: Es ist Frank Hoffmann, der bisherige Leiter der Abteilung „Magazine“ beim Muttersender RTL. Ein entsprechender Bericht dieser Zeitung ist am Nachmittag von Vox bestätigt worden.
Hoffmann wurde an diesem Montag nachmittag in sein Amt eingeführt, in dem er Anke Schäferkordt folgt, die kürzlich von Gerhard Zeiler zur stellvertretenden Geschäftsführerin von RTL berufen wurde, als dieser den neuen RTL-Chef Marc Conrad nach gerade mal rund hundert Tagen aus dem Job jagte, um ihn selbst zu übernehmen. Die Führung von RTL hatte er im November 2004 abgegeben, um sich von der Doppelbelastung als Chef der europäischen RTL-Gruppe und des deutschen Senderflaggschiffs RTL zu befreien.
Notdürftig das Feld bestellt
Frank Hoffmann leitet den Bereich „Magazine“, zu dem Sendungen wie „Explosiv“, „Extra“ und „Exklusiv“ gehören, bei RTL seit 1997. Er hat sich als neuer Vox-Chef in einem internen RTL-Wettbewerb durchgesetzt, in dem sich auch der n-tv-Geschäftsführer Johannes Züll und der geschäftsführende RTL-Chefredakteur Michael Wulff befunden haben sollen. Die Berufung sollen der RTL-Chef Gerhard Zeiler und seine Stellvertretin Anke Schäferkordt gemeinsam beschlossen haben, an sie wird der neue Vox-Chef Hoffmann berichten.
Somit bestellt der neue und alte Chef des zum Bertelsmannn zählenden Senders kurz vor der Bilanzpressekonferenz des Konzerns eher notdürftig sein Feld. Das Hin und Her um den in der Zwischenzeit als Erfolgsproduzent einschlägig ausgewiesenen Marc Conrad, zu dessen abrupter Demission Zeiler partout keine halbwegs einleuchtende Erklärung einfallen wollte, überdeckt das Rekordergebnis der RTL-Gruppe, das auch dadurch eingetrübt wird, daß der bisherige Marktführer RTL in Deutschland ins Schlingern gekommen ist.
Die Schwächen der hiesigen RTL-Familie
Nach Marktanteilen lag der Sender zuletzt hinter ARD und ZDF, der Umsatz der hiesigen Senderfamilie (RTL, Vox, Super RTL, n-tv, RTL Shop) und der Radios ging um 2,7 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg 2004 mit 262 Millionen Euro jedoch ganz leicht über das Niveau des Vorjahrs (261 Millionen Euro). Die Erlöse der gesamten RTL-Group mit ihren 31 Fernseh- und dreißig Radiosendern stiegen jedoch im vergangenen Jahr um 9,6 Prozent auf 4,88 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Co. schnellte um 46 Prozent auf 711 Millionen Euro in die Höhe, der Nettogewinn lag bei 367 Millionen Euro.
Zu all dem aber trägt RTL in Köln nicht in dem gewohnten Maß bei, zeigen sich doch vor allem unverkennbare Schwächen im Programm. Von den neuen Programmen sind bis auf die „Super Nanny“ alle gefloppt, was den RTL-Chef Zeiler, wie er in Interviews gesagt hat, in der Haltung bestätigt habe, daß man zu viele Innovationen gewagt habe. Aus Zuschauersicht mag das allerdings ganz anders aussehen - langweiliger Mainstream, soweit das Auge reicht. Und schließlich ist es das Programm, womit auch RTL sein Geld verdient, auch wenn der zusätzliche Klimbim á la Neun Live für alle Sender immer wichtiger wird.