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„Der Informant!“ im Kino : Porsche als Zungenbrecher

  • -Aktualisiert am

Gut getarnt: Matt Damon Bild: AP/Warner Bros.

Steven Soderberghs „Der Informant!“ mit einem dicken Matt Damon ist eine Komödie, die genauso gut als Wirtschafts-Spionage-Thriller funktionieren könnte, doch beide Genres stehen einander im Weg - aber auf sehr entspannte Art.

          Man kann Steven Soderbergh kaum etwas übelnehmen. Denn er ist einer der wenigen, wenn nicht der einzige Regisseur in Hollywood, der sich von seinem Status nicht beeindrucken lässt. Unbeirrt dreht er einen Film nach dem anderen, mal mit Studiogeld, mal mit Finanzierung aus anderen Quellen, und ehe ein Rückschlag ihn vom Weg abbringen könnte, hat er das nächste Projekt meist schon abgedreht.

          Ehe also das mäßige Ergebnis von „Der Informant!“ oder der Abschied vom Baseballfilm „Moneyball“ seinen Elan bremsen konnte, steckt er in Vorbereitungen für eine 3D-Version von „Cleopatra“ als Musical, für einen Biopic über Liberace mit Michael Douglas und einen Martial-Arts-Film namens „Knockout“. Es gibt kaum ein Genre, das ihn nicht interessiert, aber im Unterschied zu Kubrick, der jedesmal das letzte Wort dazu sprechen wollte, genügt es Soderbergh völlig, es bei der Fingerübung zu belassen. So dass man am Ende gar nicht immer weiß, welchem Genre die Filme tatsächlich zuzurechnen sind.

          „Der Informant!“ zum Beispiel ist eine Komödie, die genauso gut als Wirtschafts-Spionage-Thriller funktionieren könnte, und das Problem ist im Grunde, dass sich die beiden Genres im Weg stehen - aber auf sehr entspannte Art. Der Film spielt in den frühen Neunzigern und geht auf den realen Fall von Mark Whitacre zurück, einem hochrangigen Manager einer Biotechnologie-Firma, der dem FBI Informationen über Preisabsprachen in der Agrarbranche zuspielte und dabei alle an der Nase herumführte.

          Es darf gelacht werden

          Die Geschichte spielt auf dem Gelände, das auch Michael Manns „Insider“ beackerte, aber der Unterschied liegt in dem Ausrufezeichen, das der Titel seinem Helden beschert. Es signalisiert von Anfang an: „Achtung, es darf gelacht werden!“ Und damit auch gleich der entsprechende Ton angeschlagen wird, hat Soderbergh den Anfang mit Musik von Marvin Hamlish unterlegt, die geradewegs aus einer der Spionage-Parodien der sechziger Jahre stammen könnte. Und die Diskrepanz besteht dann auch darin, dass Matt Damon nicht etwa die Energie eines Jason Bourne ausstrahlt, sondern die schwammige Gesichtslosigkeit von „The Good Shepherd“, aber mit Schnauzer, Toupet und fünfzehn Extrakilo versehen.

          Für eine Komödie sind das ein bisschen zu viele Signale, dass der Film in der Folge zum Scherzen aufgelegt ist, aber eine Zeitlang trägt das die Geschichte durch die Niederungen des Manager-Alltags. Wie wenig Soderbergh und sein Autor Scott Z. Burns ihrem blassen Helden tatsächlich trauen, sieht man jedoch schon daran, dass es aus dem Off einen inneren Monolog gibt, in dem Whitacre über Nichtigkeiten des Alltags meditiert, etwa die Frage, wie man den Namen Porsche korrekt ausspricht.

          Der Nachteil der Methode, alles in Anführungszeichen zu setzen, liegt darin, dass es für den Ernstfall kaum mehr Steigerungsmöglichkeiten gibt und dass aller Aberwitz, der in dem Fall nach und nach zutage tritt, irgendwie ins Leere läuft, statt die Fallhöhe zu vergrößern. Die Coen-Brüder haben das Problem zuletzt in „Burn After Reading“ insofern besser gelöst, als dort die zunehmende Verwirrung der begleitenden FBI-Agenten umso lustiger war, je besser der Zuschauer die Verwicklungen durchschaute. Bei „The Informant!“ bleiben jedoch die Motive und die wahren Machenschaften des Helden im Dunkeln. Ein wenig gilt das auch für den Regisseur. Fast könnte man auf die Idee kommen, Soderbergh habe mit dem Hochstapler ein Porträt gezeichnet, dessen Züge ihm nicht ganz fremd sind.

          Quelle: F.A.Z.

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