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Bud Spencer und Franco Nero Backpfeifen, Kopfnüsse und blaue Augen

27.02.2009 ·  Der eine wurde berühmt als maulfauler Outlaw, der andere als gutmütiges, aber reizbares Schwergewicht, und beide verdanken ihre Karriere dem italienischen Genrefilm. Nun sind Franco Nero und Bud Spencer in einem deutschen Film zu sehen.

Von Eric Pfeil
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C’era una volta il West . . . Es waren einmal zwei Kinohelden, deren Karrieren ungefähr zeitgleich im nachgestellten Wilden Westen italienischer Filmstudios begannen: Der eine wurde berühmt als maulfauler Outlaw, der durch Schlammlandschaften watend einen Sarg hinter sich herzog. Der Inhalt: ein Maschinengewehr. Einmal ausgepackt, nietete er damit alles um, was auch nur annähernd nach italienischem Stuntman aussah. Sein Rollenname: „Django“. Der andere war ein gutmütiges, aber reizbares Schwergewicht, das gern Backpfeifen verteilte und sich meist mit einem strahleäugigen Partner herumschlug. Er brachte zwar nicht den Tod, aber zumindest doch Haue und Kopfnüsse. Endgültig etabliert wurde diese Figur in dem Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, wo er den Namen Bambino (hierzulande: „der Kleine“) trug.

Franco Nero, 67, und Bud Spencer, 79, weilen zu Promotionzwecken für die deutsche Filmkomödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“, in der sie beide kurze Cameo-Auftritte haben, in Deutschland. Und auch wenn sie beide in all dem Getümmel bei der Premiere des Films in einem Berliner Kino wie überlebensgroße Veteranen einer besseren Kino-Ära erscheinen, lässt Carlo Pedersoli, wie Bud Spencer bürgerlich heißt, keinen Zweifel am wesentlichen Unterschied zwischen ihnen: „Franco ist ein großer Schauspieler, Bud Spencer dagegen ist einfach nur eine Type, die ich immer wieder darstelle.“

Der Nahkampf liegt ihm

Dennoch ist es der immer noch hünenhafte, aber inzwischen recht gebrechlich wirkende Spencer, der hier alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: Jeder – vom Schauspielerkollegen bis zum Sicherheitsbeamten – will sich mit dem ehemaligen italienischen Schwimmmeister fotografieren lassen; ein italienisches Mädchen von vielleicht achtzehn Jahren, das mit einer italienischen Flagge bei der Absperrung zu Spencers Ruhezone im Berliner Kinokomplex wartet, bittet ihn gar, ihn umarmen und küssen zu dürfen, was Spencer bereitwillig zulässt. Der Nahkampf liegt ihm immer noch.

Eine Begegnung mit Bud Spencer und Franco Nero

Die Karriere sowohl Spencers als auch Neros verdankt sich dem beispiellosen Boom des italienischen Genrefilms Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre. Das italienische Kino jener Tage ist ein faszinierender Mikrokosmos, in dem schon so mancher kunstsinnige Cinephile auf Jahre verlorenging und um den sich ein beispielloser Fankult gebildet hat. Es ist ein Kino des konsequenten Zeigens und des totalen Sehens; nicht umsonst erfanden die Italiener auch den Splatterfilm, führten den Sexfilm in Dimensionen einer ungeahnten Drastik, und bewährte Genres wie der Western erreichten hier eine neue brutale Konsequenz.

Mehr als vierhundert Filme pro Jahr

Das Experimentelle und das Kommerzielle waren hier keine Gegensätze, und so sorgten Regisseure wie Sergio Leone, Dario Argento oder „Django“-Erfinder Sergio Corbucci mit jedem Film für neue Impulse, die Hollywood erst irritiert zur Kenntnis nahm, dann jedoch begierig aufsaugte. Mehr als vierhundert Genre-Filme entstanden pro Jahr: rüde Polizeikracher, sinnliche Psychothriller, politisierte Mafiareißer, hitzige Sexfilme – und natürlich Italo-Western. Die Kinos waren rappelvoll, und die drei großen italienischen Filmstudios Cinecittà, Elios und Laurentiis brachten mit Schauspielern wie Tomás Milian oder Gian Maria Volonté echte Superstars hervor.

Die größte Ikone jedoch war nach seiner „Django“-Rolle der damals fünfundzwanzigjährige Franco Nero. „Ich habe eben ein Heldengesicht“, sagt Nero, ein sanfter Macho-Typ, heute mit unironischer Selbstverständlichkeit. Vor allem an Corbucci erinnert er sich voller Wehmut: „Sergio liebte meine blauen Augen“, erzählt Nero mit jenem schwerem italienischen Akzent, der ihm die große Weltkarriere vermasselte. „Er sagte immer: ,Leuchtet mir ja diese kleinen blauen Seen immer gut aus, die bringen mir eine Menge Geld ein.‘ Einmal nahm er mich beim Dreh zur Seite: ,Franco, die ganze Crew wartet, dass ich mit einer Idee komme, und weißt du was? Ich hab keine Idee; lass uns einen trinken gehen.‘“

Großartige Zeiten

Bis heute läuft der 1965 gedrehte Original-„Django“, der Nero zur Ikone machte, im deutschen Fernsehen nur in geschnittener Fassung, im New Yorker Museum of Modern Art liegt seit vielen Jahren eine Kopie. Ja, das seien großartige Zeiten gewesen damals, bestätigt er, nicht zu vergleichen mit dem heutigen Filmgeschäft. „Wir haben pro Jahr rund vierhundert Genre-Filme gedreht. Western, Gangsterfilme, Komödien, einfach alles. Und mit diesen Filmen haben wir dann die Filmkunst von Fellini oder Elio Petri finanziert. Ein guter Deal. Aber seit den Achtzigern ging’s bergab, und heute dreht man in Italien weder tolle Genrearbeiten noch Kunst, sondern einfach irgendwelche Filme.“ Das Thema „italienisches Genre-Kino“ lässt Nero aufblühen; er reiht Anekdote an Anekdote und parodiert genüsslich mit donnernder Stimme Regie-Urgesteine wie den Horror-Regisseur Lucio Fulci und den Erotik-Veteranen Tinto Brass.

Bud Spencer dagegen, auf einen Stock gestützt und in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt, arbeitet fast nur noch mit dem Blitzen seiner kleinen Augen; ihm gegenüberzusitzen hat etwas von einer Audienz bei einem alten italienischen Padrone. Am liebsten spricht er heute über seine späte Pilotenausbildung oder neapolitanisches Liedgut. Doch auch er, der laut eigener Aussage das Filmgeschäft nie so ganz ernst genommen hat, erinnert sich nicht ohne Wehmut an die Glanzzeiten seiner Prügelklamotten: „Wir Italiener haben die besten Stuntmen, wenn’s um Schlägereien geht. Ich habe mich diesen Leuten immer sehr verbunden gefühlt. Daher ist auch nie etwas passiert. Bis auf einmal – da bekam Terence einen Tisch auf den Kopf“.

Herr Girotti sprang ein

Es ist indirekt Franco Nero zu verdanken, dass das Team Hill/Spencer überhaupt jemals den zynischen Italo-Western erfolgreich zur Prügelklamotte transformieren konnte. Nero erzählt wild gestikulierend: „Enzo Barboni, der Kameramann von ,Django‘ kam zu mir, ein Script unter den Arm geklemmt. ‚Franco‘, sagte er, ‚du musst diesen Film machen: nur Humor, keine Leichen.‘ Ich sagte: ‚Enzo, mein Freund, ich kann nicht, ich muss nach Amerika, um Camelot zu drehen.“ Daraufhin fanden sie einen Schauspieler, der ebenfalls blaue Augen hatte und mir sehr ähnlich sah. Er hieß Mario Girotti und war schon mal für mich eingesprungen.“ Girotti wurde daraufhin von den Produzenten eine Liste mit möglichen amerikanischen Pseudonymen vorgelegt, um ihn international besser vermarkten zu können. Der Name, der ihm auf der Liste am besten gefiel, war Terence Hill.

„Manchmal“, erzählt Bud Spencer, „kommt Terence Hill noch heute bei mir zum Essen vorbei. Wegen der Pasta. Seine Frau erlaubt sie ihm nicht, weil sie Angst hat, dass er zu dick wird“. Vielleicht werde es sogar noch mal einen gemeinsamen Film geben. Und auch Nero plant einen letzten Italo-Western mit seinem engen Freund, dem Action-Regisseur Enzo Castellari. „Er will ihn ,Badlands‘ nennen, nächstes Jahr soll’s losgehen“, gibt sich Nero zuversichtlich. Wie schön wäre es, wenn doch noch einmal der Hauch des Todes durch die verwaisten Westerndörfer Cinecittàs wehte.

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