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Begegnung mit Christoph Waltz : Ein Glücksfall, kein Verdienst

Sein internationaler Durchbruch kam spät, jetzt gehört er zum Hollywood-Inventar: Christoph Waltz Bild: AFP

Begeisterung statt Botox: Christoph Waltz ist entspannt, hat Zeit und wirkt auch sonst ganz anders als die meisten internationalen Stars. Fünf Jahre nach seinem Erfolg mit „Inglourious Basterds“ spricht er über sein neues Leben.

          Internationale Filmstars, Oscar-Preisträger, Männer, von denen man spricht, haben meistens keine Zeit. Sie haben Agenten, die auf Gesprächsanfragen sagen, „hhm, schwierig, eine halbe Stunde max.“, und PR-Assistenten, die nach zwanzig Minuten abwinken und rufen: „raus“. Als wir uns vor einigen Jahren das erste Mal trafen, in einer vom Verleih gemieteten Suite in einem vermufften Berliner Luxushotel, rief eine solche Assistentin freundlicherweise vorher noch: „Letzte Frage!“ Und Christoph Waltz schaute mich erwartungsvoll an und meinte gelassen: „Jetzt bin ich gespannt.“

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die letzte Frage damals, es war kurz vor dem Deutschlandstart von „Inglourious Basterds“, war nicht besonders einfallsreich. Sie betraf seine Zukunftspläne, und Waltz war enttäuscht. Er mag kniffligere Fragen, solche, über die er nachdenken muss, auf die er die Antwort noch nicht viele Male gegeben hat.

          „Staurday Night Live“, Oper, Prada

          Es ist jetzt genau fünf Jahre her, dass Waltz für seine Darstellung der unauslotbaren Rolle des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ beim Filmfestival in Cannes den Darstellerpreis gewonnen hat. Dass sich mit diesem Film seine Karriere und auch sein Leben grundsätzlich verändern würden, war vorhersehbar. Bessere Rollen als diese würden vermutlich nicht so schnell, vielleicht überhaupt nicht mehr vorbeikommen. Aber bessere, als sie ihm das deutsche Fernsehen geboten hatte, in den Jahrzehnten, bevor Tarantino ihn engagierte, das wohl doch. Waltz selbst meinte damals, was zukünftige Rollen anginge, „wird es automatisch zurückfallen müssen“. Und ergänzte, er müsse bei den nächsten dann halt „im Detail noch genauer gucken“.

          Wie grundsätzlich sich sein Leben verändern würde, das wurde erst im Lauf jenes Jahres 2009 klar, als Tarantinos Film und mit ihm Christoph Waltz einen Preis nach dem anderen absahnten und der Film, wo auch immer er startete, heftigen Wirbel machte, bis schließlich die Oscars kamen, und Waltz gewann.

          Fünf Jahre später. Waltz hat sich in ein vollkommen anderes Leben eingefädelt. Er lebt jetzt in Los Angeles. Er hat seit 2009 zehn Filme gedreht, er hat mit einigen der bemerkenswertesten Regisseure des internationalen Kinos gearbeitet, mit Roman Polanski, Tim Burton, Terry Gilliam. Er hat zu dem ersten Oscar für Hans Landa noch einen zweiten gewonnen, diesmal für die Rolle des deutschen Kopfgeldjägers Dr. King Schultz in einem weiteren Film von Quentin Tarantino, „Django Unchained“, und ebenfalls im Fach des Nebendarstellers. Wobei zu sagen ist, das englische actor in a supporting role trifft die Bedeutung dieser Parts deutlich besser als das zweitrangige deutsche Wort Nebendarsteller. Er war in den Jurys der Internationalen Filmfestspiele von Cannes (im vergangenen Jahr) und von Berlin (in diesem). Er hat den „Rosenkavalier“ an der Oper in Antwerpen inszeniert. Die Comedy-Show „Saturday Night Live“ hat ihm für eine Sendung die Moderation übertragen, eine Premiere für einen Deutschsprachigen. Er modelt für Prada.

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