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Die Bond-Produzenten Broccoli und Wilson Im Auftrag Ihrer Majestät

08.11.2008 ·  „Ein Quantum Trost“ dürfte einer der erfolgreichsten Bond-Filme aller Zeiten werden. Das freut Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die die Kinoserie mit viel Mut zum Risiko produzieren. Ohne die beiden Halbgeschwister würde die Welt von 007 heute anders aussehen.

Von Martin Wittmann
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Aufmerksame James-Bond-Fans haben ihn in 13 der Agentenfilme entdeckt: In "Goldfinger" war Michael G. Wilson 1964 ein Soldat in Fort Knox. In "Moonraker" spielte er 1979 sowohl einen Touristen in Venedig als auch einen Nasa-Techniker. Und in "Casino Royale" hatte er vor zwei Jahren die Rolle des korrupten montenegrinischen Polizeichefs. Sicher wären die James-Bond-Filme auch ohne Wilsons Kurzauftritte zur erfolgreichsten Kinoserie geworden. Sicher aber würde die 007-Welt heute ohne Wilson anders aussehen: Der 66 Jahre alte Hobbyschauspieler produziert seit 1996 die Bond-Filme, zusammen mit seiner Halbschwester, der 48 Jahre alten Barbara Broccoli.

"Ein Quantum Trost" heißt der neue Bond, und es zeichnet sich schon jetzt ab, dass der 22. Teil der Agentenserie einer der gewinnträchtigsten sein wird. Der Film spielte am ersten Wochenende in Großbritannien 15,4 Millionen Pfund (19,4 Millionen Euro) ein. Das Branchenmagazin "Variety" schreibt, dass am Startwochenende 70 Prozent des britischen Kinomarktes auf Bond entfielen. Der Vorgänger "Casino Royale" hatte am ersten Tag 2,9 Millionen Pfund und am Startwochenende 11,4 Millionen Pfund umgesetzt. Am Ende hatte der Film auf der ganzen Welt das Bond-Rekordergebnis von fast 600 Millionen Euro eingespielt. Der Erfolg gibt den Halbgeschwistern also recht: Der König der Kinokassen hat ihre Revolution überlebt.

Die Runderneuerung des Agenten ist Broccoli und Wilson zu verdanken

Dem 007-Konzept, das sich früher ganz der Tradition verschrieben hatte, wurde mit den letzten beiden Filmen ein neuer Anstrich gegeben: Der blonde Daniel Craig hatte trotz der Zweifel in der Fangemeinde und gegen die Widerstände des Vetriebspartners Sony die Hauptrolle bekommen, wichtige Mitstreiter Bonds wie Miss Moneypenny oder der Tüftler Q wurden aus dem Drehbuch verbannt, die sexy Gespielin wird vom noch freizügigeren Waschbrettbond in den Hintergrund gedrängt, nur um am Ende auch noch einen qualvollen Tod zu sterben. "Ein Quantum Trost", der am Donnerstag auch in Deutschland anlief, ist die Fortsetzung von "Casino Royale", auch ein Novum.

Die Runderneuerung ist der Eigenwilligkeit von Broccoli und Wilson zu verdanken. "Ja, wir sind ein Albtraum", sagte Broccoli in einem Interview mit dem "Spiegel". Bond sei sehr wertvoll, und man wolle diesen Wert eben schützen. Das Filmgeschäft sei ein kooperatives Gewerbe, aber am Ende müsse jemand Entscheidungen fällen. Und das tun die beiden, in berüchtigter Basta-Manier. Die gebürtigen Kalifornier haben "Bond" 1996 von der Produzentenlegende Albert "Cubby" Broccoli geerbt. Der hatte sich Anfang der sechziger Jahre, kurz nach der Hochzeit mit Dana Wilson, die Filmrechte an Ian Flemings Büchern gesichert. Es war Broccolis dritte und Dana Wilsons zweite Ehe, in die sie aus ihrer ersten mit Batman-Darsteller Lewis Wilson ihren Sohn Michael mitbrachte. Ein Jahr später wurde Barbara geboren, ein weiteres Jahr später der Leinwandbond.

Seit 1979 ausführender Produzent aller Bond-Filme

Realisiert wurden die Agentenfilme von Broccolis Filmproduktionsgesellschaft Eon Productions Ltd. 1972 fing Michael G. Wilson dort in der Rechtsabteilung an, fünf Jahre später assistierte er seinem Stiefvater zum ersten Mal, bei "Der Spion der mich liebte". Seit 1979, seit "Moonraker", ist Wilson ausführender Produzent aller Bond-Filme gewesen - beste Voraussetzung, um sich weiterhin mit Kurzauftritten in die Filme zu schmuggeln.

Barbara Broccoli studierte Film- und Fernsehkommunikation und arbeitet danach in der Produktions- und Castingabteilung von Eon. 1983, im Alter von 22 Jahren, assistierte sie Regisseur John Glen bei "Octopussy" und zwei Jahre später bei "Im Angesicht des Todes". Bei den folgenden Drehs arbeitete sie als Produktionsassistentin ihres Vaters. Als der 1995 herzkrank wurde, debütierte sie als Co-Produzentin bei "Goldeneye". 1996 starb Albert Broccoli, seine Tochter und sein Stiefsohn kümmern sich seither um die Marke. "Ihr könnt es vermasseln, aber sorgt dafür, dass es kein anderer tut", soll Albert Broccoli den beiden noch mit auf den Weg gegeben haben.

Von Vermasseln kann keine Rede sein: Früher Dauerassistenten, haben sich Barbara Broccoli und Michael Wilson zu gestandenen Machern gewandelt, die das Kunststück vollbringen, Publikum wie Kritiker zu entflammen. Auch die Queen weiß zu schätzen, wie der Agent im Dienste Ihrer Majestät das Image Britanniens aufpoliert: In diesem Jahr ehrte sie die beiden Produzenten mit dem Ritterorden "Order of the British Empire".

„Es könnte definitiv einen schwarzen Bond geben“

"Ein Quantum Trost" ist eben erst in die Kinos gekommen, aber Barbara Broccoli blickt schon auf künftige Filme. "Es könnte definitiv einen schwarzen Bond geben", sagte Broccoli vergangene Woche. In ihrer Heimat würde sie Craigs Nachfolger wohl nicht suchen - bisher gab es noch nie einen amerikanischen Bond-Darsteller. Allerdings würde es nicht verwundern, wenn die beiden Produzenten auch dieses ungeschriebene Gesetz brächen und damit noch Erfolg hätten.

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