26.05.2009 · „Wir machen den Film“: Das sagte Quentin Tarantino, nachdem er Christoph Waltz getroffen hatte. Für seinen Auftritt in „Inglourious Basterds“ gewann Waltz in Cannes den Darstellerpreis - obwohl er eigentlich keine Irren mehr spielen wollte.
Von Michael AlthenVon den Psychopathen, sagte Christoph Waltz unlängst in einem Interview, habe er eigentlich die Nase voll. Irgendwann werde das fad und eindimensional; er fände die Feinheiten anderer Rollen auf Dauer spannender. Da konnte er allerdings noch nicht ahnen, dass ihm ausgerechnet eine Psychopathenrolle den größten Erfolg seiner Karriere bescheren würde. Denn am Sonntagabend verkündete bei den Filmfestspielen in Cannes die Jury-Präsidentin Isabelle Huppert, dass Waltz für seine Rolle des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos Kriegsfilm „Inglourious Basterds“ als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet werde.
Und der gebürtige Wiener erklomm im Smoking die Bühne, bedankte sich bei der Präsidentin erst mal artig auf Französisch, grüßte seine Freunde auf Deutsch und wechselte dann ins Englische, um seinem Regisseur dafür zu danken, dass er ihm seine Berufung zurückgegeben habe. Und abgesehen davon, dass man aus dieser Bemerkung erahnen kann, dass ein Mann von seinem Talent im heimischen Markt offenbar etwas unterfordert ist, ist es genau diese Vielsprachigkeit, die ihm die Rolle des pfeiferauchenden Killers mit dem Hang zur Poesie überhaupt erst eingebracht hat.
Sanftes Gesäusel, explosive Gewalt
Denn als Tarantino für den zum größten Teil in Babelsberg gedrehten Film nach deutschen Schauspielern suchte, hätte er nach eigenen Aussagen das Projekt beinahe wieder zu den Akten gelegt, wenn er nicht Christoph Waltz gefunden hätte, der als einziger Gedichte in jeder gewünschten Sprache vortragen konnte. Als er Waltz gehört hatte, habe er jedenfalls den Produzenten angerufen und gesagt „Wir machen den Film“ – und das ist dann schon eine ziemliche Auszeichnung, wenn man bedenkt, dass in „Inglourious Basterds“ nicht nur allerlei deutsche Kollegen wie Til Schweiger und Daniel Brühl mitspielen, sondern auch Stars wie Brad Pitt, Maggie Cheung, Mike Myers, Eli Roth und Diane Kruger. Aber natürlich hat auch keiner von ihnen eine so schillernde Rolle, in der sich unversehens sanftes Gesäusel mit explosiver Gewalt abwechselt.
In Deutschland ist der Mann mit dem sanften Blick und energischen Kinn natürlich kein Unbekannter. Er hat als Oetker-Entführer Dieter Zlof einen Grimme-Preis gewonnen und ansonsten seine Bandbreite bewiesen, indem er so gegensätzliche Rollen wie Friedrich Nietzsche in „Wahnfried“ und Roy Black in „Du bist nicht allein“, den Tristan in „Feuer und Schwert“ und Ärzte in den Kinofilmen „Herr Lehmann“ und „Der alte Affe Angst“ gespielt hat. Die diversen Nebenparts in Fernsehepisoden, mit denen der Zweiundfünfzigjährige ansonsten sein Brot verdient, dürften nach dem Erfolg in Cannes jedenfalls der Vergangenheit angehören.
Der österreichische Regisseur Michael Haneke, der mit seinem Film „Das weiße Band“ am Sonntagabend in Cannes sogar die Goldene Palme gewann, brachte es auf den Punkt: „Christoph hatte eine Riesenchance – und die hat er zu hundertfünfzig Prozent genutzt.“
Mief von 40 Jahren
Andreas Noreikat (derherold)
- 26.05.2009, 14:27 Uhr
Abgeschlachtete Deutsche
thomas ackermann (chefmixer)
- 26.05.2009, 15:58 Uhr
Es ist so typisch für die "neue", unsympathische BRD
Hiep Van Tran (WatersToronto)
- 26.05.2009, 16:21 Uhr