02.12.2009 · „Whatever Works“, der neue Film von Woody Allen, ist vergnüglich, aber routiniert geworden. Immerhin gibt es diesmal einen Star, der dem Regisseur den Platz streitig macht: Larry David, der als Menschenfeind sein blaues Wunder mit einer Südstaatenschönheit erlebt.
Von Michael AlthenWenn Woody Allen ruft, dann verzichten sämtliche Stars auf ihre üblichen Forderungen, weil zur Abwechslung die Last dann nicht auf ihren Schultern ruht. Denn bei Woody-Allen-Filmen ist in jedem Fall der Filmemacher der Star, ob er selbst mitspielt oder nicht. Das geht seit gut vierzig Jahren so, in denen er in schöner Regelmäßigkeit jährlich einen Film ins Kino bringt. Dabei hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen, auch bei den Fans, die ihre Erwartungen an seine Originalität etwas zurückgeschraubt haben - um dann immer wieder mal überrascht zu werden, etwa bei „Match Point“ oder „Vicky Cristina Barcelona“.
„Whatever Works“ ist nun wieder, um es mal salopp zu sagen, ein mittlerer Woody Allen, vergnüglich, aber routiniert - doch diesmal gibt es einen Star, der ihm den Platz streitig macht. Denn zumindest die Fans der Serie „Curb Your Enthusiasm“ werden ihre Erwartungen an den Film eher mit Hauptdarsteller Larry David verknüpfen als mit Allen selbst. Als Zwangsneurotiker hat der „Seinfeld“-Miterfinder mittlerweile Allen locker abgelöst, und was peinliche Situationen angeht, so spricht man heute von „Larry-David-Momenten“, wo man sich früher stets an Woody Allen erinnert hat, wenn man mit den Zwängen des Alltags haderte.
Ein Jahr später sind sie verheiratet
Was Egozentrik und Selbstbezüglichkeit angeht, stehen die beiden sich in nichts nach, denn David spielt in der Serie sich selbst und erzählt von seinen Problemen, irgendwie an den „Seinfeld“-Erfolg anknüpfen zu müssen, obwohl er eigentlich nie wieder arbeiten müsste und sich ganz dem Nichtstun unter kalifornischer Sonne hingeben könnte. Aber da er wie Allen aus Brooklyn kommt, hadert er damit mindestens so sehr wie einst der Stadtneurotiker. Kurzum: Larry David ist das ideale Alter Ego für Woody Allen.
In „Whatever Works“ spielt er einen Sonderling, der gerüchteweise auf dem Feld der Quantenmechanik mal kurz vor dem Nobelpreis stand, ehe ihn ein missglückter Selbstmordversuch, von dem er ein Hinken zurückbehalten hat, aus der Spur trug. Seither läuft er als Zyniker durch die Welt, verdient sein Geld als Schachlehrer für Kinder, die er ungeniert der Idiotie zeiht, und hält ohnehin nicht mit seiner Meinung hinterm Berg, dass er die ganze Menschheit in ihren Hoffnungen, Träumen und Illusionen für armselig hält. Und als er eines Abends eine junge Stromerin (Evan Rachel Wood) vor seiner Haustür findet, gewährt er ihr widerwillig Obdach und erklärt ihr ohne Umschweife, dass er sie für dämlich hält. Ein Jahr später sind sie verheiratet.
Wohlfeiler Insektenforscherblick
Wie in „Vicky Cristina Barcelona“ blickt der vierundsiebzigjährige Allen aus großer Höhe auf die Welt hinab und findet ein diebisches Vergnügen darin vorzuführen, wie das Leben so spielt. Quasi gegen die Regeln des Kinos, in dem es doch eher um Wahrscheinlichkeit geht. Und so wie in Barcelona Rebecca Hall und nicht Scarlett Johansson bei Javier Bardem landete, so kommt hier der Menschenfeind aus Brooklyn ausgerechnet mit dem naivsten jungen Ding aus Mississippi zusammen, das keinen Schimmer hat, worüber der Mann sich die ganze Zeit so echauffiert.
Das ist an sich schon mal ganz lustig, weil Larry David in seiner ätzenden Art vor nichts haltmacht. Und es ist noch längst nicht das Ende der Geschichte, die noch einige Volten schlägt, in denen die Mutter (Patricia Clarkson) und der Vater (Ed Begley jr.) des Mädchens keine geringe Rolle spielen. Und Allen schafft es sogar, dass der Film zu einem versöhnlichen Ende findet. Whatever works eben.
Und doch kann man nicht leugnen, dass Allen es sich mit seinem Insektenforscherblick auch ein wenig leichtmacht, dass seine vermeintlich überraschenden Wendungen doch nur den bekannten Mustern folgen und dass er sehr an der Oberfläche seiner Figuren bleibt. Am Ende ist Larry David doch auch nur eine Figur in einer Welt, deren einziger Star Woody Allen bleibt.