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Dokumentation „Let's Make Money“ Geld stinkt, aber es arbeitet nicht

29.10.2008 ·  Der Skandal ist das Finanzsystem, wenn es funktioniert: Erwin Wagenhofers Dokumentation „Let's Make Money“ redet die Kreditkrise förmlich herbei. Der Film, der noch vor dem Kollaps der Märkte entstand, kommt zur rechten Zeit - könnte man meinen.

Von Verena Lueken
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Inzwischen wissen wir alle so ungefähr, was es mit der Deregulierung der Finanzmärkte auf sich hat und dass das Ganze keine so überragende Idee war, auch wenn eine Reihe von Leuten sehr viel Geld damit verdient hat. Wer die Idee hatte, wissen wir auch. Als Erwin Wagenhofer seinen Dokumentarfilm „Let's Make Money“ drehte, war in der Öffentlichkeit von Krise noch nicht die Rede. Jetzt, da der Film ins Kino kommt, redet kaum jemand von etwas anderem. Der Film komme gerade recht, könnte man also meinen. Aber ganz so einfach ist es selbst im Kino nicht.

Zum einen hat Wagenhofer, der in einer Diskussion in Frankfurt erklärte, alle seine Gesprächspartner hätten den Zusammenbruch des Systems kommen sehen, versäumt, wenn es denn so war, sie danach zu fragen. Und zum anderen wollen wir, weil wir über die Kreisläufe des Geldes deutlich informierter sind, als wir es zum Beispiel über die Sauereien der Nahrungsmittelindustrie waren, als „We Feed the World“, Wagenhofers vorheriger Film, herauskam, auch tiefer gehende Informationen. Dass der neue Film außerdem ein paarmal zu oft in die Agitprop-Klamottenkiste greift, trägt zur Enttäuschung bei: Wir wissen ja nicht alles, vor allem nicht, wie es weitergeht. Auf wessen Kosten aber im neoliberalen Zeitalter, das jetzt zu Ende ist, Geld gescheffelt wurde, darauf können wir inzwischen im Chor antworten.

Arme Menschen sollen Eintritt zahlen

Es ist eine der Stärken Wagenhofers, dass er seine Filme entlang ganz einfacher Fragen aufbaut. Das war in seinem Film übers Essen so, und hier geht er nach der gleichen Methode vor. Wer zum Beispiel arbeitet eigentlich, wenn es heißt, unser Geld arbeite? Wer soll auf den achthundert Golfplätzen hinter den Investitionsruinen an der Costa del Sol golfen? Und wer kriegt das Gold, das in höllischer Anstrengung in Ghana geschürft wird, wo Ghana doch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört?

Das Problem ist, dass Wagenhofer auf die Fragen oft auch ganz einfache Antworten findet. Wo das nicht so ist, gewinnt sein Film sofort an Tiefe. Etwa in der Episode, die in Burkina Faso spielt: Wir sehen karstige Böden, auf denen für lange Zeit nichts mehr wachsen wird. Wir sehen, gleich nebenan, eine Gruppe von Frauen, Männern und Kindern Baumwolle pflücken, mit der Hand, jedes Bällchen wird noch mehrmals abgestrichen und gesäubert.

Die Baumwolle aus Burkina Faso, so lernen wir, ist die beste der Welt, ihre Produktionskosten sind die niedrigsten. Aber sie ernährt das Land nicht. Die Monokultur, finanziert von der Weltbank, lässt die Böden erodieren. Und auf dem Weltmarkt ist die hochwertige Pracht nicht konkurrenzfähig, weil die Amerikaner ihre eigene Baumwollproduktion milliardenfach subventionieren. „Wir werden nach Europa kommen, wenn unser Land kaputt ist“, sagt der Agrarökonom Yves Delisle, „wie hohe Mauern auch immer ihr bauen werdet.“

Zu diesem Thema hat Gerhard Schwarz, der Leiter der Wirtschaftsredaktion der „Neuen Zürcher Zeitung“, seine ganz eigenen Vorstellungen. Während Geld und Güter frei durch die Welt reisen, sollten Menschen, die vor der Armut fliehen, Eintritt bezahlen. Wie in einem Tennisclub, so stellt er sich das vor. Für Zitate wie dieses lohnt sich der Film dann doch.

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Jahrgang 1955, stellvertretende Leiterin des Feuilleton.

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