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Filmfestival Cannes : Nach dem Weltende: Vorfahrt beachten

In den achtziger Jahren feierte die „Mad Max“-Trilogie mit Mel Gibson Erfolge. Der Film „Fury Road“ mit Tom Hardy und Charlize Theron setzt die Reihe fort - in Cannes außer Konkurrenz. Bild: 2012 Village Roadshow Films

Am Mittwoch beginnt das Filmfestival von Cannes - nicht mit dem lange erwarteten neuen „Mad Max: Fury Road“. Und doch reden alle dort nur von diesem Film.

          Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte dies das Jahr der Französinnen werden. Agnès Varda, die große alte Dame des europäischen Kinos, bekommt eine Ehren-Palme, was wahrhaft eine Ehre ist, wurde diese besondere Auszeichnung doch bisher nur an Woody Allen, Clint Eastwood und Bernardo Bertolucci, die großen alten Männer des Festivals also, vergeben. Und zum ersten Mal seit 1979 eröffnen die Internationalen Filmfestspiele in Cannes mit dem Film einer Regisseurin, mit Emmanuelle Bercots „La Tête haute“. Der Film, der Catherine Deneuve in der Rolle einer Jugendrichterin zeigt, läuft außer Konkurrenz. Auch die Berlinale hatte im Februar mit dem Film einer Regisseurin begonnen, womit den Filmemacherinnen zwar immer noch nicht die gleiche Rolle wie ihren männlichen Kollegen im Festivalalltag zuerkannt ist, aber endlich das Recht, ihrerseits am Eröffnungsabend zu scheitern.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es wird also am Anfang und am Ende weiblich und sehr französisch zugehen in Cannes, was nach den bombastischen eröffnenden Glamourveranstaltungen der letzten Jahre („Grace“, „The Great Gatsby“) ein Zeichen zumindest für eines ist: ein starkes Jahr des heimischen Kinos, jedenfalls in den Augen der Programmgestalter in Cannes, die aus den Einsendungen von 1854 Filmen aus aller Welt fünf französische in den Wettbewerb eingeladen haben. Dazu vierzehn weitere, unter anderen drei Italiener, aber nur zwei Amerikaner. Keinen Deutschen.

          Und dort, das zeigt der zweite Blick auf den Wettbewerb, bleiben die Männer wieder einmal fast ungestört. Nur zwei Regisseurinnen, beide aus Frankreich, haben es in die wichtigste Sektion des Festivals geschafft: Maïwenn, die 2011 mit ihrem „Polisse“ bereits im Wettbewerb war, sowie die Cannes-Debütantin Valérie Donzelli. Die anderen Franzosen sind Jacques Audiard, Guillaume Nicloux und Stéphane Brizé. Arnaud Desplechin, ein alter Bekannter aus allen Sektionen in Cannes, dessen Filme immer ein Ereignis sind, wurde mit seinem „Trois souvenirs de ma jeunesse“ aufs Nebengleis in die Quinzaine des Réalisateurs eingeladen. Andere altbekannte Konkurrenten um die Goldene Palme sind der Japaner Hirokazu Kore-eda, der Taiwaner Hou Hsiao-hsien und der Chinese Jia Zhang-Ke.

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          Am Anfang aber wollen alle vor allem einen Film sehen, der außer Konkurrenz läuft und eigentlich kein Festival braucht, weil er gleichzeitig international in Tausenden Kinos startet: „Mad Max: Fury Road“. Dafür gibt es gute Gründe. George Miller zum Beispiel, den Regisseur. Er hat 1979 den wortkargen, mit minimalen Mitteln von Mel Gibson verkörperten Helden Max Rockatansky erfunden und dem ersten zwei weitere Filme folgen lassen. Auch beim vierten führt Miller nun Regie. Das spricht für Hingabe an die Figur. Mel Gibson allerdings musste sich von ihr verabschieden. Der neue Film spielt zwischen dem ersten und dem zweiten (1981), da hätte jede Maskenbildnerkunst versagen müssen. Und Tom Hardy, der neue Max, hat genügend mysteriöses Charisma, um der Figur glaubhaft sein Gesicht und seine Muskeln zu leihen.

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