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Veröffentlicht: 03.01.2013, 22:15 Uhr

Deutscher Regiepreis Eine Hymne auf Wolfgang Petersen

Seit Wolfgang Petersens „Boot“ träumt das deutsche Kino via Hollywood. Eine Würdigung aus Anlass des Deutschen Regiepreises für sein Lebenswerk.

von Dominik Graf

Der ganz ursprünglich mal für „das Boot“ vorgesehene amerikanische Star-Regisseur John Sturges sagte - so steht es in seiner Biographie -, nachdem er den fertigen Film im Kino gesehen hatte: „This man did a better job than I would have done.“ Vielleicht ist dies das schönste Kompliment, das man kriegen kann, wenn es von einem derart hochprofessionellen, in diesem Fall auch direkt um dasselbe Projekt konkurrierenden Kollegen kommt, einem Meister, der ein Dutzend von Hollywood-Genre-Klassikern inszeniert hatte, darunter „Die glorreichen Sieben“ und „The Great Escape“.

Dreißig Jahre später, rückblickend auf acht weitere Spielfilme danach (davon mindestens fünf amerikanische Blockbuster), kann man wahrhaftig etwas flapsig sagen, dass Wolfgang Petersen -“this man“ - überhaupt bei all seinen Filmen bislang einen intergalaktisch großartigen „Job“ gemacht hat. Er hat Brad Pitt in „Troja“ zu einer seiner faszinierendsten Leistungen verholfen. Er hat Clint Eastwood in eine herrlich ambivalente Rolle eingepasst, in der er ein - zwar verletztes, aber glaubhaft arrogantes - Arschloch sein darf und dies nicht mit seinem üblichen Stoneface-Image spielt, sondern für seine Verhältnisse geradezu dampfplaudernd gutgelaunt daherkommt. Er hat im selben Film -“In the line of fire“ - Ennio Morricone die Chance zu einer seiner dynamischsten Hollywood-Musiken gegeben, was eine wunderbare schmutzig-europäische Schicht von Italo-Mafia-Thriller über die Skylines von Washington und L.A. legte. Er hat in „Shattered“, diesem pervers-bösen Meister-Film-noir, Greta Scacchi ihre allerbeste Rolle gegeben. Er hat mit Harrison Ford in „Airforce One“ den amerikanischen Präsidenten zum Actionhero gemacht, er hat die angeblichen Schauspieler-Bestien John Malkovích und Gary Oldman für seine Zwecke gebändigt, hat Dustin Hofman in „Outbreak“ gegen eine moderne Pest kämpfen lassen. Er hat George Clooney und die wunderbare Diane Lane durch einen Jahrhundertsturm geschickt und die Höllenhunde der untergehenden Poseidon noch mal losgelassen. Er hat Louis Gosset den Sonnengesang der Dracs auf einem einsamen fernen Planeten singen und schnurren lassen. Er hat - jetzt wird’s langsam einheimischer - Nastassja Kinski, Jürgen Prochnow und Diane Krüger zu internationalen Stars gemacht, und er hat uns jüngeren deutschen Regisseuren 1981 eine ganze Riege von brandneuen Schauspielern sozusagen zu guten Händen überlassen: Heinz Hönig, Uwe Ochsenknecht, Ralf Richter, Jan Fedder, Claude Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, nicht zuletzt Herbert Grönemeyer, auch wenn der dann bald andere Wege ging. Und mitten in diesem Reigen der so erfrischenden deutschen Gesichter von damals verdanke ich ihm besonders Klaus Wennemann, der im „Boot“ die vielleicht schönste Rolle zu spielen hatte. Jene Rolle, die so schön prosaisch in den Credits „leitender Ingenieur“ hieß.

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