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„Cloud Atlas“ Ein Kritiker fliegt vom Hochhausdach

Tom Hanks befand dieses Filmprojekt für jenseits des Vorstellbaren. Tom Tykwer und die Wachowskis ließen sich davon nicht abhalten. Jetzt wurde „Cloud Atlas“ auf dem Filmfestival in Toronto gezeigt.

© dpa Der Anzug ist 19. Jahrhundert, der Blick postapokalyptisch: Hugo Weaving in „Cloud Atlas“

Das Publikum ist überall. Vor ein paar Jahren noch konnte man auf dem Weg zwischen den weit auseinander liegenden Festivalkinos durch Toronto laufen und merkte kaum, dass hier das größte nordamerikanische Filmfestival stattfand. Seit das Festival sein eigenes Haus, das auch die Cinematheque beherbergt und dessen Kinos während des ganzen Jahres bespielt werden, bekommen hat und sich inzwischen fast ausschließlich um dieses Tiff Bell Lightbox genannte Gebäude abspielt, scheint das Festival dieser Tage das einzige Ereignis in Toronto zu sein. Man bleibt im selben Viertel, und da schlängeln sich um jede Ecke herum die Wartenden vor den Kassen und den Kinos, ihre Geduld ist überirdisch wie die Freundlichkeit der mehr als zweitausend freiwilligen Helfer. Manchmal hört man von nah oder ferner ein Gebrüll. Dann hat ein Star sich blicken lassen. Oder auch eine kleine Stararmee wie bei der Premiere von „Cloud Atlas“ mit seinen drei Regisseuren und dreizehn Hauptdarstellern. Ausgebuht wird so leicht keiner hier.

Verena Lueken Folgen:

Toronto war immer ein Publikumsfestival. Es gibt keinen Wettbewerb und keine Jury außer der, die über den Publikumspreis abstimmt, die ganz große Jury also, die später auch an der Kinokasse darüber entscheidet, was ein Erfolg wird und was nicht. Insofern ist das Festival für das, was in diesem Teil der Welt nur „die Industrie“ heißt, ein zuverlässiger Gradmesser, wie „Slumdog Millionaire“ vor einigen Jahren oder später „Precious“ und „The King’s Speech“ zeigten - nach ihrem Publikumspreis in Toronto Hits und Oscar-Gewinner allesamt. Von den Siegern in Berlin, Cannes oder Venedig lässt sich das nicht sagen.

«Cloud Atlas» war Traumprojekt für Tykwer © dpa Vergrößern Rendezvous mit Drohne: Doona Bae als ungesicherte Hochseilartistin

Im Programm spiegelt sich das wider. Was andere Festivals sich zur Eröffnung oder zum Schluss leisten, blockbusterfähige Filme mit Getöse und Spaß am Spektakel, durchzieht hier die ganze Auswahl. Es gibt sie schon auch, die kleinen Filme aus Usbekistan oder jene an der Grenze zwischen Kino und bildender Kunst, denen eine eigene Sektion gewidmet ist. Aber die Filme, über die geredet wird, sind die anderen, der neue mit Ryan Gosling oder die jüngste Regiearbeit von Ben Affleck. Es geht um sehr viel Geld beim Filmemachen, und kein anderes Festival macht das so deutlich wie Toronto, wo jedem Film nicht ein Festivaltrailer, sondern ein Werbeblock vorgeschaltet ist.

„Cloud Atlas“ war einer der Filme, die am dringlichsten erwartet wurden - das Buch von David Mitchell war vor einigen Jahren ein riesiger Erfolg an der Grenze zum Kult, und die Nachricht, die Geschwister Wachowski, die mit „The Matrix“ etwas nie zuvor Gesehenes auf die Leinwand gebracht hatten, würden, gemeinsam mit Tom Tykwer, dessen „Lola rennt“ ebenfalls bahnbrechend war, das komplizierte, viele hundert Jahre zwischen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und einer postapokalyptischen Zukunft umspannende Werk verfilmen, setzte umgehend Phantasien in Gang: wie das gehen würde, ein Film nach dieser Vorlage und mit drei Regisseuren. Und was das Geld angeht - es war schwierig aufzutreiben, und vor allem deutsches steckt drin.

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