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Europäischer Filmpreis Polanskis Abend

 ·  Roman Polanskis Thriller „Der Ghostwriter“ hat den Europäischen Filmpreis gewonnen. Polanski setzte sich in der Sparte bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch durch. Auch Hauptdarsteller Ewan McGregor wurde ausgezeichnet. Als beste Schauspielerin wurde die Französin Sylvie Testud geehrt.

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Roman Polanski und sein Film „Der Ghostwriter“ waren mit insgesamt sechs Auszeichnungen die großen Gewinner bei der Vergabe der Europäischen Filmpreise am Samstag Abend in Tallin. Die European Film Academy wählte „Ghostwriter“ zum besten europäischen Film des Jahres. Polanski, der bereits bei der Berlinale im Februar den Regiepreis für diesen Film gewonnen hatte, wurde mit Robert Harris für das beste Drehbuch und wiederum die beste Regie geehrt. Weitere Auszeichnungen für den „Ghostwriter“ gingen an Ewan McGregor als bester Schauspieler, Albrecht Konrad für die beste Ausstattung und Alexandre Desplat für die beste Filmmusik.

Die Dreharbeiten hatten in Deutschland stattgefunden, so dass sich auch das Studio Babelsberg als Gewinner des Abends fühlen konnte. Polanski war nicht nach Tallin gekommen. Er wurde per Internet zugeschaltet, was ihm im Livestream ums Gesicht herum ein fast überirdisches Strahlen bescherte, und bedankte sich für die Ehren für eine „wahrhaft europäische“ Produktion.

Solidaritätsgeste an Polanski

Der Preisregen, der da auf „Ghostwriter“ niederging, war angesichts einer starken Konkurrenz - in der Königskategorie des Besten Films etwa waren unter anderen auch der argentinische Oscar-Gewinner „In ihren Augen“ von Juan José Campanella, der Berlinale-Sieger „Bal“ von Semih Kaplanoglu und der in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete „Von Menschen und Göttern“ von Xavier Beauvois nominiert - wohl auch eine Solidaritätsgeste an den Siebenundsiebzigjährigen. Sein Hausarrest in der Schweiz ist zwar aufgehoben und das Auslieferungsbegehren der Amerikaner abgelehnt, in den Vereinigten Staaten droht ihm aber immer noch ein Prozess wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen.
Anders als bei den Oscar-Verleihungen waren die Dankesreden kurz.

Niemand wurde von einem Tusch, den in Tallin ein Mädchenchor sang, von der Bühne gejagt. Die längste Rede hielt Wim Wenders. Er übergab den Preis fürs Lebenswerk an Bruno Ganz und nutzte die Gelegenheit, von den Dreharbeiten seines „Amerikanischen Freundes“ zu erzählen, bei denen Bruno Ganz auf Dennis Hopper traf, der drogenbenebelt frisch vom Set für „Apocalypse Now“ kam und in seiner Berufsauffassung ziemlich das Gegenteil von Ganz war. Sie schlugen sich, sie liebten sich, sie lernten voneinander - der eine ein bisschen Disziplin, der andere ein bisschen Gelassenheit. Das war auch eine schöne Erinnerung an Hopper, der im Mai gestorben war.

Die Gewinner

Bester Film: „Der Ghostwriter“ von Roman Polanski (Frankreich/Polen)
Beste Regie: Roman Polanski („Der Ghostwriter“)
Beste Schauspielerin: Sylvie Testud („Lourdes“)
Bestes Schauspieler: Ewan McGregor („Der Ghostwriter“)
Bestes Drehbuch: Robert Harris & Roman Polanski („Der Ghostwriter“)
Kamera: Giora Bejach („Lebanon“)
Schnitt: Luc Barnier & Marion Monnier („Carlos - Der Schakal“)
Szenenbild: - Albrecht Konrad („Der Ghostwriter“)
Filmmusik: Alexandre Desplat („Der Ghostwriter“)
Entdeckung: „Lebanon“ von Samuel Maoz (Israel)
Dokumentation: „Nostalgia for the Light“ von Patricio Guzmán (Chile)
Kurzfilm: „Hanoi - Warsaw“ von Katarzyna Klimkiewicz (Polen)
Publikumspreis: „Mr. Nobody“ von Jaco Van Dormael (Belgien)
Ehrenpreis: Bruno Ganz (Lebenswerk) und Gabriel Yared (Europäischer Beitrag zum Weltkino)

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