Home
http://www.faz.net/-gs6-p47e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bilanz des Kinosommers Fortsetzen oder nicht fortsetzen

09.09.2004 ·  Übt das Neue auf die Zuschauer keinen Reiz mehr aus? Bei den großen Gewinnern des Kinosommers handelt es sich um Sequels. Sogar George Lucas soll nun eine Fortsetzung von „Star Wars“ planen.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Wenn der August zu Ende geht, wird in Hollywood das Kinojahr bilanziert. Das Weihnachtsgeschäft mag die Ergebnisse schönen, umstürzen kann es sie nicht. Und nun zeigt sich in diesem Jahr, daß die Gewinner des Kinosommers fast alle zur selben Sorte Film gehören - den Sequels, den Fortsetzungen.

"Shrek 2", der größte Kassenerfolg, spielte gut 430 Millionen Dollar allein in Nordamerika ein, eine Zahl, die vor "Titanic" utopisch schien, nun aber bald zur Normalität gehören wird. "Spider-Man 2" erbrachte 369 Millionen, "Harry Potter und der Gefangene von Asbakan" 248 Millionen und "Die Bourne Verschwörung" 165 Millionen Dollar.

Im Vergleich damit haben Nichtsequelfilme wie "The Day after Tomorrow" (186 Millionen), "I, Robot" (141 Millionen) und "The Village" (112 Millionen) vergleichsweise moderat, Wolfgang Petersens "Troja" (133 Millionen) und die Bruckheimer-Produktion "König Arthur" (51 Millionen) sogar enttäuschend abgeschnitten. In Deutschland, wo "(T)raumschiff Surprise" sich der Zehn-Millionen-Zuschauer-Grenze nähert, liegen die Verhältnisse ähnlich. Schließlich sind auch "Bully" Herbigs Scherze nur der Wiederaufguß einer bewährten Comedy-Mischung an verändertem Ort.

Das Altbekannte zieht

Was folgt daraus? Seit ihren Anfängen, seit den "Vampires" von Feuillade und den Einaktern Mack Sennetts, hat die Filmindustrie auf Serialität gesetzt, das ist nicht neu. Neu ist, daß die Fortsetzungen die Hitliste anführen, daß das Neue oder mindestens neu Erscheinende weniger Zuschauer anzieht als das Altbekannte.

Gerade an den Blockbustern erkennt man, daß nicht das Kino das visuelle Leitmedium unserer Zeit ist, sondern das Fernsehen. Dessen fiktionale Grundform, die Serie, hat längst auch auf der Leinwand die Herrschaft übernommen. Vor ein paar Tagen geisterte im Internet ein Gerücht herum, nach dem George Lucas eine weitere Fortsetzung seines "Star Wars"-Sechsteilers plant.

Vermutlich hat er gar keine andere Wahl. Denn eine Serie, egal ob im Kino oder im Fernsehen, endet nicht, wenn ihre Inspirationsquelle versiegt. Sie hört auf, wenn sie als Geldquelle vertrocknet. George Lucas und Joanne Rowling, zwei Gefangene ihres Erfolgs, können ein tristes Lied davon singen.

Quelle: kil / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2004, Nr. 210 / Seite 39
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr 2