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Dustin Hoffman zum 80. : So groß wird man nicht nur mit Methode

Dustin Hoffman wird 80 Jahre alt. Bild: dpa

Er ist mehr als ein manieristischer Multimaskenmann. Schon in den sechziger Jahren zeigte er sein ganzes Können. Zum Achtzigsten des Filmschauspielers Dustin Hoffman.

          Das erste muss nicht immer gleich das zündende Erlebnis ein. Wer um 1960 geboren wurde, dürfte Dustin Hoffman im Kino zum ersten Mal als „Little Big Man“ gesehen haben: einen Mann von 1,67 Metern, der nicht nur einen Veteranen der Indianerkriege im Alter von 120 Jahren darstellte, sondern auch die verschiedenen Ausgaben von dessen jüngerem Selbst seit dem 17. Lebensjahr. Das war für uns Teenager natürlich sehr beeindruckend, und es ist auch im Rückblick kein schlechter Film daraus geworden, allenfalls die Komik darin mag einem heute fremd vorkommen.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber wenn man wissen will, was in Hoffman steckt, was ihn unterscheidet vom gemütvollen Onkel der späteren Jahre und vom beinharten Method Actor, der 1988 in „Rain Man“ den Bilderbuchautisten gab, wenn man also neugierig ist, dann wird man auch nicht unbedingt „Die Reifeprüfung“ (1967) anschauen, obwohl das schon allein Anne Bancrofts wegen ein Muss ist und wegen dieser grandiosen verglasten Kirchenempore, auf der Hoffmans Benjamin seinen Auftritt hat, bevor er und Elaine das Kreuz nehmen, die Kirchentür versperren und mit einem Linienbus abhauen.

          Der Weg führt zu John Schlesingers „Asphalt-Cowboy“ (1969), zum kleinen, sehr kranken, sehr einsamen Gauner Rizzo, der neben Jon Voights Möchtegern-Gigolo die unscheinbare und gerade deshalb wirksamere Rolle hat. Erst betrügt Rizzo ihn, dann lässt er ihn in seiner Bruchbude wohnen, dann fahren sie gemeinsam nach Miami, und am Ziel der Träume sitzt Rizzo tot im Bus. Damals war Hoffman bereits 32 Jahre alt. In seinen Zwanzigern sah es nicht danach aus, als könne aus ihm mal was werden. Diese Perspektive teilte er mit seinen damaligen Mitbewohnern in New York, und dass aus der Zeit der Not ein Kapitel Hollywood-Mythologie wurde, das liegt daran, dass diese Mitbewohner Gene Hackman und Robert Duvall hießen.

          Die siebziger Jahre waren gut zu Dustin Hoffman, weil er gut war, weil er nicht nur diese Extremsportrollen spielte, die gerne für Method Actors entwickelt werden, sondern einen linkischen Mathematiker wie in Sam Peckinpahs „Wer Gewalt sät“ (1971) oder, erneut unter der Regie von Schlesinger, den „Marathon-Mann“ (1976), einen nerdigen Doktoranden der Geschichte; oder den großen Investigativen, Carl Bernstein, in „Die Unbestechlichen“ (1976). Und für alle, die sie mögen: Natürlich waren da auch Filme wie „Tootsie“ (1982) und das Ehedrama „Kramer gegen Kramer“ (1979), für Letzeres bekam er, ebenso wie für „Rain Man“, einen Oscar.

          Dustin Hoffman mit Katherine Ross in der „Reifeprüfung“

          In den achtziger Jahren hat er dann nicht allzu viele Filme gemacht, in den Neunzigern vor allem größere, glattere, da war dann mitunter eine gewisse Dustin-Hoffmanhaftigkeit, ein milder Manierismus, nicht zu übersehen, was auch an den Regisseuren und Produzenten liegen mochte. Nicht optimal beraten war er, als er 1997 einen offenen Brief an Helmut Kohl unterzeichnete, in dem das Verhalten des deutschen Staates gegenüber der Scientology-Sekte mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus verglichen wurde.

          2003 dann hielt er auf der Berlinale ein pazifistisches Plädoyer gegen den Irak-Krieg. Aber was ist schon die Politik, wenn einen die Leute zwischen Finnland und Feuerland kennen, weil man ein paar Klassiker des Kinos zu dem gemacht hat, was sie sind? Da lässt sich heute ganz entspannt der achtzigste Geburtstag feiern.

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