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„Die Lincoln Verschwörung“ von Robert Redford : Versicherung gegen den Hass

  • -Aktualisiert am

Toby Kebble als Attentäter John Wilkes in „Die Lincoln Verschwörung” Bild: Claudette Barius, SMPSP

Als die amerikanische Nation den Bürgerkrieg gerade überstanden hat, wird Präsident Lincoln ermordet. Robert Redfords Film über die Verschwörer bebildert gekonnt einen Epochenwandel.

          Die Ermordung des amerikanischen Präsidenten Lincoln im Jahr 1865 ist vielen Menschen deutlich vor Augen. Es war ein Attentat mit spektakulärem Abgang über die offene Bühne des Theaters, einige Tage später wurde John Wilkes Booth in einer Scheune erschossen. Der szenische Charakter der Tat überschattet den Umstand, dass an diesem Abend noch weitere führende Politiker sterben sollten, und zwar in einer konzertierten Aktion, die unmittelbar nach dem Bürgerkrieg die Nation erschütterte. Robert Redfords neuer Film „Die Lincoln Verschwörung“ (The Conspirator) ruft dieses Geschehen nun in Erinnerung, wobei das Interesse des Gegenwartsbezugs überdeutlich ist: Die Anschläge von 1865 sind, so legen es vor allem zahlreiche resonante Formulierungen des Drehbuchs von James D. Solomon nahe, mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zu vergleichen, jedenfalls insofern, als sie unmittelbar zu einer Ausweitung der executive power führten.

          Nach dem Tod von Abraham Lincoln übernimmt nicht der Vizepräsident, den man „vom Schnaps fernhalten“ muss, die Regierungsgewalt. Das Militär erweist sich allein als handlungsfähig. Namentlich der Kriegsminister Edwin Stanton (Kevin Kline) erteilt sofort Befehle: „I want the city closed.“ Entsprechend wird dann auch der Prozess gegen acht Verschwörer vor einem Militärtribunal abgehalten, mit wenig Rücksicht auf die Rechte der Angeklagten.

          Redford und Solomon rücken vor allem das Schicksal von Mary Surratt (Robin Wright) in den Mittelpunkt. In deren Pension in Washington war das Attentat geplant worden, ihr Sohn war in die Sache verstrickt und auf eine komplizierte Weise auch sie selbst, eine Südstaaten-Witwe, die in der Hauptstadt mühselig zurechtkam. Der junge Verteidiger Frederick Aiken (James McAvoy), der ihr durch den freiheitlichen Senator Johnson zugeteilt wird, schämt sich anfangs fast für diese Aufgabe. Schließlich hat er gerade erst vier Jahre in einem Krieg gekämpft, in dem Mary Surratt es mit der Gegenseite hielt. Doch gerade darum geht es in „Die Lincoln Verschwörung“: um die Abwägung zwischen Interesse und Prinzip. Das Prinzip ist in der Verfassung festgeschrieben, und allmählich lernt Aiken, dass nur hier eine Rückversicherung gegen den Hass zu finden ist.

          Der tödlich verwundete Präsident Lincoln wird aus dem Theater getragen

          Geschichte als Lehrmeisterin der Politik

          Robert Redford erzählt in einem geduldigen Tempo, mit zahlreichen Rückblenden und Dialog- und Gerichtsszenen, deren Dramaturgie eines retardierenden Erkenntniswegs aus so vielen amerikanischen Filmen dieses Typs geläufig ist. Gerade als Kostümfilm mit sorgfältiger Ausstattung trifft „Die Lincoln Verschwörung“ aber den intendierten Punkt: In einer Nation, die vom Verfassungsoriginalismus geradezu besessen scheint, setzt Redford ein Exempel, von dem man allerdings meinen könnte, es komme eigentlich zu spät.

          Doch mit dem Erscheinen der Memoiren von Dick Cheney hat dieser ästhetisch zwar konservative, inhaltlich aber fesselnde Film neue Brisanz bekommen. Und Hollywood mischt sich einmal mehr nachdrücklich in den Streit darüber ein, welche Geschichte konkret die Lehrmeisterin aktueller Politik sein soll.

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