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Büchersendung : Elkes Welt

Elke Heidenreich betont seit langem, wie sehr sie die Literatur liebt. Jetzt hat sie eine eigene Büchersendung im ZDF, und wer die erste Folge gesehen hat, glaubt der Moderatorin diese Liebe unbedingt.

          Wenn einer heftig liebt und nicht auf den Mund gefallen ist, hat seine Umgebung manchmal schlechte Karten. Denn das dauernde Gerede über die Geliebte ist um so schwerer zu ertragen, je größer die Begeisterung des Liebhabers ist. Er stellt seine Ansicht nicht zur Diskussion, er verkündet sie. Auf eine Analyse seiner Gefühle kommt es ihm dabei schon gar nicht an. Warum sollte es auch?

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Elke Heidenreich betont seit langem, wie sehr sie die Literatur liebt. Jetzt hat sie eine eigene Büchersendung im ZDF, und wer am vergangenen Dienstag die erste Folge gesehen hat, glaubt der Moderatorin diese Liebe unbedingt. In einem kleinen Saal der Kölner Oper sprach Heidenreich eine halbe Stunde lang ungebremst über Bücher, die ihr am Herzen liegen, angekündigt von einer fröhlichen Jahrmarktstrompete, betont hemdsärmlig und sichtlich bemüht, Barrieren zwischen dem Publikum und der Welt der Bücher abzubauen.

          So sind die Männer

          Lektüre, die lohnt, müsse irgendwie mit dem eigenen Leben zusammenhängen, lernen wir, der Satz "Das hat auch wieder mit uns allen zu tun" wird hier zum Gütesiegel. "Darum lieb' ich dieses Buch so", heißt es, wenn das Werk Erfahrungen schildert, die auch Heidenreich gemacht hat. Freigebig teilt sie mit, was sie aus den Büchern gelernt hat, etwa daß "wir immer jemanden verletzen", daß uns aber als Trost wenigstens die Bücher gegeben sind, um uns aus der bedrückenden Realität zu erlösen, die sie aber doch irgendwie widerspiegeln ("So sind die Männer"). Was aus den unzugänglichen Bänden werden soll, denen, um die man sich bemühen muß, weiß die Moderatorin auch: "Wenn Ihnen ein Buch nicht gefällt - weg damit!"

          Gedacht ist "Lesen!" als eine Art Dauerwerbesendung für die Literatur, und weil Argumente beim Marketing seit je ein Schattendasein führen, läßt sich Heidenreich auch gar nicht darauf ein, ihre Empfehlungen zu begründen - wer da nicht mitlieben will, ist verloren, wer ihr nicht blind vertraut, auch. Am Anfang macht genau dies den rustikalen Charme von "Lesen!" aus, die Chuzpe, den eigenen Geschmack für so interessant zu halten, daß er zum roten Faden einer ganzen Sendung taugt. Das verliert sich im Verlauf des Abends, am augenfälligsten, wenn Heidenreich nicht rühmt, sondern ("Hören Sie mal dieses hier") vorliest, etwa aus Nuala O'Faolains Roman "Ein alter Traum von Liebe".

          Wunderbare Worte

          Drei journalistische Formen kommen in dieser halben Stunde vor: Meist sitzt Heidenreich am Schreibtisch und spricht über Literatur, dann holt sie sich einen Gast an den Tisch, der - wie Harald Schmidt in der Pilotsendung - selbst ein Buch mitbringt, schließlich gibt es auch noch eine kurze Dokumentation, die diesmal dem Werk von Tim Parks gewidmet war. Am Ende gilt ein Hinweis Eric-Emmanuel Schmitts "Monsieur Ibrahim", diesem "unendlich zarten Buch", und schließlich dem noch zarteren "Kleinen Prinz" als Hörbuch: der stehe zwar leider unter Kitschverdacht, aber es lohne sich schon, den "wunderbaren Worten des Dichters" zu vertrauen.

          Die Jahrmarktstrompete vom Anfang begleitet auch den Abspann. Sie stammt aus dem Lied "Mehr als sie erlaubt" von "Element of Crime", und indem die "Lesen!"-Redaktion gerade dies zur Erkennungsmelodie ihrer Sendung machte, erinnert sie unfreiwillig an einen ganz anderen Weg, eine Liebe in Worte zu fassen - hellsichtig, böse, aber keinen Funken weniger heftig: "Ihr Herz ist kalt wie ein gefror'nes Hühnchen", heißt es da, "ihre Schönheit überzuckert mit Gewalt." Der Liebe tut das keinen Abbruch, im Gegenteil, denn die Liebenden haben viel gemeinsam: "Sie liebt an mir den schäbigen Charakter, / und ihre Grausamkeit ist mir so schön vertraut." Für Elke Heidenreich ist das wohl nichts. Aber sie hat ja immer noch den Kleinen Prinz.

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