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Joss Whedons „Viel Lärm um nichts“ Beim Sonnenlicht, sie ist schön!

Vom 3D-Riesenerfolg mit den „Avengers“ zur flinken und schlauen Shakespeare-Verfilmung: Joss Whedons Version von „Viel Lärm um nichts“ lässt die Vorlage leuchten.

© Edel Motion „Böse Reden sind böse Luft, und böse Luft ist nur böser Atem!“ Beatrice (Amy Acker, rechts) lauscht Geheimnissen, bevor sie seitwärts in die Liebe springt.

Shakespeare kriegt man nicht umsonst. Er bleibt die größte Belohnung, die Regie und Schauspielerei sich verdienen können. Joss Whedon, einer der Drehbuchautoren und Regisseure, die dem Fernsehen in den letzten Jahren seinen neuen guten Ruf verschafft haben, hat sich mit der Verfilmung von „Much Ado About Nothing“ vor allem selbst belohnt – dafür, dass er 2012 mit „Marvel’s Avengers“ den Sprung vom Flachbildschirm auf die Leinwand, bei dem sich selbst die Besten oft den Hals brechen, mit großem kommerziellem und achtbarem kritischem Erfolg geschafft hat, ohne seinen starken erzählerischen Herzschlag abzudämpfen oder etwas von seinem komplexen Witz preiszugeben.

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„Viel Lärm um nichts“ ist allerdings mehr als die Selbstbelohnung eines Vielseitigen. Whedon dankt damit auch seinem Hauptdarstellerpaar eine Wohltat, die es ihm erwiesen hat: Amy Acker, seine Beatrice, und Alexis Denisof, sein Benedict, sind für ihn in der Fernsehserie „Angel“ vor zehn Jahren gemeinsam durch die Hölle einer schauspielerisch grausam fordernden und wunderschönen Sterbeszene gegangen, bei der zwei stammelnde Liebende in ihrer letzten Nacht einander und die Welt verlieren.

Whedon hat diese Szene damals nicht nur inszeniert, sondern auch geschrieben – als tiefe Verbeugung vor Shakespeares Tragödientonfall. Ihn aber hat er nicht ins Kino bringen wollen. Die Komödienaufgabe reizte ihn mehr. Dass Whedon mit seinen Fernseh-Ensembles schon in den späten Neunzigern regelmäßig szenische Shakespearelesungen veranstaltet hat, ist bekannt – er wollte sie daran gewöhnen, das ganze Spektrum vom Erschütternden zum Albernen parat zu haben; Temperaturwechsel zwischen diesen beiden Extremwerten gehören ja zu seinen erwiesenen Vorlieben.

Kinostart - "Viel Lärm um nichts" © dpa Vergrößern Verwicklung lässt sie reifen: Amy Acker als Beatrice und Alexis Denisof als Benedikt

Whedons Schauspielerführung ist selbst bei phantastischen Stoffen entschieden naturalistisch (im Gegensatz zu seinen Kamera-Gesten, die ebenso dezidiert antinaturalistisch sind). Auch deshalb lag eine Komödie nahe. Denn Shakespeares Tragödien sind schon als Texte, was bei Whedon nur der Blick sein darf – magisch, gnostisch, kosmisch, und die Menschen darin sind für naturalistisches Spiel allzu konsequent idealisiert. Die Liebe in „Romeo und Julia“ zum Beispiel liegt zwar im Kampf mit dem All, bleibt dabei selbst jedoch rein; die Liebe in „Viel Lärm um Nichts“ dagegen ist widersprüchlich, unordentlich, von Verschrobenheiten und Lastern gekreuzt wie das Leben.

Erzählt wird in dieser Komödie von zwei Paaren, einem unschuldigen, das heiraten soll, aber eine fürchterliche Intrige erleidet, und einem heiklen, das aus zwei Leuten besteht, die für die Liebe eigentlich zu stolz, zu intelligent und zu verkorkst sind, was die Flammen aber selbstverständlich nur umso höher schlagen lässt. Mehr muss man denen, die das Stück kennen, nicht in Erinnerung rufen, und mehr werden die, denen es nicht vertraut ist, kaum brauchen, um sich von Whedons Version abwechselnd verwirren und erleuchten zu lassen.

Seine Eingriffe ins Werk sind angemessen behutsam: Ein kleiner Geschlechterwechsel am Bühnenrand ergibt so zwanglos Sinn, als hätte Shakespeare selbst ihn vorgesehen; etwas Vorgeschichte wird aus dem Text extrapoliert; und die Gegenwartskostüme behaupten nicht mehr, als dass der Text aktuell bleibt, weil er zeitlos ist.

Kinostart - "Viel Lärm um nichts" © dpa Vergrößern Botschaften vom Regisseurs-Balkon: Fran Kranz als Claudio und Jillian Morgese als Hero

Als Kulisse dient Whedons eigenes Haus; eine Freundlichkeit gegenüber den schwerfälligeren Teilen der Öffentlichkeit, die dem Stück nicht zu folgen vermögen und auf diese Weise immerhin das Interieur bewundern können. Einige Partybilder erklären den Unterschied zwischen Film und Bühne etwas zu explizit: Ach so, schöne Bilder von schönen Menschen, verstehe!

Ansonsten aber waltet inszenatorisch dezente Kraft, die dem Drama sein hohes Recht lässt. Die Entscheidung fürs Schwarzweiße zum Beispiel hat mit Snobismus nichts zu tun; sie reiht das Stück einfach in den großen Kanon der Hollywood-Screwball-Comedy der dreißiger Jahre ein, an die sich die unterrichtete amerikanische Kritik angenehm erinnert fühlte: Hier wird rasch und raffiniert geredet, was der Figurentiefe keinen Abbruch tut.

In diesem schnellen Spiel gelangt so ein weiterer Unterschied zwischen dem Tragischen und dem Komischen bei Shakespeare zur Geltung: Lears oder Macbeths Leiden sind ihrer Dämonie kommensurabel; der arme Leonato aber, der in „Viel Lärm um nichts“ den Verlust seiner Familienehre wie seines Kindes zu erleben meint, ist einfach irgendein Vater, und deshalb ist sein Leid kein überlebensgroßes Spektakel, sondern eine gewaltige Nachricht vom Menschlichen – der großartige Clark Gregg nimmt damit für ein paar Minuten den ganzen Film in Besitz. Überhaupt, diese Nebenrollen: Kann das wirklich wahr sein, dass Nathan Fillion, dessen wackerer Idiot Dogberry (zu Deutsch: Holzapfel) eine komische Glanzleistung ist, noch nie eine Shakespeare-Figur gespielt hat, wie er behauptet?

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Von solchen Leuten flankiert, muss das zentrale Paar sich redlich Mühe geben – und tut’s und kann sich behaupten. Man nimmt Alexis Denisof die charakterliche Reifung im Verwicklungswahnsinn ab, und Amy Acker arbeitet sich aus dem sarkastischen Stachelbeerencharme ihres ersten Auftritts spätestens bei der „O dass ich ein Mann wäre!“-Rede in geradezu unheimliche Höhen empor (der kurze Textabschnitt ist einer der dichtesten protofeministischen Monologe der Weltdramatik; die Ironie, mit der sich Schauspielerinnen sonst manchmal für die Stelle entschuldigen, verschmäht Acker souverän).

Es war riskant; es ist geglückt – Acker, Denisof, Fillion, Gregg, Fran Kranz (ein rührender Claudio), Jillian Morgese (eine liebenswerte Hero), der Rest des Ensembles und Joss Whedon haben ihre Talente für diesen Film so scharf geschliffen und blank geputzt, dass man ungestört hindurchsehen kann auf das Allerwichtigste, das lebendig Allumfassende: Shakespeare.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.07.2014, 15:13 Uhr

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