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„Fantastic Four“ im Kino : Wie kann man nur so Doom sein?

Jamie Bell, Michael B. Jordan, Miles Teller und Kate Mara wünschen sich, der Blitz möge ihren Film spalten. Bild: Twentieth Century Fox

Die Verfilmung des Superheldencomics „Fantastic Four“ setzt einen Tiefpunkt fürs beliebte Genre. Hinter den Superheldenkräften vergisst Josh Trank die lebhaften Geschichten und humanen Wesenszüge der Helden.

          Die ersten zwanzig Minuten sind ganz ansehnlich, die nächste halbe Stunde tut nicht weh, und dann wird es so dämlich, schwach und falsch, dass der Regisseur Josh Trank inzwischen hat durchblicken lassen, das Studio habe ihm sein Werk per Einmischung verdorben. Wie kommt einer, der sich für so eine jämmerliche Ausrede nicht noch mehr schämt als für das Desaster, dem sie gilt, ausgerechnet an einen Stoff, in dem es darum geht, dass Leute einer außergewöhnlichen Herausforderung an Körper, Geist und Charakter begegnen, indem sie weit über sich hinauswachsen?

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Am Ende von „Fantastic Four“ müssen drei Helden und eine Heldin einen Ultramisanthropen daran hindern, die Welt zu vernichten. Man ruft ihn beim Vornamen, um ihn von seinem Wahnsinn abzubringen: „Victor!“ Aber Toby Kebbell, ein begabter Schauspieler, der vermutlich froh ist, dass man sein Gesicht unter der Formplastikmaske hier nicht erkennt, antwortet, mit Recht angewidert vom Appell an eine Menschlichkeit, die der seelenlosen Effektgrütze, die ihn umgibt, vollständig abgeht: „There is no Victor. There is only Doom.“

          Filmgourmets erinnert das sofort an Sigourney Weavers unheilvolles Statement als dämonisch Besessene in „Ghostbusters“ (1984); „There is no Dana. There is only Zuul.“ Es gibt nur zwei mögliche Erklärungen für dieses Echo: Entweder, irgendwer war der Meinung, dass Sätze in Drehbüchern Rohmaterial sind, das man wie Soundeffekte ausschneiden und einkleben darf, wo man’s braucht (Haste mal ’n Gruselsatz?). Für diese Deutung spricht, dass eine derart dumme Meinung gut zu der Blindheit für Kontexte und der Taubheit für Nuancen passt, die Herrn Trank und seine Handlanger offensichtlich daran gehindert haben, zu begreifen, dass der Weaver-Satz sich dem „Ghostbusters“-Publikum nur deshalb einprägt, weil der Film, der ihn umgibt, ihn dramatisch trägt und atmosphärisch für ihn bürgt, während die Doom-Zeile in „Fantastic Four“ im Morast einer Bild für Bild blassen Blamage steckenbleibt, deren allgemeine Jämmerlichkeit dennoch nicht erlaubt, eine zweite Möglichkeit ganz auszuschließen: Das Zitat soll ein Ausweis der Cleverness, ein Hinweis auf Vertrautheit mit allerlei ikonischer Pop-Phantastik zwischen Kino und Comic sein.

          Wie erbärmlich, wenn das wahr wäre, aber andererseits just so egal, wie diesem Film am Ende die Konstellationen sind, von denen er zunächst ganz lebhaft erzählt: Zwei Freunde, die einander Brüder werden, ein knospendes Liebesdreieck, ein beleidigtes Genie – alles vergessen, sobald die Figuren jene übermenschlichen Kräfte erlangen, die in gelungenen Superheldenfilmen dazu da sind, humane Wesenszüge zu vergrößern, statt sie unter Schwachsinn zu begraben, wie es in „Fantastic Four“ geschieht. Wer will den vielseitigen Miles Teller als sprechenden Kaugummi sehen, den quirligen Michael B. Jordan als hirnlose Lenkrakete, den leidenschaftlichen Jamie Bell als Depri-Haudrauf und die spröd-faszinierende Kate Mara als Billigperücken-Buffy? Kein Aas. Der Film ist also mit Recht, wie man erfährt, ein katastrophaler kommerzieller Rohrkrepierer, dem zum wenigstens spektakulär großen Bockmist obendrein insgesamt fehlt, was ein Film nach dem gleichnamigen Comic von Stan Lee und Jack Kirby vor allem haben müsste, um der Kunst dieser beiden wenigstens im Scheitern gerecht zu werden: Größe.

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