12.02.2007 · Notorische Auskunftsunwilligkeit ist eine bekannte Eigenschaft Robert De Niros. Das merkte auch Volker Schlöndorff im Gespräch mit dem Schauspieler vor verschneiter Wannsee-Kulisse. Erst mit personeller Verstärkung kam etwas Feuer ins Gespräch.
Von Michael AlthenIm vergangenen Jahr war es der American Academy gelungen, den notorisch öffentlichkeitsscheuen Terrence Malick an den Wannsee zu bringen, diesmal schaffte man es, den notorisch auskunftsunwilligen Robert de Niro zu einem Gespräch mit Volker Schlöndorff zu bewegen, der dort dem Board of Trustees angehört.
An De Niro ist schon mancher gescheitert, und die wenigen, die ein Gespräch mit ihm zustande gebracht haben, mussten erleben, dass sich der Mann umso mehr zu verflüchtigen scheint, je näher man ihm mit Fragen rücken möchte. Und der Eindruck, dass es weniger daran liegt, dass der Schauspieler keine Geheimnisse preisgeben möchte, als daran, dass er womöglich gar keine hat, schien sich auch beim Gespräch mit Schlöndorff vor verschneiter Wannsee-Kulisse zu bestätigen.
„Ich ergreife nicht gern Position“
Schlöndorff gab zwar zu, dass ihm die Beine etwas schlottern, aber er ist ein Mann, der selbst gerne redet, und womöglich war es auch seine einzige Rettung, denn ein typischer Wortwechsel mit De Niro, der diesmal als Regisseur des Wettbewerbbeitrags „Der gute Hirte“ auf der Berlinale ist, geht ungefähr so: „Wie haben Sie es geschafft, Eddie Redmayne zu so einer intensiven Darstellung zu bringen?“
Antwort: „Er ist eben ein sehr intensiver Schauspieler - deshalb habe ich ihn besetzt.“ Oder: „Spielt Ihr Film über die CIA auf die aktuelle politische Situation an?“ Antwort: „Der Film ist, was er ist.“ Und vielleicht ist das, was De Niro daran anhängte, weil es ihm offenbar manchmal selbst unangenehm ist, die Leute so im Regen stehen zu lassen, dann doch sein ganzes Geheimnis: „Ich ergreife nicht gern Position, weder für noch gegen etwas. Das Leben ist kompliziert genug.“
Filme wie Sex: Man sieht nie, wie es andere tun
Könnte ja sein, dass er genau deswegen Schauspieler ist, weil es ihn zwingt, etwas zum Ausdruck zu bringen, was sich ihm sonst im Dickicht des Lebens entzieht. Schlöndorff zitierte den schönen Spruch, wonach für Regisseure fürs Filmemachen dasselbe wie für Sex gelte - nie sehe man, wie es andere tun -, und natürlich konnte ihm De Niro da auch nicht weiterhelfen, weil er den Eindruck vermittelte, er wisse eigentlich kaum, wie er es selber tut.
Als Geleitschutz hatte er immerhin seinen Hauptdarsteller Matt Damon mitgebracht, der bald aus dem Publikum geholt werden musste, um das Gespräch ein wenig zu befeuern, und der zu dem Thema immerhin eine Anekdote beisteuern konnte. Für eine Szene mit Joe Pesci hatte ihm De Niro gesagt, er solle sich vorstellen, er habe es mit einer menschlichen Kakerlake zu tun.
De Niro allein und fast unerkannt am Bahnhof
Und als er später Pesci traf, erzählte der, De Niro habe ihm zur Vorbereitung gesagt, er müsse sich vorstellen, einem Stück Scheiße gegenüberzusitzen. Das sind zumindest klare Ansagen - das Leben ist auch so schon kompliziert genug.
Im Publikum saßen auch Martina Gedeck, die in „Der gute Hirte“ eine kleine, aber hübsche Rolle hat, und etwas weiter hinten Bruno Ganz, der in dem Zusammenhang keine Rolle spielte, sondern einfach nur als Zuhörer da war. Hinterher stand Ganz, der ja kein geringerer Künstler als De Niro ist, dann am Bahnhof Wannsee und wartete in der Kälte auf die S-Bahn, allein und unter seiner Ringelmütze fast unerkannt. Und da drängte sich der Gedanke auf, dass es als Schauspieler vielleicht auch ein großes Glück ist, am normalen Leben noch teilnehmen zu können. Denn ob De Niro noch in der Subway stehen kann, ist fraglich.