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Brian De Palma im Gespräch „Ich bin mit mir eigentlich ziemlich zufrieden“

Der Regisseur von „Carrie“ und „Dressed to Kill“ hat mit „Passion“ seinen ersten Berlin-Film gedreht. Jetzt ist Brian De Palma um einige erstaunliche Erfahrungen mit deutschen Schauspielern reicher.

© AFP Vergrößern Brian De Palma

Was hat Sie daran gereizt, Debussys „Nachmittag eines Fauns“ in eine Mordgeschichte hineinzuholen?

Andreas  Kilb Folgen:    

Ich liebe Debussy. Und ich bin ein Fan dieses Balletts. Ich wollte es schon lange in einem Film verwenden. In dem französischen Vorbild zu „Passion“ geht Isabelle ins Kino und schlüpft durch einen Hinterausgang. Ich habe die Szene in einen Ballettabend verlegt.

Die sexuelle Thematik des „Nachmittags“ hat Sie weniger interessiert?

Bei mir sieht man den Pas de deux mit dem Kuss, und in der anderen Hälfte des Splitscreens sieht man, wie Christine in ihrem Haus ihren Liebhaber erwartet und ermordet wird. Im Moment des Kusses schneidet ihr das Messer die Kehle durch.

Haben Sie Berlin als Drehort gefunden, oder hat Berlin Sie gefunden?

Die Innenaufnahmen des Films sollten zuerst in Berlin gedreht werden und die Außenaufnahmen in London. Als ich dann die Locations in London sah, sagte ich: Warum drehen wir Berlin nicht in Berlin? Hier gibt es ein paar großartige Gebäude, die auch in jeder anderen europäischen Großstadt stehen könnten. Am Ende haben wir sogar die in London spielenden Szenen in Berlin gedreht.

Berlin wirkt bei Ihnen allerdings nicht sehr gemütlich. Eher gespenstisch.

Großartig! Das war genau meine Absicht. Wenn ich in europäischen Städten arbeite, habe ich oft das Gefühl, die dort lebenden Regisseure verpassen einige der erstaunlichsten Ansichten ihrer eigenen Umgebung. Im Sony-Center zu drehen ist im Grunde nicht besonders originell. Trotzdem sagen die Leute bei jedem Interview: O Gott, das Sony-Center! (lacht) Es scheint eine phantastische Location zu sein. Warum ist bloß noch niemand anders darauf gekommen?

Seit „Femme Fatale“ scheint sich Ihr Frauenbild verändert zu haben. Die Heldinnen sind aktiver, aggressiver, weniger in der Opferrolle als zuvor.

Es ist immer interessanter, eine Frau vor der Kamera handeln zu lassen als einen Mann. Man kann einfach viel schönere Dinge mit ihnen anstellen.

Haben Sie Ihre Darstellerinnen nach ihrer Haarfarbe ausgesucht?

Das ist eher zufällig passiert. Rachel hat ihre Haarfarbe ja schon ziemlich oft gewechselt. Sie kam als Blondine, Noomi war die Brünette, und dann kam Karoline - ich mochte ihre roten Haare in Tom Tykwers „Parfüm“. Deshalb hat sie sie wieder in diesem Ton gefärbt.

Ist die Arbeit mit deutschen Schauspielern anders als mit anderen?

Nein, das würde ich nicht sagen. Der Kerl, der den Detektiv spielt . . .

 . . . der Schauspieler Rainer Bock . . .

 . . . dieser Kerl kann alles machen. Unglaublich. Großer Charakterdarsteller. Phantastisch. Es war wunderbar, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Und dann der Typ, der den Staatsanwalt spielt, der Deutsche mit dem englischen Akzent!

Sie meinen Benjamin Sadler.

Das war so witzig. Wir drehten die Szene, und sie sprachen alle Englisch. Ich sagte, ihr seid doch Deutsche, warum sprecht ihr nicht Deutsch? Sie waren völlig baff. Sie mussten sich regelrecht Mühe geben, auf deutsch weiterzumachen, weil sie ihre Rollen auf Englisch einstudiert hatten. Und wir fanden keine richtige Übersetzung für den Satz: „The Butler did it.“ Stattdessen hieß es plötzlich: „Der Gärtner war’s.“ Okay, sagte ich, dann war’s halt der Gärtner! Gibt es in Deutschland nicht dieses Butler-Klischee?

Doch, es gibt sogar einen bekannten Song: „Der Mörder ist immer der Butler“. Allerdings ist es auch da am Ende dann doch der Gärtner.

Ach, wirklich? (lacht) Na, da muss es wohl hergekommen sein.

Was hat Sie an dem Spiel mit lesbischer Verstrickung interessiert?

Im französischen Original war dieses Motiv der Attraktion und Manipulation schon da. Der entscheidende Eingriff bei mir ist, dass ich das Geschlecht von Isabelles Assistenten geändert habe. Ich finde diese Figur jetzt viel aufregender. Dadurch, dass Dani Isabelle liebt und sich mit Christine anlegt, wird sie fast automatisch zur Mordverdächtigen.

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Haben Sie bei der letzten Einstellung an Chabrols „Schrei der Eule“ gedacht?

Den habe ich nie gesehen. Die Idee zu der Szene ist mir buchstäblich in letzter Minute gekommen. Im Drehbuch hörte die Geschichte mit einer Traumsequenz auf. Mit der toten Dani auf dem Teppich wollte ich ein klares Zeichen setzen. Chabrol hat es genauso gemacht? Dann war es wohl eine gute Idee.

Gibt es Christines Zwillingsschwester wirklich, oder ist sie eine Einbildung?

Ich habe keine Ahnung.

Hatten Sie Probleme mit dem Budget?

Kein bisschen. Der Film sollte in 45 Tagen fertig werden, ich drehte ihn in 39. Er ist nur so durchgerauscht.

Denken Sie eigentlich manchmal darüber nach, Director’s Cuts auf DVD von ihren frühen Filmen zu machen?

Nein, nie. Ich bin mit meinen Filmen eigentlich ziemlich zufrieden. Bei „Die Verdammten des Krieges“ habe ich zwei Szenen für die DVD-Edition neu geschnitten. Aber das war’s.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.05.2013, 11:21 Uhr

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