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Eva Marie Saint zum Neunzigsten : Liebesgrüße von Hitchcock

Eva Marie Saint 1959 mit Cary Grant in Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ Bild: picture alliance /

Schon fünf Jahre vor Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ bekam sie einen Oscar. Sie hätte eine strahlende Karriere machen können. Aber sie zog ein Leben vor, das Raum ließ für Privates. Der Schauspielerin Eva Marie Saint zum Neunzigsten.

          In seiner Fernsehwerbung für den „Unsichtbaren Dritten“ beschreibt Alfred Hitchcock seine Hauptdarstellerin mit diesen Worten: „Eva Marie Saint gehört zu jenen Mädchen, die einem Mann ins Blut gehen.“ Auch im Englischen ist es üblicher, dass einem die Menschen oder Dinge „unter die Haut“ gehen, wie im Deutschen auch. Aber Hitchcock sagt „ins Blut“, um die Pointe anzubringen - „auch wenn sie ihn dafür erschießen muss“.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das ist, wie alle wissen, die den Film kennen, eine bewusste Irreführung des Zuschauers, spielt aber für das, was Hitchcock über seine Darstellerin sagen wollte, keine Rolle. Eva Marie Saint wusste genau, was sie wollte. Sie ging den Männern in ihrer klassischen Schönheit unter die Haut, weil sie ankündigte, was geschehen würde. Das waren sie nicht gewöhnt. Eva Marie Saint bestimmte mit Ironie und Selbstironie und in lasziver Kommandolaune das Geschehen. „Ich hatte nichts zu tun an jenem Wochenende, also habe ich mich entschlossen, mich zu verlieben.“ So beschreibt sie, die natürlich nicht nur eine einfache, sondern mindestens eine Doppelagentin spielt, im selben Film, warum sie sich mit dem falschen Mann eingelassen hat. Den richtigen Mann, in diesem Fall Cary Grant, lädt sie in ihr Schlafwagenabteil ein mit der Bemerkung: „Es wird eine lange Nacht, und das Buch, das ich angefangen habe, gefällt mir nicht besonders.“ Undenkbar, dass Hitchcock solche Sätze von etwa Tippi Hedren hätte sagen lassen.

          Eva Marie Saint hatte 1959, dem Jahr, in dem „Der unsichtbare Dritte“ herauskam, schon einen Oscar in der Tasche. Den gewann sie gleich für ihren ersten Kinoauftritt an der Seite von Marlon Brando 1954 als beste Nebendarstellerin für „Die Faust im Nacken“. Sie hätte eine strahlende Karriere machen können. Aber sie zog ein Leben vor, das Raum ließ für Privates, auch weil sie die meisten Filme nicht wichtig genug fand, anders zu entscheiden. Also machte sie sich verhältnismäßig rar, spielte noch für Otto Preminger in „Exodus“, für Fred Zinnemann in „A Hatful of Rain“, für John Frankenheimer in „Grand Prix“ und ein paar andere Rollen, später vor allem im Fernsehen. Wim Wenders holte sie für „Don’t Come Knocking“ wieder ins Kino, wo sie später Supermans Mutter gab. An diesem Freitag wird sie neunzig.

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