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Die Oscar-Show Wenig überraschend, aber beschwingt

23.02.2009 ·  Überraschungen blieben weitgehend aus, aber das erneuerte Konzept der Oscar-Gala überzeugte: Gegen den Zuschauerschwund der vergangenen Jahre stemmten sich ein überzeugender Moderator und eine beschwingte Inszenierung.

Von Nina Rehfeld, Phoenix
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Überraschungen blieben bei der 81. Oscar-Verleihung weitgehend aus: „Slumdog Millionaire“, einer ebenso schonungslosen wie optimistischen Mumbai-Lovestory, die nichtsdestotrotz als Favorit galt, räumte acht Preise ab, darunter die Trophäen für den besten Film und die beste Regie für den Briten Danny Boyle (FAZ.NET-Spezial: Die Oscar-Verleihung 2009). Als beste Hauptdarstellerin wurde wie erwartet die phantastische Kate Winslet für die Bernhard-Schlink-Adaption „Der Vorleser“ über die Affäre eines Jugendlichen mit einer ehemaligen KZ-Aufseherin ausgezeichnet („Little Soldier“ und „Der Vorleser“: Aus dem Brunnen der Vergangenheit), und Sean Penn erhielt erwartungsgemäß den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine fulminante Darstellung des ersten offen schwulen Politiker San Franciscos in „Milk“ (Video-Filmkritik: „Milk“)

Obwohl „Der Vorleser“, ungeachtet einer persönlichen Werbe-Kampagne von Hollywood-Grobian und Produzent Harvey Weinstein, ansonsten leer ausging und auch der als bester ausländischer Film nominierte „Baader Meinhof Komplex“ (Video-Filmkritik: „Der Baader Meinhof Komplex“) keinen Preis erhielt, konnte sich im Kodak Theatre in Hollywood dennoch ein deutscher Preisträger freuen: Jochen Alexander Freydank wurde für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“ um eine Kinderfreundschaft während der Juden-Deportationen prämiert. Der Weg von hinter der Mauer bis nach Hollywood sei weit, aber lohnenswert gewesen, freute sich der gebürtige Ost-Berliner.

Viele feuchte Augen

Heath Ledger wurde posthum als bester Nebendarsteller für seine abgründige Verkörperung des anarcho-terroristischen Joker in „The Dark Night“ ausgezeichnet, womit ebenso zu rechnen war wie mit den vielen feuchten Augen im Publikum bei der zurückhaltenden Entgegennahme des Preises durch die Eltern und die Schwester des verstorbenen Schauspielers. Das grandiose Maschinenmärchen „Wall-E“, das zahlreiche Filmkritiker zum besten Film des Jahres 2008 erklärt hatten, gewann in der Kategorie bester Animationsfilm konkurrenzlos (Der neue Pixar-Film „Wall-E“ im Kino). James Marshs „Man on Wire“ über den verwegenen, illegalen Drahtseilakt des jungen Franzosen Philippe Petit zwischen den World Trade Center-Türmen 1974 wurde als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Hollywoods Traumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt, die jeweils für einen Hauptdarstelleroscar nominiert waren (Jolie für „Changeling“ um eine Mutter, die sich bei der Suche nach ihrem verschwundenen Sohn im Clinch mit einem korrupten Polizeiapparat wiederfindet, Oscar-Kandidatin Angelina Jolie in Clint Eastwoods „Der fremde Sohn“ ), ging mit leeren Händen nach Hause. Dass „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, in dem Brad Pitt einen rückwärts alternden Mann spielt (Video-Filmkritik: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“), bloß mit drei Technikpreisen bedacht wurde, entsprach womöglich nicht ganz den Prophezeiungen der Film-Orakel, schien aber angesichts eines bei aller optischen Opulenz emotional flachen Films angebracht. Gestaunt wurde im Publikum aber über die Missachtung von „Waltz with Bashir“, einer radikal innovativ animierten Erinnerung des israelischen Filmemachers Ari Folman an seinen Libanon-Einsatz 1982 (Video-Filmkritik: „Waltz with Bashir“), zugunsten des japanischen „Departures“ um einen arbeitslosen Cellisten, der Arbeit in einem Bestattungsinstitut findet.

Grundlegende Neukonzeption

Spannung bemühte sich die Veranstaltung in diesem Jahr aus einer grundlegenden Neukonzeption der Show zu ziehen. Ironischerweise leidet ausgerechnet die Top-Party der Entertainmentindustrie seit Jahren unter Zuschauerschwund. Mit Bill Condon („Gods and Monsters“) produzierte diesmal ein oscargekrönter Autor und Regisseur die Show, die statt mit routinierter Selbstbeweihräucherung mit einen tanzenden und singenden Moderatoren, dem musicalerfahrenen Hugh Jackman, aufwartete. Jackman führte nicht mit der altbewährten Stand-Up-Routine, sondern mit Entertainer-Eloquenz durchs Programm und wagte damit überraschend Neues auf der Oscarbühne. Ein Kompliment verdient auch die Idee, klassische Langweiler-Kategorien mit einnehmenden Bühnenideen interessant zu machen: eingeblendete Drehbuchzeilen begleiteten etwa die Filmausschnitte für die Kandidaten der Auszeichnung fürs beste Drehbuch. Mit Auftritten von Teenie-Stars wie Zac Efron aus „High School Musical“ und Robert Pattinson aus „Twilight“ wurde sogar dem stetig schwindenden jungen Publikum Tribut gezollt.

Einen wunden Punkt der Veranstaltung konnte aber auch die beschwingte Inszenierung nicht überdecken: Zwei der besten und dazu meistgesehenen Kinofilme des vergangenen Jahres hatten keinen Eingang in die Hauptkategorien gefunden: „The Dark Knight“ von Christopher Nolan, die aufwühlend düstere, politisch scharfsichtige und komplexe Fortführung der „Batman“-Saga (Video-Filmkritik: „The Dark Knight“), sowie „Iron Man“, die hinreißend dichte und lustvolle Adaption des gleichnamigen Kult-Comics. Offenbar in einer Reflexreaktion der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gegen Blockbusterfilme mussten diese beiden mit Nominierungen in technischen Kategorien vorliebnehmen, diesmal zu Unrecht. Denn bei einem solchen Angebot wäre es für die Academy kaum nötig gewesen, sich hinter dem allzu ambitionierten Kunstwillen von „Benjamin Button“ oder „Frost/Nixon“ (Video-Filmkritik: „Frost/Nixon“) zu verstecken.

Warum nicht einen dunklen Superhelden, einen schwulen Politiker und einen renitenten Slumdog zum Streit um den Oscar antreten lassen, die ganze Bandbreite großen Kinos in die Arena holen und das Publikum auf diese Art für die achtzig Jahre Veranstaltung neu begeistern? Auch großes Entertainment ist hohe Kunst, und dafür steht Hollywood schließlich.

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