Am heutigen Donnerstag wird die ARD um 19.45 Uhr zum ersten Mal die Sendung „Das Beste von Harald Schmidt“ ausstrahlen. Gezeigt wird ein Zusammenschnitt der besten Momente aus Schmidts am Abend zuvor gesendeter, halbstündiger Late-Night-Show, die gestern ihre Premiere gefeiert hat. „Das Beste von Harald Schmidt“ wird rund zwei Minuten dauern. Wer allerdings die Sendung gestern abend gesehen hat, der weiß, daß das Material dafür kaum reichen wird.
Bei seinem ersten Auftritt nach seiner einjährigen Pause hatte sich Schmidt im Dezember gut aufgelegt gezeigt. Hier war einer, der seines selbstverordneten Schweigens überdrüssig geworden war, der wie früher seine Kommentare abgeben wollte zum Geschehen auf der Welt, die sich auch ohne seine Show weitergedreht hatte. Die Kritik war durchaus gespalten, doch überwiegend wohlwollend, und wenn zuallererst auch Schmidts ungewohnte Erscheinung mit langem Haar und Bart in Erinnerung blieb, so gelangen ihm doch ein paar schöne Pointen.
Keine Atempause
Gestern nun lief die erste „reguläre“ Sendung, nicht wie die im Dezember eine Dreiviertelstunde lang, sondern nur noch eine halbe Stunde. Schmidt kam mit kurzem Haar, ohne Bart und ohne Pointen. Es war deprimierend. Kaum ein Satz von ihm, der befreites Gelächter hervorrief, kaum ein Spruch, den die „ARD-Showband“ wagte mit einem Tusch zu adeln. Dabei redete sich der Moderator schier den Mund fusselig. Ohne Atempause hastete er von einem tagesaktuellen Thema zum nächsten, von der Amtseinführung George W. Bush bis zum Skandal um Dioxineier, ganz wie es sein neuer Arbeitgeber von einem „Großmeister der Satire“ (ARD) wohl erwartet - aber komisch war das alles nicht.
Harald Schmidt wirkte gehetzt. Vielleicht rächt sich nun die im Vergleich zu seiner Sat.1-Show deutlich kürzere Netto-Sendezeit: Konnte er sich dort auch mal einen gewissen Leerlauf leisten, so drängt nun die Zeit. Unfreiwillig verhaspelte Schmidt sich am Mittwoch abend so häufig wie das Kabarett-Urgestein Dieter Hildebrandt, bei dem das freilich zum Konzept gehört - von welchem sich der gelernte Politkabarettist Schmidt, wie man meinte, längst meilenweit entfernt hatte. Wie man sich täuschen kann.
Ein Mann im Käfig
Manuel Andrack saß auch wieder mit dabei, hatte aber fast gar nichts zu sagen und wurde von der Kamera nur für Sekunden ins Bild gerückt: Wenn man für sowenig Schmidt schon soviel Geld bezahlt, mag sich die ARD gedacht haben, dann sollen ihn die Zuschauer wenigstens so lange sehen dürfen wie möglich. Einen Gefallen getan hat man ihnen am Mittwoch abend damit nicht. Oder findet es irgendjemand komisch, wenn sich, wie Schmidt es tat, ein Mann einen Käfig über den Kopf legt und dabei gackert wie ein Huhn?
2,26 Millionen Zuschauer haben die Sendung gestern gesehen: Das ist weit mehr, als die ARD (offiziell) erwartet. Wenn er so weitermacht wie gestern, wird es für Schmidt verdammt schwer, das zu halten. Es scheint, als mache selbst einer Teflon-Natur wie Schmidt der immense Druck zu schaffen, den nicht nur sein königliches Honorar, sondern auch der Rummel erzeugt, den die ARD um ihr neues Zugpferd veranstaltet. Für die gewiß nicht billige Werbekampagne meint sich Schmidt nun revanchieren zu müssen, indem er - ohne Gewinn für den Zuschauer - in seiner Show Fernsehbilder aus den hauseigenen Nachrichtensendungen zeigt und sogar den Namen eines Korrespondenten erwähnt.
Zudem versuchen nun rund um Schmidt alle, was derzeit nicht mal diesem selbst gelingt: komisch zu sein. Ulrich Wickert winkte Schmidt nach einem „Tagesthemen“-Vorabgespräch (!) fröhlich zu, und Wetterfrosch Kachelmann ließ sich kurz mal schwarzweiß schalten, weil das nachfolgende Programm, hihi, so teuer sei. Das sah man ihm aber nicht an. Womöglich ist die Traumpaarung ARD - Harald Schmidt doch nur eine Mésalliance, und der vermeintliche Freiraum, den sich Schmidt mit seinem Millionenvertrag erkämpft hat, in Wirklichkeit ein ziemlich enger Käfig.