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„Das Parfüm“ wird verfilmt : Ein Duo, das sich gut riechen kann

  • -Aktualisiert am

Zwei im Zentrum: Bernd Eichinger (l.) und Tom Tykwer Bild: Constantin Film, München

Am Rande des Wahnsinns unter dem künstlichen Mond von Barcelona: Tom Tykwer und Bernd Eichinger verfilmen Patrick Süskinds Welterfolg „Das Parfüm“. Ein erster Drehbericht.

          „Außen Nacht“ - das sagt sich so schön, daß es in Frankreich sogar mal einen Film gleichen Titels gab, aber wenn im Drehbuch „Außen Nacht“ steht, dann bedeutet das beim Drehen einen Aufwand, bei dem man sich wie bei allen Kinoanstrengungen immer wieder fragt, ob und wie er eigentlich im Verhältnis steht zu dem, was man später dann auf der Leinwand sieht.

          Außen Nacht also, eine von schätzungsweise über zweihundert Szenen, irgendwo in der Mitte der Verfilmung von Patrick Süskinds Welterfolg „Das Parfüm“, irgendwo am Nordrand von Barcelona, wo die Nächte noch lau sind. Die Szene soll auf der Terrasse des Anwesens des Kaufmanns Richis spielen, das in der Vorlage in Grasse liegt, aber in Barcelona kostengünstiger zu haben war. Außerhalb der Ringautobahn Ronda de Dalt liegt der Parc del Laberint d'Horta, ein hübsches neoklassisches Gartenlabyrinth, das der Architekt Domenico Bagutti im 18. Jahrhundert hinter dem Palais des Joan Antoni Desvalls, dem Marques de Llupia i d'Alfarras, angelegt hat. In den Siebzigern wurde der Park renoviert, das Gebäude selbst ist in weniger gutem Zustand, aber als Kulisse fürs Kino gibt es einiges her.

          Mitten im Kostümgeflatter

          Wir schreiben das Jahr 1766, im Hause des Kaufmanns Richis wird der sechzehnte Geburtstag der alabasterhaften Tochter Laura gefeiert, die natürlich noch nichts vom gräßlichen Geschick weiß, das ihr der mörderische Held Jean-Baptiste Grenouille bereiten wird. Die Torte mit den Kerzen wird hereingetragen, die Festgesellschaft applaudiert, der Vater (Alan Rickman) hält eine Ansprache, die Tochter (Rachel Hurd-Wood) ist entzückt - all das schreibt sich so leicht und bedeutet fürs Kino eine enorme Kraftanstrengung.

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          Die Dutzende von Komparsen wollen eingekleidet sein, die Kamera muß den Weg der Torte einfangen, die Kerzen dürfen nicht ausgehen, und die Schauspieler sollen im rechten Moment ihren Rollen entsprechen. Da gibt es eine Probe und noch eine, und dann klappt es beim ersten Mal nicht und beim zweiten auch nicht und ist doch alles der ganz normale Wahnsinn des Filmemachens. Auf der Terrasse, wo sich vor und hinter der Kamera alle auf den Füßen stehen, herrscht das übliche Auf und Ab von totaler Anspannung, wenn die Kamera läuft, und hektischer Betriebsamkeit danach, wenn für den nächsten Take nachgebessert wird, hier gezupft, dort gepudert, ein Wort mit den Schauspielern, eine Anweisung für die Komparsen, ein Austausch mit dem Kamerateam. Und noch mal: Torte, Kerzen, Kamera, Ansprache, Mädchengeschnatter, Kostümgeflatter. Danke. Und noch mal.

          Undurchdringliches Chaos

          Über allem hängt ein großer Leuchtstoffballon, der wie ein Vollmond die katalanische Nacht erhellt, auf den Mauern sitzen Pfauen, die sich in ihrem Schlaf durch nichts stören lassen, und dazwischen stehen die deutschen Journalisten. Gestern waren die aus Lateinamerika da, und morgen kommen die aus Resteuropa - und sie starren alle beklommen wie ungebetene Gäste auf das undurchdringliche Chaos, das doch einer geheimen Ordnung gehorchen muß, in deren Mitte der Regisseur Tom Tykwer oder der Produzent Bernd Eichinger stehen, je nachdem, wie man die Hierarchien des Filmemachens deutet. Jedenfalls sitzen die beiden einträchtig vor dem Monitor, der zeigt, was die Kamera sieht, umgeben von jenem Bannkreis der Macht, der im Kino die Verhältnisse regelt. Die Nähe von Regisseur und Produzent wäre bei jedem Film ungewöhnlich - in diesem Fall ist sie womöglich die Grundbedingung einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

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