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Fernsehen MTV will alle Folgen von „Popetown“ zeigen

09.05.2006 ·  Die Entscheidung ist gefallen: MTV will alle Folgen der umstrittenen Cartoonserie „Popetown“ ausstrahlen. Als einen Grund nennt der Sender die positiven Reaktionen der Zuschauer, die man erhalten habe.

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Der Musiksender MTV wird die umstrittene Zeichentrickserie „Popetown“ nun doch in voller Länge mit noch neun weiteren Folgen zeigen. Nach der Ausstrahlung der ersten Folge vergangene Woche sollen die weiteren neun Episoden der BBC-Serie von diesem Mittwoch an im Wochenrhythmus um 21.30 Uhr gesendet und jeweils samstags um 21.30 Uhr wiederholt werden.

„Wir haben entschieden, alle Folgen von ,Popetown‘ auszustrahlen“, sagte Elmar Giglinger, der Programmdirektor Musikfernsehen von MTV, am Dienstag in Berlin. „Unser Urteil basiert zum einen auf den Reaktionen der Zuschauer, die sich klar für eine Ausstrahlung ausgesprochen haben, zum anderen auf der Einschätzung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF), die die bisher eingereichten Episoden von ,Popetown‘ als rechtlich unbedenklich eingestuft hat.“

In ihrem Prüfentscheid, so MTV, habe die FSF mitgeteilt, „daß in ,Popetown‘ weder eine ablehnende oder gar feindselige Haltung gegenüber Angehörigen einer religiösen Gruppe geschürt noch die Menschenwürde verletzt wird“. Die FSF habe „Popetown“ eine Freigabe für das Hauptabendprogramm und teilweise für das Tagesprogramm erteilt. Man verzichte jedoch auf eine Ausstrahlung im Tagesprogramm und zeige „Popetown“ jeweils erst nach 21 Uhr.

Keine einfache Entscheidung

Dem Vernehmen nach war die Entscheidung des Senders nicht ganz so einfach, wie es sich nach außen darstellt. Dabei fallen die Bedenken kirchlicher Kritiker am Gehalt der Sendung gar nicht und das Votum der Zuschauer wohl eher aus kosmetischen Gründen ins Gewicht. Es sind vielmehr die Werbekunden von MTV, die überzeugt sein wollen, daß sie in einem Umfeld erscheinen, das ihnen nicht schadet. Massive Kritik seitens der Werbepartner des Senders gab es hinter vorgehaltener Hand schon vor der Debatte, die MTV in der vergangenen Woche zu „Popetown“ ins Programm genommen hatte. Kritiker der Serie hatten unter anderem im Internet dazu aufgerufen, die Werbekunden zu bestürmen. Doch hat sich der Programmdirektor Giglinger, dem „Popetown“ am Herzen liegt, weil er damit das Profil von MTV zu schärfen glaubt, offenbar durchgesetzt.

Ins Feld führt der Sender vor allem - doch recht fragwürdige - Umfragen des Marktforschungsinstituts Phone Research und Internet-Usern. 94 Prozent der Teilnehmer hätten sich, so MTV, dafür ausgesprochen, daß eine solche Serie gesendet werden dürfe. 41 Prozent der Befragten hätten „Popetown“ die Note „sehr gut“ bis „gut“ gegeben, sechzehn Prozent hätten das Format für „schlecht“ bis „sehr schlecht“ befunden. Bei einer repräsentativen Haushaltsstichprobe unter 1004 14 bis 39jährigen hätten 78 Prozent der Befragten befürwortet, „Popetown“ zu zeigen, sechzehn Prozent hätten sich ablehnend geäußert.

Gegen die Serie hatten zahlreiche Vertreter der katholischen Kirche protestiert und mit gerichtlichen Schritten gedroht. Eine Einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung von „Popetown“ wurde am Tag der ersten Folge von einem Münchner Gericht abgelehnt.

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Von Ursula Scheer

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