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Charlie Chaplin : Alte Hitler-Parodie in neuer Qualität

  • Aktualisiert am

Chaplin als Hitler - „Gratwanderung” Bild: AP

In der Rolle als Hitler war Charlie Chaplin so erfolgreich wie umstritten. Nun gibt es eine restaurierte Fassung von „Der große Diktator“, die von Donnerstag an im Kino läuft.

          „Kein Ereignis in der Geschichte des Films ist mit mehr hoffnungsfroher Spannung erwartet worden wie die Premiere dieses Films“, schrieb die „New York Times“ vor rund 64 Jahren in einer Kritik. 1940 kam in Amerika Charlie Chaplins „Der große Diktator“ in die Kinos.

          Die gewagte, vielfach auch umstrittene Parodie Chaplins auf Adolf Hitler schrieb Filmgeschichte. Am Donnerstag startet eine komplett restaurierte Fassung bundesweit in den Kinos. Seit Jahren restauriert die „Cineteca di Bologna“ in Italien die Filme Chaplins (1889-1977) im Auftrag der Chaplin Association. „Die Experten arbeiten sich von Bild zu Bild vor, stellen die ursprünglichen Kontraste und Lichtverhältnisse wieder her“, berichtet Hans-Christian Boese, Geschäftsführer vom deutschen Verleih Piffl Medien in Berlin.

          Chaplins größter Erfolg

          Beim großen Diktator hätten sie als Vorlage eine vom Original-Negativ gezogene Filmkopie genutzt. Der Ton sei komplett digital bearbeitet worden. „So wurden Kratzer und Beschädigungen der Tonspur beseitigt“, sagt Boese. Das Ergebnis ist beeindruckend: Bild und Ton sind von brillanter Qualität.

          Chaplin führt bei dieser Produktion - die sein größter Erfolg wurde - nicht nur selbst Regie, sondern spielt eine Doppelrolle: zum einen einen namenlosen, jüdischen Friseur, zum anderen einen Diktator. Der Friseur verliert bei einem Flugzeugabsturz im Ersten Weltkrieg sein Gedächtnis und beginnt Jahre später im Getto einer großen Stadt sein neues Leben. Diese Stadt liegt im Machtbereich des Diktators Hynkel.

          Der Friseur wird als Widerstandskämpfer enttarnt und in ein Konzentrationslager gebracht. Bei einer Entenjagd fällt Hynkel in einen See, der neben dem KZ liegt, aus dem der Friseur gerade ausgebrochen war. Es kommt zur Verwechslung: Hynkel wird als Ausbrecher aus dem Wasser gezogen, während der Friseur vor dem Volk eine leidenschaftliche, pazifistische Rede hält.

          Film war eine Gratwanderung

          Chaplin wagte mit dem Film eine Gratwanderung - die Dreharbeiten begannen 1939 fast zeitgleich mit der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland. Er mußte Balance halten zwischen seinem Wunsch, die Welt möge über Hitler lachen und dem Respekt gegenüber den Opfern des Nazi-Terrors. Die Reaktion auf die Premiere von „Der große Diktator“ war am 15. Oktober 1940 in New York gespalten. Neben begeisterten Äußerungen gab es schwere Vorwürfe.

          Es wurde kritisiert, der Film verharmlose den Nationalsozialismus und Faschismus. Der Diktator wirke wie eine lächerliche Marionette. Das KZ erscheine als Gefängnis, in dem es sich leben lasse und aus dem man auch relativ einfach ausbrechen könne. Im Getto herrsche Kleinstadtidylle. Und den im Film gezeigten Widerstandskämpfern werde ein politisches Anliegen abgesprochen, sie kämpften nur ums persönliche Wohlergehen.

          „Eine großartige, vernichtende Satire“

          „Was das Komische an Hitler betrifft, möchte ich nur sagen, daß es, wenn wir nicht ab und zu über Hitler lachen können, noch viel schlechter um uns bestellt ist, als wir glauben“, entgegnete Chaplin solchen Vorwürfen. Und der Filmkritiker Sergej Eisenstein erklärte: „Eine großartige, vernichtende Satire, dem Sieg des menschlichen Geistes über die Unmenschlichkeit zum Ruhm.“

          Die Europapremiere fand am 16. Dezember 1940 in London statt, während der deutschen Luftangriffe auf England. In westdeutschen Kinos lief der Film erstmals 1958, in der DDR wurde er 1980 im Fernsehen gezeigt.

          Franzosen als Chaplin-Fans

          In Frankreich kam die heute restaurierte Fassung schon vor zwei Jahren in die Kinos - sie war dort ein großer Erfolg. „Die Franzosen sind echte Chaplin-Fans“, sagt Boese. Deswegen sei der Film dort auch mit 200 Kopien an den Start gegangen. Wegen der komplizierten Situation bei der Rechtevergabe habe es so lange gedauert, bis die neue Fassung auch hier zu Lande zu sehen sei.

          In Deutschland sind nur 15 Kopien im Umlauf. „Wir haben bewußt große Kinos ausgesucht, in denen dieser Film gezeigt werden soll“, sagt Boese. Zu sehen sein wird der Film unter anderem in Berlin, Dresden, Leipzig, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Stuttgart und München.

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