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Der Film „Bohemian Rhapsody“ : Eine Spur mehr zu laut wäre noch besser gewesen

Bild: AP

Der Film „Bohemian Rhapsody“ erzählt von der Rockband Queen und deren Sänger Freddie Mercury, ohne sich dafür zu interessieren, wie es war, und fast ohne Regie. Aber vermisst man das überhaupt?

          Er greift über sich selbst hinweg aus dem Bett, wo er neben der Frau liegt, die er heiraten will. Da oben warten Tasten darauf, dass seine Hände die ersten paar Noten des Stücks anspielen, das diesem Film den Titel leiht. Kunst geht den besten Kunstschaffenden stets über den eigenen Horizont, sie ist immer ein bisschen aus der Luft gegriffen: „Bohemian Rhapsody“ will mit Szenen wie dieser die These glaubhaft machen, dem Helden des Films, Freddie Mercury, Sänger der Rockband Queen, sei sein Talent im Grunde zu hoch gewesen. Mehrfach zieht der Mann, das heißt: Rami Malek, der ihn spielt, sich aus der schöpferischen Selbstverschwendung im Studio oder Stadion in zart und respektvoll fotografierte Momente des stillen Staunens darüber zurück, dass er das alles wirklich kann und ist, was die Leute an ihm anbeten.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Gerade (und wohl: nur) in diesen Augenblicken rückt er dem Kinopublikum nahe, weil es auch nicht fassen kann, dass einer wie Mercury tatsächlich mal gelebt hat, hauptsächlich auf Bühnen.

          Der Film hat und braucht keine Ideen, keine verblüffenden Handlungswendungen, keine Besetzungsüberraschungen, keine authentischen Wackelkameras. Er ist nicht analytisch, politisch, kritisch, wahr oder tiefer als eine Schicht Rouge auf den Wangen. Gott sei Dank: Man wünscht den Nachgeborenen, die mit Reality-Shows und Echtzeit-Promiklatsch im Netz aufgewachsen sind, mehr solche Filme, damit sie beim Planschen in der Infokloake, zu der die Popkultur gerade verkommt, nicht vergessen, was Fiktion ist und wozu man das braucht (damit man nicht religiös wird nämlich, weil das Diesseits uns Menschen nun mal nicht genügt, da wir uns unser Leben selbst erfinden müssen, wenn auch nie aus freien Stücken).

          Ganz legitime Selbstverehrung

          Wie lange ist es her, dass so verklemmt wie im aktuellen Gerede über „Bohemian Rhapsody“ an der Inszeniertheit und freimütigen Plattheit eines Films herumgebeckmessert wurde, der nichts weiter zu sein und zu können behauptet als die offiziell abgesegnete Selbstbeweihräucherung samt Erinnerungsarbeit einer Rockgruppe?

          Sieht man sich audiovisuelle Original-Dokumentaraufnahmen von Queen an (am besten die allerbeste, aufgenommen in Montreal 1981), erfährt man Mercury als einen, der besser konnte, was er tat, als andere, weil er mehr Spaß dran hatte als alle, und umgekehrt – ein funkensprühender Regelkreis der legitimen Selbstverehrung, der nur von außen zerstört werden konnte (und auch wurde, von einem saudummen Virus). Der Titel seiner edelsten Arie lautet „Somebody to Love“, was bei einem berufsmäßigen Narzissten etwas ganz anderes bedeutet, als wenn die Nummer „Somebody to be Loved by“ hieße: Geliebtwerden oder nicht, das war nie sein Problem, auch wenn er die Stimmen der Sehnsucht, des Defizits, der Verlassenheit ebenso sicher aus sich sprechen lassen konnte wie die der Lust. Der Mann, dessen selbst ausgesuchter Nachname „Quecksilber“ war, konnte jubeln und klagen wie keiner, das teilt der Film treu mit, auch wenn die Gitarrenspuren, die ihn dabei unterstützen, hier und da ein bisschen lauter hätten sein dürfen (wir Altfans sind schwerhörig, erfahrungsdumm und leicht zu beeindrucken, aber nach den ersten Takten von „Keep yourself alive“ hat „Bohemian Rhapsody“ uns in der Tasche).

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