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Clint Eastwood Der Demonteur

23.01.2007 ·  Wenn an diesem Dienstagnachmittag die Nomierungen für die Oscars bekanntgegeben werden, könnte wieder einmal Clint Eastwood im Rampenlicht stehen. Die einstige Macho-Ikone genießt längst Klassikerstatus. Ein Porträt.

Von Verena Lueken
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Wer Clint Eastwood immer noch für einen alten Haudegen hält, muss sich fragen lassen, wo er das letzte Vierteljahrhundert verbracht hat. Eastwood, der mit seinen beiden Filmen über die Schlacht um die Pazifikinsel Iwo Jima im Februar 1945 - einmal aus amerikanischer, einmal aus japanischer Perspektive erzählt - als einer der Anwärter bei den Oscars im nächsten Monat gilt, hat sich schon vor langer Zeit die Freiheit genommen, sich zu verändern.

Das ist für eine öffentliche Person von seinem Berühmtheitsgrad eine recht ungewöhnliche Sache, zumal die Rollen, die Eastwood in den ersten Jahrzehnten seiner Schauspielerlaufbahn spielte (wie der Namenlose in den Italo-Western der „Dollar“-Serie von Sergio Leone zwischen 1964 und 1966 oder des Dirty Harry aus den entsprechenden Filmen in den siebziger Jahren), ihn als Macho-Ikone für alle Zukunft unwiderstehlich zu machen schienen. Dafür, dass er sich davon verabschiedet hat, ohne seinen Glamour einzubüßen, wird er bewundert wie verehrt. Längst genießt er Klassikerstatus - als einer der intelligentesten und am wenigsten eitlen Regisseure in Hollywood und als Figur der Filmgeschichte von großer Integrität.

Die geriatrische Fraktion

Geboren wurde Eastwood am 31. Mai 1930 in San Francisco. Er lebt in der Gegend von Carmel, wo er eine Ranch und ein Restaurant besitzt. Bei einer Preisverleihung vor einigen Jahren sagte er, er zähle sich zur geriatrischen Fraktion. Dabei ist er ebenso wie sein Regiestil von souveräner Lässigkeit. Inzwischen hat er bei dreißig Filmen Regie geführt, mit vielfältigen Themen, aber doch einem verbindenden Interesse, auf das er immer wieder zurückkommt. Was es denn mit dem Heldentum amerikanischer Prägung auf sich hat, fragen seine Filme immer dringlicher, wie Helden gemacht werden und was das Heldentum sie kostet.

Den Westernhelden demontierte er ein für allemal 1992 in „Unforgiven“ (Erbarmungslos), der ihm nach mehr als dreißig Jahren im Geschäft die ersten Oscars einbrachte. Für den Polizisten, der das Gesetz in die eigenen Hände nimmt wie Dirty Harry, tat er das Gleiche in seinem Film „Mystic River“ 2003; und jetzt ist der Krieger dran, den er ebenfalls häufig spielte. „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“, die beiden Filme aus dem Pazifikkrieg, sehen genau hin, wenn getötet und gestorben wird, und fragen nach den Konsequenzen von Gewalt auch für die, die sie verüben. Auch zeigen sie die unterschiedlichen Konzepte des Heroentums auf beiden Seiten. Wobei für Eastwood die amerikanische Heldenmaschine, die am Ende erfolgreiche Verkäufer von Kriegsanleihen ausspuckt, natürlich die tiefere Bitterkeit hervorruft.

Ob der Krieg, den Amerika im Augenblick führt und den Eastwood für eine große Dummheit hält, überhaupt noch Helden hervorbringt, nachdem die Bilder aus Abu Ghraib seine Ikonographie prägen, ist die eine Frage. Die andere, die Eastwood in „Flags of Our Fathers“ anhand des berühmten Fotos der Fahnenhisser auf dem Berg Suribachi untersucht, heißt, ob Amerika wahre Helden überhaupt noch erkennt oder ob es sich nur solche erschafft, die gut sind fürs Geschäft. Eine andere Verwendung hat das Land nicht für sie, und das ist, für einen ehemals nach rechts neigenden Republikaner, eine niederschmetternde Einsicht.

Quelle: F.A.Z., 23.01.2007, Nr. 19 / Seite 8
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Jahrgang 1955, stellvertretende Leiterin des Feuilleton.

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