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Eastwood bei den Republikanern : Ein Entzauberter

Ein Schauspieler und Regisseur im fiktiven Dialog mit dem Präsidenten: Clint Eastwood spricht vor Republikanern über Barack Obama Bild: REUTERS

Clint Eastwood gibt in Florida den Dirty Harry. Nicht vor Filmpublikum, sondern auf dem ganz realen Parteitag der Republikaner. Von einem kurzen quälenden Auftritt.

          Es waren scheußliche elf Minuten in der Nacht zum Freitag in Tampa (Florida) während des Parteitags der Republikaner, der an scheußlichen Minuten nicht arm war. Clint Eastwood trat, ohne Manuskript, ohne Teleprompter, auf die Bühne, besänftigte lächelnd den brausenden Beifall und legte los. Er versuchte es jedenfalls. Aber gleich blieb er stecken. Wusste nicht, was er eigentlich sagen wollte, außer, dass Hollywood nicht völlig an die Linke verloren sei, dass es eine ganze Reihe von Konservativen dort gebe, die, entsprechend ihrer Haltung, einfach weniger Lärm machten.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dann wandte er sich einem leeren Stuhl zu, der neben dem Rednerpult stand, und unterhielt sich mit dem abwesenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama. Aber schon blieb er wieder stecken. Sprang vom Problem der Arbeitslosigkeit zum Truppenabzug aus Afghanistan, verhedderte sich, ließ den stummen Präsidenten fluchen, damit er selbst anzüglich reagieren konnte, was wiederum Begeisterungsstürme entfachte, und so ging es die elf quälenden Minuten seines Gastauftritts weiter, der einer der Höhepunkte des Parteitags hatte sein sollen.

          Ein Moment der Entzauberung

          Ein alter Mann, politisch offensichtlich verwirrt, erhob die krächzende Stimme, um den ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten in den Staub zu treten. „Alle haben geweint, als damals von Hoffnung und Veränderung die Rede war“, rief er. „Oprah hat geweint.“ Rauschendes Gelächter.

          Es war ein Augenblick zum Fürchten, wie da der Mann, den viele der Anwesenden offenbar immer noch für Dirty Harry halten, die rassistischen Ressentiments bediente, die den Hassreden auf Obama letztlich zugrunde liegen. Es war aber auch ein Augenblick der vollkommenen Entzauberung eines verehrten Filmemachers. Eastwood war immer ein strammer Rechter. Aber künstlerisch hat er sich längst von den einfachen Lösungen für komplexe Probleme entfernt.

          Präzision als filmisches Mittel

          Auf der Leinwand sorgte er oft mit Gewalt für den Siegeszug eines vermeintlich Guten, aber er wusste, wie gefährlich es sein konnte, dass die Leute, die ihm zujubelten, diese fiktive Gewalt für die Lösung ihrer tatsächlichen Probleme hielten. Er wurde nicht eins mit den berühmten Figuren, die er spielte, allen voran dem schießwütigen Polizisten Dirty Harry, der mit unnachahmlicher Coolness Selbstjustiz übte und die Schurken mit dem legendären Spruch „make my day“ ins Jenseits beförderte. Eastwood wuchs an ihnen.

          Er schaute sich das Morden, das in diesen Filmen so leicht aussieht, später in seinen eigenen Regiearbeiten ganz genau an, er schaut überhaupt sehr genau hin - auf die Familie und wie sie vor allem den Vätern oft abhandenkommt, auf die persönliche Sehnsucht und das persönliche Sterben wie in „Million Dollar Baby“ oder kürzlich, in „Gran Torino“ (2008) noch, auf die Konflikte in Wohnvierteln, die nach dem Wegzug der Weißen verslumen.

          Flüchtige Coolness

          Auch über den Krieg gegen die Japaner im Pazifik hat er zwei Filme gedreht, die sich weit weg bewegen von nationalistischem Siegestaumel, er hat sich der Trauer angenommen, der Möglichkeiten von Liebe, und auch über den Rassismus hat er filmisch nachgedacht. Er hatte sich ästhetisch derart weit von jeglichem Populismus, von starken Sprüchen und primitiver Rhetorik entfernt, dass seine privaten Überzeugungen genau das bleiben konnten: seine Privatsache.

          Parteitag der Republikaner : Clint Eastwoods fiktives Streitgespräch mit Barack Obama

          Jetzt hat er sie in die Welt gekräht. Unartikuliert, stammelnd und vulgär. Seine Coolness verdampfte in einer Halle vor dem Banner „We Believe in America“, obwohl seine Filme doch zeigen, dass das nicht reicht. Am Ende flüsterte er, was nie mehr über seine Lippen kommen sollte: „Make my day“, und dann dirigierte er das dröhnende Echo der Delegierten. Clint Eastwood hat einmal gesagt, er sei nur ein Typ, der Filme macht. Wir hielten das für schwer untertrieben. Heute wünschten wir, es wäre wahr.

          Quelle: F.A.Z.

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