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Isabelle Adjani wird sechzig : Was der Schmollmund sang

Isabelle Adjani 2009 in Cannes Bild: Picture-Alliance

Ob Engel oder Mörderin oder beides zugleich: Isabelle Adjani überzeugte in zahlreichen Rollen, ihr Talent ausspielen konnte sie nur in wenigen. Jetzt wird die Schauspielerin sechzig.

          Sie ist eine Ikone des französischen Kinos, vielleicht die wichtigste neben Catherine Deneuve, mit der sie sonst wenig gemeinsam hat, außer dass beide für Truffaut, den Vielgeliebten, vor der Kamera standen, die eine sehr jung, die andere auf dem Gipfel ihres Ruhms. Aber anders als Deneuve kann man sich Isabelle Adjani nicht in den Mutter- und Großmutterrollen vorstellen, die ihre blonde Konkurrentin jetzt spielt.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es ist, als könnte das Kino, das ihr all die verträumten Mädchen und fatalen Frauen, die engelhaften Mörderinnen und funkelnden Unbekannten auf den Leib geschrieben hat, sie nicht aus seinen Klauen lassen, als hätte der Sternenstaub, der auf ihr Gesicht gefallen ist, dessen Züge zur Maske eines vergangenen Glanzes eingefroren. Alterslos zu sein, das ist die Gnade, die das Medium seinen Stars gewährt, und zugleich sein schlimmster Fluch. Greta Garbo und Marlene Dietrich konnten ein Lied davon singen, was es heißt, die eigene Unsterblichkeit zu überleben, und auch Isabelle Adjani, die nicht in der ganzen Welt, aber zumindest im eigenen Land so groß war wie sie, kennt gewiss dessen Melodie.

          Truffaut also hat sie entdeckt, mit seiner „Geschichte der Adèle H.“, und anders als die meisten der Regisseure, mit denen sie später gearbeitet hat, gab er ihr eine echte Rolle. Der Schmollmund, die aufgerissenen Augen, die mit Schluchzern gesättigte Stimme, all das, womit Luc Besson („Subway“), Claude Miller („Das Auge“), Jean Becker („Ein mörderischer Sommer“) und andere in den folgenden Jahren Zucker in die Augen der Zuschauer streuten, hatte seinen klaren Sinn in diesem Film, der von der Amour fou der Tochter Victor Hugos zu einem britischen Offizier erzählte. Nur in Bruno Nuyttens „Camille Claudel“, Patrice Chéreaus „Bartholomäusnacht“ und vielleicht noch in Werner Herzogs „Nosferatu“ durfte Isabelle Adjani mit vergleichbarer Intensität ihr Talent ausspielen – und als sie 1994 bei Chéreau die unglückliche, politischer Räson geopferte Königin Margot verkörperte, war das zugleich ihr Abschied vom Weltkino, in das sie seither nicht mehr zurückgekehrt ist.

          Die Reihe der Rollen, die sie abgelehnt hat, ist Legende. Sie hätte Godards Carmen sein können, Buñuels „Obskures Objekt der Begierde“, die Sabina in Philip Kaufmans „Unerträglicher Leichtigkeit des Seins“ und zuletzt die Ehefrau von Dominique Strauss-Kahn in Abel Ferraras Film über dessen New Yorker Sexaffäre. Über eine jüngere Schauspielerin würde man sagen, so bleibe sie ein Versprechen. Aber Isabelle Adjani hat dieses Versprechen längst eingelöst. An diesem Samstag wird sie sechzig Jahre alt.

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