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Fernsehreporter Willi Weitzel im Gespräch „Ich bin nicht mehr so ein Weichei“

09.02.2009 ·  Er hat sich das Dschungelklo mit Spinnen geteilt, mit einem Eisbären geflirtet und sich mit dem Motorrad überschlagen. In seinem Kinofilm findet Fernsehreporter Willi Weitzel Antworten auf die Frage: Wie sieht es auf der anderen Seite der Welt aus?

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Wie sieht die Welt für Blinde aus? Wie kommt der Star aufs Titelbild? Was bewegt den Roboter? Willi Weitzels Job ist das Fragenstellen - und er muss Antworten finden, die jeder versteht. Der 36 Jahre alte Reporter hat für die Kinder-Wissenssendung „Willi will's wissen“ (läuft samstags, zirka 7.35 Uhr in der ARD) schon so einiges ausprobiert: Er hat im Internat gelebt, Tiere verarztet oder einen Krabbenkutter gefahren. Nach über 100 Folgen war Zeit für die Frage: Wie sieht es auf der anderen Seite der Welt aus? Also reiste er nach Kanada, Japan, in den australischen Dschungel und in die Sahara. Das Ergebnis: Sein Film „Willi und die Wunder dieser Welt“ läuft ab 5. März im Kino. Wir haben ihn dazu ausgefragt.

Du warst für deinen Film bei den Eisbären, Krokodilen und in der Wüste. Hattest du da nicht auch mal Schiss?

Ja, etwas, als ich nachts im Dschungelklo einer riesigen Spinne begegnet bin. Richtig gezittert vor Angst habe ich aber nur einmal: Als ich keine 20 Meter entfernt an einem Eisbären vorbeilaufen sollte. Der Kameramann wollte sogar, dass ich noch näher rangehe, aber da habe ich mich geweigert. Meine Knie haben nur so gezittert. Der Eisbär hat so eine Aura!

Kein kuscheliger Knut?

Nein, er ist eine Killermaschine. Aber der Regisseur meinte immer: Wir machen einen Abenteuerfilm! Da geht es nicht, dass ich auf breiten Wegen gemütlich durch den Urwald laufe. Aber nachdem ich drei Tage durchs Unterholz gekrochen bin, war ich auch gar nicht mehr so ein Weichei. Ich habe einfach kräftig aufgetreten, damit die giftigen Schlangen abhauen. Das hat funktioniert. Aber das große Wunder des Films war wohl, dass ich in der Wüste nicht draufgegangen bin.

Wieso das?

Ich saß die ganze Strecke hinten auf einem Motorrad, mit dem wir uns ständig hingelegt haben. Weil der Sand plötzlich weich wurde oder eine Stufe kam, hinter der wir anderthalb Meter runterstürzten. Da habe ich so manchen Überschlag über den Vordermann gemacht.

Nachts in der Wüste zu schlafen, war bestimmt auch gruselig.

Ja, vor allem nach meinem Erlebnis bei der „Willi will's wissen“- Folge „Was ist ohne Obdach los?“. Dafür habe ich mit Obdachlosen im Park übernachtet. Und wurde von einem Baseballschläger aus dem Tiefschlaf gerissen.

Ihr wurdet überfallen?

Ja, davon habe ich jetzt noch eine Delle im Kopf. Aber seither konnte ich nicht mehr im Freien schlafen. Sobald es irgendwo geknackst hat, stand ich unter Strom. Für den Film war das ein Problem: Ich sollte ja nicht nur in der Wüste, sondern auch im Urwald draußen übernachten. Ein Psychologe hat mir aber ein paar Tricks verraten, wie ich damit zurechtkomme. Und jetzt geht es super. Wir hatten Einheimische dabei, Tuareg, die uns gezeigt haben, wie man sich nachts versteckt.

Es war dort also auch gefährlich!

Im Länderdreieck Libyen, Niger und Algerien, wo wir unterwegs waren, weiß man nie genau, was passiert. Das ist eine Menschenschmugglerroute, auf der viele Afrikaner versuchen, nach Europa zu kommen. Aber dort werden auch immer wieder Touristen entführt. Aber ich hatte ein gutes Gefühl, dank unserer tollen Begleiter. Wenn sie sagten, die nächsten 50 Kilometer Gas geben und bloß keine Pause machen, haben wir das getan, ohne groß Fragen zu stellen.

Da war das ordentliche Japan ja nahezu Erholung, oder?

Kann man so sagen. Wobei: Tokio ist etwas ganz anderes als eine deutsche Großstadt. Da wuselt's! Ich habe dort prompt mein Team aus den Augen verloren und ewig nicht wiedergefunden. Aber apropos Ordnung: Ich hatte schon vorher gelesen, dass Müll, der auf der Straße landet, dort keine zwei Minuten liegt. Und wirklich: Als jemandem mitten im Gewühl ein altes Tempo aus der Tasche fiel, hob es keine 15 Sekunden später jemand auf und entsorgte es. Irgendjemand! Da sind Japaner wie Ameisen: Sie schaffen sofort Ordnung.

Warst du als Kind auch Insektenforscher und hast ihnen Beine ausgerissen, um zu sehen, was passiert?

Nein, ich bin mit dem Spruch aufgewachsen: Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt wie du den Schmerz. Aber ich habe stundenlang rote Steinläuse beobachtet, die auf unserer Mauer herumliefen.

In deiner Sendung „Willi will's wissen“ erforschst du auch die unterschiedlichsten Dinge.

Ich will so meinen Zuschauern den Alltag der Erwachsenen ein bisschen näherbringen. Es gibt ja mittlerweile eine Menge Berufe, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt.

Zum Beispiel?

Bei der Nachbearbeitung des Films habe ich erst wieder gelernt, dass es Leute gibt, die den ganzen Tag im Stockdunklen sitzen, die Filmrollen aus dem Magazin holen, die umspulen und entwickeln. Alles im Dunklen.

Welche Sendung wolltet ihr immer mal machen, die nie geklappt hat?

Eine zum Thema „Wie funktioniert eine Versicherung“ (lacht). Wäre auch was für Erwachsene. Es ist nur wahnsinnig schwer zu bebildern. Daher haben wir uns bisher auch davor gedrückt. In der Regel haben aber eher meine Interviewpartner das Problem, dass sie ihren Job gar nicht beschreiben können. Das merke ich immer, wenn ich mit meinen Fragen komme.

Inwiefern?

Ich stelle Fragen, die Kinder stellen würden. Um auch eine Antwort zu erzwingen, die jeder versteht. In Hamburg habe ich mal den Außenminister Steinmeier auf einer Konferenz gefragt: Was macht ihr denn die ganze Zeit da vorn an dem Tisch? Und er hat verblüfft gesagt: Ja, öh, ja, wir reden. Es gehört natürlich auch Mut dazu, so zu fragen. Ich darf das. Es geht aber natürlich nicht, wenn du von einer Zeitung wie der F.A.Z. kommst. Würde ich aber sagen „Herr Außenminister, was ist der Kern Ihrer Verhandlungen?“, würde ich das tun, was die meisten Erwachsenen tun: die ganze Zeit blablabla.

Gibt's eine Folge von „Willi will's wissen“, die du nie vergessen wirst?

Die zum Thema Entwicklungshilfe, die wir kurz vor der Weltreise in Uganda gedreht haben. Da hatte der Essenskonvoi der UN an seiner Ausgabestelle Tafeln, von 1 bis 15 durchnummeriert. Hieß: Eine Familie mit zehn Mitgliedern sollte sich bei der zehn anstellen, um Nahrung für zehn zu bekommen. Für die Kamera habe ich die Nummer eins mit „Und hier für den modernen Singlehaushalt“ kommentiert. Und dann stellt sich dort ein sechsjähriges Mädchen an. Das ganz allein war. Weil es Waise ist. Das Bild ist noch tief in mir drin.

Das Gespräch führte Christine Ritzenhoff.

Quelle: F.A.S.
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