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Kinofilm „Fikkefuchs“ : Was sind diese Männer bloß für trostlose Tierchen

  • -Aktualisiert am

Jan Henrik Stahlberg (rechts) und Franz Rogowski (links) im Film „Fikkefuchs“. Bild: dpa

Dieser Film will wehtun, verläppert sich aber in einer öden Bromance-Idylle. Jan Henrik Stahlbergs Kino-Quasikomödie „Fikkefuchs“ über maskuline Sorgen ist weder lustig noch mutig.

          Richard „Rocky“ Ockers ist ein Mann in schon leicht vorgerücktem Alter, der zwei Leben lebt. Das eine ist das Leben nach dem Orgasmus. Da fühlt er sich, als wäre er wieder siebzehn Jahre alt, wie damals in der Ägäis, als er sich vor Frauen kaum retten konnte. Das andere Leben ist das vor dem Orgasmus. Das dauert neuerdings immer länger, es wächst sich genau genommen gerade zu einer regelrechten „Dürreperiode“ aus. Den „Schlag bei Frauen“, den er mal hatte, als er der „größe Stecher von Wuppertal“ war, kann er inzwischen nicht einmal mehr mit heftigem Squash-Training gewährleisten.

          Was macht so ein Mann? Er schreibt ein Buch. „Memoiren eines Frauenverstehers“ heißt das, ein paar Zeilen sind auch schon geschrieben, aber es kommt immer etwas dazwischen. Zum Beispiel ein junger Mann vor der Tür. Der behauptet, er wäre der Sohn von Richard Ockers. Er heißt Thorben, wird von Rocky aber immer Thorsten genannt. Thorben spricht das Wort aus, nach dem der neue Film von Jan Henrik Stahlberg benannt ist, um dessen Plakatierung mit einem als sexistisch empfundenen Poster derzeit einige Aufregung herrscht: „Fikkefuchs“. Ein Fikkefuchs ist einer, der von Avocados spricht, wenn er die Brüste einer Kassiererin im Drogeriemarkt meint, und sich von einem Ausschnitt dazu ermächtigt fühlt, diese Frau zwischen den Regalen anzufallen.

          Das schöne Geschlecht nach Schopenhauer

          Thorben hat eine so problematische Beziehung zu seiner Sexualität, dass er wegen Vergewaltigung in der Klapse landete. Von da ist er abgehauen, und zwar nach Berlin, das er sich als Sexhauptstadt vorstellt. Rocky lebt auch hier, in einer Altbauwohnung in einer Gegend, die sich auf ihren Unterschied zum Prenzlauer Berg schon lange nichts mehr einbilden kann. Rocky und sein selbsterklärter Sohn, das ist das Duo, das in „Fikkefuchs“ anschaulich machen soll, was es mit dem „schönen Geschlecht“ auf sich hat. Gemeint sind die Männer, zumindest nach Schopenhauer. Die Männer unterliegen aber ihrerseits meist dem Irrtum, dass die Frauen das schöne Geschlecht wären. Deswegen machen sie sich oft so ungeschickt an dieses Geschlecht ran, weil sie vom Verdacht beseelt sind, dass sie eher eine Zumutung als eine Offenbarung sind. Darüber könnte man eine Komödie machen, bräuchte dazu allerdings ein Publikum, das auch bereit ist, über Dinge zu lachen, die gar nicht lustig sind. „Fikkefuchs“ aber will mehr.

          Trailer : Fikkefuchs

          Stahlberg und sein Drehbuchpartner Wolfram Fleischhauer wollen dorthin, wo es wirklich wehtut. Wie schon in „Muxmäuschenstill“ (2004), in dem Stahlberg als der erste deutsche Wutbürger auf eine rabiate Mission ging, die inzwischen von nicht wenigen Wirklichkeiten rechts und links überholt wurde, geht es in „Fikkefuchs“ um Tabubrüche aus dem Geist der allerparadoxesten Interventionen. Rocky und Thorben sind vermutlich die zwei trostlosesten Ableitungen aus einer hypersexualisierten Medienwelt, die man sich denken kann. Der Ältere hat sich in eine schöngeistige Welt zurückgezogen, die er von Klassikradio beschallen lässt („Zur Nussknackersuite ein Walnuss-Genusspaket“) und in der ein schlabbriger Hund die Einsamkeit mit ihm teilt. Der Jüngere kennt das andere Geschlecht nur aus Videos, in denen Nymphomaninnen es mit schwarzen Basketballteams aufnehmen.

          Am Ende wartet die Bromance-Idylle

          Es sind also einigermaßen schwierige Identifikationsmuster, die „Fikkefuchs“ anbietet (für Frauen nur ein negatives, das auf Mitleid hinausläuft). Wer soll sich diesen Film anschauen, ohne in Depression oder Ekel zu verfallen? „Fikkefuchs“ spricht augenzwinkernd von einem „Sozialfaschismus“, der darin besteht, dass Männer heutzutage alles zugleich sein sollen (rücksichtsvoll und rücksichtslos). Hier wird keiner mehr zum Pick-up-Artist. Das einschlägige Seminar, das eine Trainerin namens Wilson Donovan anbietet, wirkt wie ein postfeministisches Straflager.

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          Mit der letzten halben Stunde zeigt sich „Fikkefuchs“ in seiner ganzen Ratlosigkeit: Was eine richtig gute Komödie sein wollte, müsste das ganze Sprengmaterial, das unterwegs auslegt wurde, irgendwann ja auch wieder einsammeln oder wenigstens richtig explodieren lassen. Dass Thorben das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Lustgarten“ missversteht, in dem er „dirty Zeug“ erleben kann, ist so ein Sprengmoment, aber der Film hat nicht den Mut, seine Destruktivität auch nur einmal wirklich ernst zu nehmen, und am Ende löst sich alles, nur noch sehr undeutlich fake-idyllisch, in die Sorte Männerbund auf, die heute „Bromance“ heißt.

          Das, wovon Stahlberg mit sich selbst in der Hauptrolle erzählen will, sind die vielen Triebschicksale, die sich notdürftig zu Lebensgeschichten zurechtbiegen. Von denen weiß der Film genauso viel, wie es Rocky Ockers in seinem inneren Monolog verrät: „Ich bin Romantiker.“ Er klingt dabei wie der Außenseiter, der in Max Goldts berühmtem Monolog eines morganatischen Maurers feststellen muss, dass er einen Beruf hat, zu dem er nicht wirklich passt. Bei Goldt ist das, nicht zuletzt wegen des Tonfalls, wirklich komisch. In „Fikkefuchs“ aber zeigt sich das Geschlecht mit der Vorsteherdrüse als so pedantisch witzig, also vollkommen humorlos, dass man gern zu den Tierfilmen wechseln würde, mit denen Rocky seine einsamen Abende verbringt.

          Quelle: F.A.Z.

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