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Deutscher Filmpreis : Willkommen bei den Erdmanns

Starke Frauen: Regisseurin Maren Ade (links) und Schauspielerin Sandra Hüller halten beim 67. Deutschen Filmpreis ihre Trophäen für „Toni Erdmann“ in den Händen Bild: dpa

Beim Deutschen Filmpreis gewinnt der Favorit, und das am häufigsten nominierte Werk geht leer aus. Dafür ist es ein Abend der starken Frauen. Und eine Gala, die Respekt vor den Handwerkerinnen des Kinos lehrt. Ein Kommentar.

          Was am Freitagabend in den Berliner Messehallen bei der Filmpreisverleihung passierte, war Business as usual. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mit „Toni Erdmann“ seit langer Zeit wieder einmal ein Film die Hauptpreise gewann, der nicht nur auf deutschen Leinwänden, sondern auch draußen in der weiten Welt des Kinos Furore gemacht hatte. Und auch nicht das vielberedete Faktum, dass alle drei Gewinnerfilme der goldenen, silbernen und bronzenen Lola von Frauen gedreht wurden.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es ist wahr: Dies war ein starker Jahrgang – jedenfalls nach Maßgabe dessen, was im deutschen Subventionskino mit seinen unvermeidlichen künstlerischen und finanziellen Kompromissen möglich ist –, und es war ein gutes Jahr für deutsche Regisseurinnen. Maren Ade, Nicolette Krebitz und Anna Zohra Berrached haben ein Zeichen gesetzt, was immer man von ihren Filmen im Einzelnen halten mag.

          Berlin : „Toni Erdmann“ räumt beim Deutschen Filmpreis ab

          Aber der Rahmen, die Struktur, in der solche Ausnahme-Konstellationen spielen, ändert sich nicht. Kein deutscher Filmfördertopf fließt über, kein Fernsehsender ändert sein Programm, kein föderaler Subventionswildwuchs wird gekappt, nur weil „Toni Erdmann“ jetzt auch in Amerika läuft und sogar für ein Remake vorgesehen ist, in dem Jack Nicholson die Rolle von Peter Simonischek spielen soll.

          Stattdessen steigt die Abhängigkeit der Branche von den Zuwendungen aus dem Etat der Kulturstaatsministerin, deren „Deutscher FilmFörderFonds“ im kommenden Jahr um satte 75 Millionen auf 125 Millionen Euro steigen soll. Wie immer war Monika Grütters die Geschenkfee des Abends, und sie genoss diese Rolle ohne Anzeichen von Routine. Schließlich ist es selten genug, dass ein Politiker von den Versorgungsempfängern seines Ressorts mit Beifall statt mit Wehklagen und Nachforderungen begrüßt wird.

          Männerquote sinkt, Schlechte-Scherze-Quote leider nicht

          Zusammen mit Iris Berben, der Präsidentin der Deutschen Filmakademie, und der wacker und etwas glanzlos moderierenden Jasmin Tabatabai – die aber bei der alljährlichen Totenehrung sehr schön den alten Puhdys-Song „Wenn ein Mensch lebt“ nachsang –, bildete Grütters das zweite Damentrio dieses Abends. Ja, es geht aufwärts im deutschen Film, jedenfalls mit der Frauenquote, während der Anteil schlechter Scherze bei der Preisverleihung leider nicht wirklich sinkt, wie unter anderem Bastian Pastewka mit einer peinlich missglückten Anzüglichkeit gegen die Schauspielerin Eva Löbau wegen einer Nacktszene in dem ebenfalls nominierten Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ bewies.

          Wenn man bei den mittlerweile dreizehn Filmpreis-Abenden seit 2005 unter der Regie der Akademie etwas lernen konnte, dann ist es Respekt vor den sogenannten Gewerken: den Ton- und Schnittmeisterinnen, den Masken- und Filmbühnenbildnern, dem Handwerk, das hinter dem Glanz der Kunstwerke steht. Die Ehrung, welche die Cutterin Monika Schindler für ihre Lebensleistung empfing, war vielleicht die wichtigste Auszeichnung des Abends, weil sie zeigte, wie weit die Biographien solcher Kino-Experten in die Filmgeschichte zurückreichen – bei Schindler bis in die Zeit der frühen Defa und der schwarzweißen Nachkriegsfilme.

          Der deutsche Film kann ruhig mondäner werden

          The winner takes it all, das ist ein Satz, der beim Deutschen Filmpreis etwas weniger gilt als bei den Oscars. „Wild“, „24 Wochen“ und selbst Zählkandidaten wie „Paula“ und „Nebel im August“ bekamen ihren Teil vom Glanz ab, den die Gala verbreitete. Nur der Verlierer des Abends musste seine Schmach ganz allein tragen. Achtmal war Christ Kraus mit seinem Film „Die Blumen von gestern“ nominiert worden, in keiner einzigen Kategorie gewann er den Preis, und wer gesehen hat, wie Kraus und seine Begleiterin nach der Verleihung in einer fernen Ecke des Party-Saals saßen, mag daran zweifeln, ob die Kinobranche in Deutschland wirklich so viel menschlicher und mitfühlender ist als anderswo.

          Liveschaltungen nach draußen gehören beim Deutschen Filmpreis inzwischen zum Standard. Peter Simonischek bedankte sich per Skype von Bord eines französischen Frachters, auf dem er seinen neuen Film dreht, für den Hauptdarstellerpreis, und Michael Moore begrüßte aus New York die Nominierten für den besten Dokumentarfilm. So darf man hoffen, dass die Akademie und ihre Mitglieder weiter den Kontakt zur Welt halten, die jenseits der Grenzen der nationalen Kinoförderung liegt. Deutsch ist der deutsche Film schon genug. Jetzt kann er ruhig ein wenig mondäner werden.

          Quelle: FAZ.NET

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