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Film-Bösewicht Ray Liotta : Insgeheim hoffe ich, dass das ganze System bald zusammenbricht

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„Ich wollte nie Schauspieler werden“, sagt Ray Liotta. Pro forma schrieb er sich an der Uni ein. Dann kam es anders. Bild: dpa

Er war der berüchtigtste Mafioso in Martin Scorseses legendärem Film „Good Fellas“, eine Rolle dieses Kalibers hätte er gern mal wieder. Ein Gespräch mit dem Schauspieler Ray Liotta.

          Sie haben mit berühmten Regisseuren wie Martin Scorsese, Jonathan Demme oder Ridley Scott gearbeitet. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

          Von niemandem. Ich wüsste aber auch nicht, was mir Regisseure noch beibringen sollten. Ich komme stets gut vorbereitet zum Set und weiß genau, was meine Rolle verlangt. Wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, dem muss man natürlich sagen, was zu tun ist. Mir nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, wenn ich mich auf mich selbst verlasse. Wer auf einen Regisseur angewiesen ist, kommt leicht in die Bredouille. Dass jemand gute Filme dreht, bedeutet nicht, dass er auch gut mit Schauspielern umgehen kann. Manche Regisseure haben hier erbärmliche Defizite.

          Wann und wie wurde Ihr Berufswunsch geweckt?

          Gar nicht. Ich wollte nie Schauspieler werden. Mein Plan war es, mir in Miami eine schöne Zeit zu machen und mich an der Uni pro forma für Geisteswissenschaften zu immatrikulieren. Als ich mich in die entsprechende Schlange einreihte, erfuhr ich, dass man dazu Nebenfächer wie Mathe und Geschichte belegen musste. Das kam für mich nicht in Frage. Direkt daneben war die Schlange für die Drama-Kurse, in der lauter hübsche Mädchen standen. Also schrieb ich mich in der Theaterabteilung ein. Eine Studentin fragte mich, ob ich Lust hätte, mich mit ihr für eine Rolle in der nächsten Uni-Aufführung zu bewerben – und ehe ich mich versah, spielte ich einen tanzenden Kellner in „Cabaret“. So bin ich langsam in die Schauspielerei hineingerutscht.

          Hatten Sie Vorbilder?

          Mich haben vor allem die Kinofilme der Siebziger geprägt: Schauspieler wie Robert De Niro, Gene Hackman, Robert Duvall und Al Pacino waren Giganten für mich. Sinnigerweise durfte ich im Laufe meiner Karriere mit all diesen Leuten drehen – und feststellen, dass sie auch bloß Menschen sind, die manchmal ihren Text vergessen oder blödsinnige Vorschläge machen. Sie kochen auch nur mit Wasser.

          In „Good Fellas“ (1990) spielt Ray Liotta (l.) den aufsteigenden Gangster Henry Hill Bilderstrecke
          In „Good Fellas“ (1990) spielt Ray Liotta (l.) den aufsteigenden Gangster Henry Hill :

          Hat sich Ihre Arbeitsweise im Lauf der Jahrzehnte verändert?

          Ja. Früher habe ich mich geradezu in meine Rollen verbissen; meine jeweilige Filmfigur hat mich überallhin verfolgt. Inzwischen habe ich erkannt, dass man keineswegs alle Gefühle vor der Kamera wirklich durchleben muss. Man kann auch seine Phantasie benutzen – wie die Kinder: Die tun beim Spielen auch nur so, als ob, und sind dabei oft überzeugender als viele Profi-Darsteller. Letztlich geht es doch bloß darum, am Set ein paar Zeilen aufzusagen, die jemand anderes aufgeschrieben hat. Keine Sache, um die man ein großes Brimborium machen sollte.

          Welcher Film war bislang Ihre größte Herausforderung?

          „Good Fellas“. Meine Mutter war damals schwer krank, und ich musste an jedem Wochenende zu ihr fahren, um zu sehen, wie es ihr ging. Und als sie während der Dreharbeiten starb, musste ich damit fertig werden. Letztlich war ich aber dankbar dafür, dass ich mich wieder in die Arbeit stürzen konnte: Ohne „Good Fellas“ wäre ich wohl in ein tiefes Loch gefallen.

          Und welcher Ihrer Filme ist Ihnen am liebsten?

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