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Ben Gazzara zum Achtzigsten Der Sizilianer aus New York

28.08.2010 ·  Vielleicht hat Ben Gazzara für die ganz große Karriere erst zu viele Rollen abgelehnt und dann zu viele angenommen. Dennoch ist ihm sein Platz in der Filmgeschichte sicher. An diesem Samstag wird der amerikanische Schauspieler mit italienischen Wurzeln achtzig.

Von Verena Lueken
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Er macht nicht viel, wenn die Kamera läuft. Aber wenn er, manchmal etwas verlegen, lacht, scheint sein halber Kopf zu strahlen, wenn er die Augenbrauen hochzieht, kräuseln sich die Stirnfalten bis unter die Kopfhaut, und wenn er tanzt, und sei es nur auf Stelle, wird er zum Sinnbild des Jazz. Er ist ein New Yorker mit Wurzeln in Sizilien und hat sowohl in Amerika als auch in Italien in zahllosen Filmen gespielt.

Wobei man nie den Eindruck hat, er spiele uns etwas vor. Das kommt wahrscheinlich von seinem Training im Actor's Studio, und strenggenommen muss man wohl sagen, er sei ein Method Actor. Sei's drum, es hat ihn groß gemacht.

Warum hat Ben Gazzara in der Masse seiner 129 Filmauftritte eigentlich nicht mehr große Rollen gespielt? Es begann doch mit drei hochgelobten Broadwayrollen, in „End as a Man“, dann in Elia Kazans legendärer Tennessee-Williams-Inszenierung der „Katze auf dem heißen Blechdach“ und in „A Hatful of Rain“ in den fünfziger Jahren so vielversprechend. Und in seinen ersten Filmen schien sich das zu bestätigen, seinem Leinwanddebüt, in dem er die Rolle von „End as a Man“ wiederholte, und vor allem in Otto Premingers „Anatomie eines Mordes“ von 1959, in dem er den Angeklagten spielt, den James Stewart zu verteidigen hat. Doch dann verläpperte sich seine Karriere in den sechziger Jahren, und er wanderte zum Fernsehen ab. Erst in den Siebzigern tauchte er mit aller Wucht wieder auf. Das hatte mit John Cassavetes zu tun, dem Regisseur, dem er, wie er sagt, alles verdankt.

Es hat sich doch gelohnt

Die beiden lernten sich bei den Dreharbeiten zu „If It's Tuesday, This Must Be Belgium“ kennen, einem Film mit riesigem Ensemble, in dem sie beide einen Cameo-Auftritt hatten. Und in den folgenden Jahren drehten sie dann zusammen „Husbands“, „The Killing of a Chinese Booking“ und „Opening Night“. Sie waren nicht wirklich erfolgreich, aber weil der unabhängige amerikanische Film ohne Cassavetes überhaupt nicht zu denken ist, haben beide ihren Platz in der Kinogeschichte längst eingenommen.

Es lohnt sich, nochmal zu schauen, was Gazzara in diesen Filmen macht. Es ist nicht viel, wie gesagt, aber in seinem puren Ausdruck, dem völlig unmanierierten Spiel und einer großen Melancholie absolut überzeugend. In der „Ermordung eines chinesischen Buchmachers“ erzählt Gazzara, wahrscheinlich in einer improvisierten Szene, woher er kommt. Er spielt den Besitzer einer Strip-Bar, der seine Spielschulden mit einem Mord bezahlen soll. Irgendwann sitzt er in einer Bar, schon ziemlich betrunken, ihm gegenüber irgendwer, der ebenfalls nachts dort gestrandet ist.

„Wo kommst du denn her“, fragt er den, und bekommt zur Antwort, „aus New York. Du doch auch. Aus der besten aller Städte, aus der besten aller Straßen. Mott Street.“ Gazzara erwidert:, „Ich komme aus Uptown, 29. Straße, zwischen erster und zweiter Avenue“, und tatsächlich ist er dort als Sohn sizilianischer Einwanderer aufgewachsen, nicht in Armut, aber in bescheidenen Verhältnissen. „Ha“, sagt der Mann in der Bar, „wo die reichen Leute wohnen.“ Und Gazzara sagt: „Nein, aber wir hatten den Fluss.“ Und dann macht er eine Armbewegung, als würde er schwimmen, was sich selbst damals im East River nicht empfahl. Aber in dieser Bewegung über einen Kneipentisch hinweg liegt so viel Heimweh, nach New York und nach der Kindheit, dass man denkt, wahrscheinlich war es ihm egal und er ist trotzdem da geschwommen.

Möglicherweise hat Gazzara für die ganz große Karriere erst zu viele Rollen abgelehnt und dann zu viele angenommen. Aber wenn man alles zusammennimmt, hat es sich doch gelohnt. Er spielte Saint Jack für Peter Bogdanovich, Charles Bukowski für Marco Ferreri, (in „Tales of Ordinary Madness“), er drehte mit David Mamet dessen vielleicht besten Film, „The Spanish Prisoner“, spielte in „The Big Lebowski“ der Brüder Coen, war in „Summer of Sam“ von Spike Lee und auch in „Dogville“ von Lars von Trier dabei. An diesem Samstag wird er achtzig.

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