17.08.2004 · Warner Brothers hat es sich was kosten lassen, daß "Catwoman" so ähnlich aussieht wie die übliche Sommerware, mit Action, Sexappeal und Herzschmerz, lauter Musik und glücklichem Ausgang. Es half alles nichts.
Es kommt nicht häufig vor, daß ein Hollywoodstudio versucht, mit einem Experiment in den profitträchtigen Sommermonaten Gewinn zu machen. Warner Brothers hat es gewagt und ein Werk in die Konkurrenz der Sommer-Action-Spektakel geschickt, das ein französischer Regisseur mit einer schwarzen Hauptdarstellerin und zwei Frauen in tragenden Nebenrollen gedreht hat, die jenseits von vierzig Lebensjahren gemeinhin nur noch in Interviews über die Frage zu Wort kommen, wie schwer es alte Frauen im Filmgeschäft haben.
Ein mutiges Unternehmen des Studios also, das einen dreistelligen Millionenbetrag investiert hat, damit "Catwoman" so ähnlich aussieht wie die übliche Sommerware, mit rasant geschnittenen Kampfszenen, zahlreichen zerbrochenen Knochen und Fensterscheiben, mit Sexappeal und Herzschmerz, lauter Musik und glücklichem Ausgang. Es half alles nichts. Das Experiment, das ab heute auch in deutschen Kinos zu sehen ist, schlug fehl.
Leider: Es liegt an Halle Berry
Das liegt nicht an den beiden Frauen in den besten Jahren, an Sharon Stone, die als böses Model glänzt, oder an der geheimnisvollen Frances Conroy, die ein Haus voller Katzen führt. An Pitof, dem Regisseur, der sein Handwerk in der Zusammenarbeit unter anderem mit Jean-Pierre Jeunet, Lars von Trier und Luc Besson gelernt hat, liegt es schon eher, weil er sich um die Geschichte nicht schert, dafür aber sehr modische Hochglanzbilder zu ihrer Bebilderung schafft.
Am Drehbuch, das im Dreierteam geschrieben wurde und richtungslos von einer Szene in die nächste schlingert, liegt es bestimmt. Vor allem aber, leider, liegt es an Halle Berry. Nicht an ihrer schwarzen Haut, die auf den Plakaten und Werbefotos für "Catwoman" deutlich gebleicht wurde. Halle Berry hätte mit jeder Hautfarbe und unter jedem Regisseur in dieser Rolle versagt.
Wie passend: Der Film spielt teils in einer Kosmetikfirma
Catwoman ist eine Untote, nach ihrem Dahinscheiden wiedererweckt und mit übernatürlichen Kräften ausgestattet von einer ägyptischen Mau-Katze. Von nun an führt sie, wie Batman, Superman, Spiderman, eine Doppelexistenz als kleine Angestellte und kämpferische Superfrau. Beides glaubt man ihr nicht. Sie wirkt weder mysteriös noch zweideutig oder wenigstens eindeutig, nur fahrig. Kaum ist sie vom Tod erwacht, schnüffelt Halle Berry mit gekrauster Nase, blickt von nun an gern mit gesenktem Haupt ihr Gegenüber von unten an, reißt den Kopf scharf hin und her und klettert manchmal Wände empor. Vor allem aber schreitet sie Häusersimse im "Catwalk" ab, mit einer Ausdauer, wie sie sonst nur Modelschülerinnen an den Tag legen. Dazu paßt, daß ein Teil des Films in einer Kosmetikfirma spielt.
Im Zentrum des Studioexperiments stand die Frage, ob - so wie Tom Cruise, Julia Roberts oder Brad Pitt - auch eine Schwarze in den ersten Tagen seiner Laufzeit so viele Menschen in die Kinos locken kann, daß sich ein Film schon am ersten, spätestens am zweiten Wochenende amortisiert hat. Die Frage bleibt offen. "Catwoman" jedenfalls hat es nicht geschafft. Sie wurde der Flop der Saison.