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Fernsehen : Wir fliegen ja heute nach Südlappland

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„Ganz ernsthafter Pädagoge”: Wigald Boning Bild: SAT.1

Von den Grenzen der Lustigkeit und der Kollegin, die an eine Vietnamkämpferin erinnert. Wigald Boning verrät, wie man Fernsehen wissenschaftlich macht.

          Wigald Boning ist der wissenschaftliche Berater in "Clever - die Show, die Wissen schafft" (mittwochs, 20.15 Uhr bei Sat.1). Selbstverständlich soll er auch in der jetzt anlaufenden neuen Staffel die "Wissenschaft" mit seinem Sinn für Humor bereichern. Daß seine Lustigkeit Grenzen kennt, warum er sich aus dem Kulturleben abgemeldet und Mitleid mit Anke Engelkes Sat.1-Redakteur hat, verrät er im Interview.

          Wie schwer fällt es Ihnen, lustig zu sein?

          Es bekommt mir schlecht, wenn ich's bewußt auf Lustigkeit anlege. Ich werde dann verkrampft, weil ich dann auf die lachende Resonanz des Publikums warte, die dann aber ausbleibt. Ich fahre seit geraumer Zeit besser damit, mir einzureden, daß ich nicht lustig bin und ich es auch nicht nötig habe, so zu tun als ob. Das stimmt natürlich nur halb...

          Cordula Stratmann hat einmal gesagt, Komiker seien naturbekloppt...

          In den Achtzigern sagte man "naturstoned". Aber das gilt nicht so für mich. Entscheidend für meine Karriere war der Film "Der geile Osten" von Horst Königstein. Ich habe für den Film nur Interviews mit Menschen gemacht, anthropologische Studien. Hinterher riefen mich die Leute an und sagten: Ich hab' mich ja abgerollt vor Lachen. Erst später habe ich bemerkt, was die meinten, und auch für mich genutzt. Aber ich war nie Klassenkasper. Im Gegenteil: Ich wollte erst Lehrer werden.

          Und wie ist das, wenn die Leute privat einen Witz von Ihnen erwarten?

          Wir wohnen so abgeschieden auf dem Dorf im Allgäu, daß jeder unserer Nachbarn mal meine Witzigkeit erproben konnte. Und gerade heute im Flieger sagte der Pilot beim Abflug in Köln zu mir: Wir fliegen heute ja nach Südlappland. Ich konnte nur antworten: Prima, da möchte ich jetzt auch gerne hin. Ich schieb' dann die Schuld auf Sie. Ich bin dabei.

          Sie sind zu Hause also unkomisch?

          Ich bin ganz ernsthafter Pädagoge. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß ich, weil ich im Fernsehen als Komiker gehandelt werde, zu Hause auch lustig bin. Ich bin zum Beispiel konsequenter und strenger als meine Frau in der Kindererziehung.

          Was waren Ihre Stärken in der Schule?

          Bei meiner Generation, den 1967 Geborenen, hatten die Naturwissenschaften ein sehr schlechtes Image. Der Mathelehrer sah nicht toll aus, hatte Mundgeruch und machte auch die Schach-AG. Der Englischlehrer dagegen hat die Vokabeln an Hand von Songtexten erklärt, zum Beispiel Stings "Russians". "Clever" hat deswegen einen erfrischenden Bildungseffekt: Die Texte müssen so sein, daß ich sie selber verstehe.

          Fühlen Sie sich innerlich eher jung oder eher alt?

          Ich bin definitiv innerlich früh vergreist. Die Formel "Früher war alles besser" habe ich schon oft in den Mund genommen. Körperlich fühle ich mich besser, weil ich viel mehr Bergwanderungen mache und viel mehr schlafe als damals. Ich bin zufriedener mit meinem Gesamtleben. Meine Midlife-Krise habe ich mit Ende Zwanzig hinter mich gebracht. Damit bin ich nur Vorreiter in einer Zeit, wo die Hype-Wellen einfach schneller vonstatten gehen.

          Wie sieht ein typischer Boning-Tag aus?

          Die Kinder werden zur Schule gebracht, vormittags noch mal Sport getrieben und Büroarbeit gemacht, also Fahrrad fahren, laufen, so Triathlonkram und Bergwandern. Dazu kommen nachmittags Ausflüge mit den Kindern und abends vorlesen.

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