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Neuer Rowling-Film : Vorsicht, gleich explodiert der Erumpent

Newt Scamander (Eddie Redmayne) hat ein Händchen für Tiere – auch für den Donnervogel Frank Bild: Warner Bros. Entertainment

Die neue Potter-Zone ohne Harry: Mit dem Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ verlegt J. K. Rowling die Zauberwelt nach New York.

          Eigentlich war Jacob Kowalski in die Bank gekommen, um einen Kredit aufzunehmen - der Arbeiter in einer Konservenfabrik wollte sich endlich als Bäcker selbständig machen, ausgerüstet mit den Rezepten seiner Großmutter und einem alten Koffer, vollgestopft mit Muffins und Törtchen. Seinen Kredit bekommt er nicht, stattdessen wird er Zeuge eines Infernos, das über die Bank hereinbricht: Ein Pelztier hetzt wie rasend durch die Gänge bis in den Tresorraum, den es verwüstet, weil es Edelmetall erschnüffelt und in riesigen Mengen verschlingt. Und dann ist da noch der junge Engländer, dem dieses Tier gerade entwischt ist. Als er es schließlich aus den Trümmern der Tresorkammer zieht, packt er es streng, aber keineswegs unwirsch, dreht es um und schüttelt es, bis all die Münzen und Barren wieder aus dem Tierschlund herausfallen. Dann schwenkt er seinen Zauberstab, und alles ist wieder heil.

          Das Staunen Jacob Kowalskis (Dan Fogler) über die magische Welt, das den gesamten Film über anhalten wird, ist ein Privileg, das den allermeisten Zuschauern von David Yates’ „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ nicht gegeben ist. Schließlich wird, wer den Weg hierher findet, bereits bestens vertraut sein mit der „Harry Potter“-Welt, deren Urheberin J. K. Rowling auch für das Drehbuch des Films verantwortlich ist. Aber anders als die Potter-Filmreihe, deren zweite Hälfte ebenfalls von Yates inszeniert wurde, ist „Phantastische Tierwesen“ keine Adaption eines Buches - oder höchstens eine über mehrere Bande. Im Mittelpunkt steht der junge, im englischen Zaubererinternat Hogwarts ausgebildete Newt Scamander, gespielt von Eddie Redmayne, der im Jahr 1926 nach New York kommt, um den gigantischen Donnervogel Frank in Arizona freizulassen.

          Sein Lehrbuch der magischen Wesen ist zu diesem Moment noch ungeschrieben, es erscheint erstmals 1927 - knapp siebzig Jahre später wird es dem jungen Harry Potter als Schulbuchklassiker dienen. Die Wesen aber, die Scamander darin mit meist großer Zuneigung porträtieren wird, trägt er jetzt zum Teil mit sich herum, in einem Koffer, der dem des Bäckers Kowalski äußerlich aufs Haar gleicht, innen aber Raum für einen mittleren Landschaftspark bietet. Und die Verwechslung der Koffer löst dann auch Kowalskis zweite Begegnung mit der magischen Welt aus: Die bunten, aggressiven, lässig herumschwirrenden oder über die Dächer fegenden Tiere entkommen, Scamander muss sie einfangen - mit Jacobs Hilfe und der einer ungeschickten Zaubereiministeriumsangestellten namens Porpentina Goldstein (Katherine Waterston).

          Diese mit großer Lust am Skurrilen und Niedlichen aufwendig animierten und auf ein hübsch entworfenes New York der Zwanziger losgelassenen Fabelwesen sind ersichtlich einer der Gründe, warum dieser Film entstanden ist. Es flattert und zischt, mit großem Aufwand werden ganze Straßenzüge zerlegt und wieder zusammengefügt, streckenweise wähnt man sich in der Steampunk-Version eines Superheldenfilms, und all das ist ebenso hübsch anzusehen wie in ständiger Gefahr, vor lauter Detail- und Totalexplosionen seine Geschichte aus den Augen zu verlieren.

          Das Standardwerk, das Scamander über die phantastischen Tierwesen verfasst, wird Harry Potter später in Hogwarts in die Hand gedrückt bekommen.
          Das Standardwerk, das Scamander über die phantastischen Tierwesen verfasst, wird Harry Potter später in Hogwarts in die Hand gedrückt bekommen. : Bild: Warner Bros. Entertainment

          Doch es geht dem Film um sehr viel mehr, und dass Rowling bei aller Magieverliebtheit eine eminent politische Autorin ist, dass Fantasy bei ihr nichts von Eskapismus und sehr viel von parabelhafter Darstellung unserer Verhältnisse hat, zeigt sich rasch. Denn so wie im alten Kontinent der aufstrebende Lord Voldemort die Spaltung der Menschheit in Magier und Nichtmagier („Muggel“) betreibt, so wie er an die Stelle der friedlichen Koexistenz die Herrschaft der Zauberer setzen will, so gibt es auch im Amerika der Zwanziger eine Bewegung, die das Rad zurückdrehen will und alte Schranken in einem zerrissenen Land wieder aufgerichtet sehen will. Nur geht sie hier nicht nur von dem bösen Zauberer Grindelwald aus, den Johnny Depp in einem Kurzauftritt verkörpert, sondern umgekehrt von den magisch nicht begabten Menschen, die an Salem anknüpfend Scheiterhaufen für Hexen fordern, die sich für ihre Bewegung einen zerbrochenen Zauberstab als Symbol gewählt haben und deren Kinder Liedchen über das Foltern von Magiern singen. Wo der Fortschritt auf dieser Seite des Atlantiks verortet ist, macht Rowling dagegen auch klar: Die amerikanische Zauberervereinigung wird von einer schwarzen Frau geführt.

          Kinotrailer : „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“

          Nichts lässt sich unterdrücken, im Guten wie im Bösen, und so bricht sich die Magie entweder als furchtbare, zerstörerische Kraft Bahn - das wurde bereits in den Harry-Potter-Büchern an der unglücklichen Ariana Dumbledore gezeigt - oder in den seligen Traumbildern, die Kowalski zu Backformen inspirieren. Und weil Rowling in vielem an die Potter-Welt anknüpft, von den Heiligtümern des Todes über das explosive Horn des brünstigen Erumpenten bis zu dem Koffervergrößerungstrick, den schon Hermine anwandte, wird auch der auf seine Kosten kommen, der das Fehlen aller liebgewordener Figuren bedauert.

          Vor allem aber schwelgt der Film in seiner letzten Szene in einer Magie, die alles übertrumpft, was den Zauberern vertraut ist. Denn der schüchterne Abschied von Scamander und Porpentina, das Hin und Her des möglichen Wiedersehens, schließlich das strahlende Lächeln auf Tinas Gesicht ist dafür geschaffen, das Spektakel der Tierwesen in den Schatten zu stellen. Was aus den beiden wird, lässt sich ahnen: Über Scamander heißt es in seinem Buch, er verbringe seinen Ruhestand in Dorset, „gemeinsam mit seiner Frau Porpentina und den Hausknieseln Hoppy, Milly und Mauler“.

          Eine Tasche voller Leben: So trägt Scamander die kleineren Tiere mit sich herum.
          Eine Tasche voller Leben: So trägt Scamander die kleineren Tiere mit sich herum. : Bild: Warner Bros. Entertainment

          Quelle: F.A.Z.

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