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Veröffentlicht: 24.01.2013, 14:52 Uhr

Dustin Hoffman im Gespräch Als man mich für mein Lebenswerk lobte, wurde ich depressiv

Als Schauspieler hat der 1,66 Meter große Gigant alles gegeben, nun wagt er einen Neuanfang als Regisseur: Für eine Bilanz fühlt sich Dustin Hoffman eindeutig noch zu jung. Ein Gespräch.

© dapd Es erfordert Mühe, dorthin zu kommen, wo es mühelos wird: Dustin Hoffman, Jungregisseur

Wissen Sie noch, wie und wann Ihr Berufswunsch geweckt wurde?

Ich bin Schauspieler geworden, weil ich ein totaler Versager war. Das schwarze Schaf der Familie. Im Gegensatz zu meinem Bruder, einem Einser-Schüler und Baseball-Crack, brachte ich nur miserable Noten nach Hause. Ich ging aufs Konservatorium, weil meine Eltern hofften, ich hätte das Talent zum Konzertpianisten, doch sie irrten sich. Ich versuchte, ins Jazzfach zu wechseln, aber es stellte sich heraus, dass ich auch dafür nicht gut genug war. Ich schrieb mich am städtischen College ein - und rasselte dort ebenfalls durch sämtliche Prüfungen. Schließlich gab mir ein Freund den Tipp, einen Schauspielkurs zu belegen: „Da fällt niemand durch“, sagte er. Und siehe da: Es fiel mir leicht, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Endlich fühlte ich mich zu etwas nütze. Ich habe quasi meine eigene Identität gefunden, indem ich fremde Identitäten angenommen habe.

Stimmt es, dass Sie seit Ihrem Schauspielstudium mit Gene Hackman und Robert Duvall befreundet sind?

Ja. Hackman hatte ich schon in meinem ersten Semester in Kalifornien kennengelernt; als er seine Ausbildung in New York fortsetzte, folgte ich ihm und schlief drei Wochen lang in seinem Zimmer auf dem Fußboden, ehe er mich als WG-Partner an seinen Kumpel Duvall vermittelte. Zehn Jahre lang zogen wir drei gemeinsam um die Häuser und versuchten vergeblich, von unserem Beruf zu leben. Stattdessen musste ich die meiste Zeit kellnern, Duvall schob Nachtschichten auf dem Postamt, und Hackman schleppte als Möbelpacker Kühlschränke treppauf und treppab. Wir vegetierten am Rande des Existenzminimums dahin, doch wir hatten das Gefühl, in Würde zu scheitern, unsere Schauspielerfreunde waren ebenfalls arbeitslos. Unser größtes Ziel war ein festes Engagement an einem Off-Broadway-Theater. Wenn uns damals jemand prophezeit hätte, wir würden eines Tages Filmstars werden, dann hätten wir nur schallend gelacht.

Wieso? Weil Sie glaubten, Sie wären nicht gut genug?

Nein, weil Filmstars damals so aussahen wie James Dean oder Robert Redford. Wir hingegen galten als „Charakterdarsteller“ - soll heißen: Wir waren zu hässlich für Heldenfiguren in Hollywood. Nie hätte ich gedacht, dass ein kleiner, schmächtiger Jude mit einer so riesigen Nase wie ich jemals eine Kinohauptrolle spielen würde. Doch dann engagierte mich Regisseur Mike Nichols für „Die Reifeprüfung“ - und von da an änderte sich alles. Man hielt ihn für verrückt und mich für eine Fehlbesetzung, aber ich wurde über Nacht berühmt und fortan mit Angeboten überschüttet. Noch immer habe ich Angst davor, dass ich eines Tages aufwache und ein Arzt mir erklärt, ich sei ein arbeitsloser Schauspieler, der fünfzig Jahre lang im Koma gelegen habe. Meine Karriere kommt mir wie ein Traum vor. Ein Traum mit einer fatalen Kehrseite.

Inwiefern?

Der Erfolg versaut dich. Es gibt kein Entrinnen: Du wirst unweigerlich korrumpiert. Wenn man einmal vom Ruhm gekostet hat, dann will man immer mehr davon. Wir alle wollen geliebt werden - und dafür zahlen wir einen Preis: Wir beginnen, Kompromisse einzugehen. Salvador Dalí hat es sogar zugegeben: Nachdem er herausgefunden hatte, was die Leute von ihm wollten, hat er es ihnen immer wieder geboten. Der Erfolg ist verführerisch. Er schmeichelt der Eitelkeit, die in jedem von uns steckt und sich extrem schwer kontrollieren lässt. Deshalb fragen Männer ja auch nach dem Sex: „War ich gut?“

Haben Sie das etwa auch schon gefragt?

Aber natürlich! Auch ich habe eine gehörige Portion Eitelkeit abbekommen. Und Agenten und Manager, die nach meinem kometenhaften Aufstieg plötzlich an meiner Seite waren, kitzelten diese Eitelkeit. Wenn ich etwa andeutete, dass ich ein bestimmtes Filmangebot gern annehmen wollte, weil ich die Rolle großartig fand, dann sagten sie: „Nein, du musst das ablehnen. Man bietet dir nicht genug Gage. Du darfst dich nicht unter Wert verkaufen!“ Oder: „Du musst darauf bestehen, dass dein Name im Vorspann als erster genannt wird! Das erhöht deinen Wert bei den nächsten Verhandlungen.“ Solche Sätze fressen sich langsam in dein Unterbewusstsein. Sie vergiften dich. Irgendwann sitzt du im Kino und siehst, wie dein Name in riesengroßen Lettern noch vor dem Filmtitel auf der Leinwand erscheint. Und du denkst: „Wow!“

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