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Bastian Pastewka : Die Rolle seines Lebens

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Familienoberhaupt: Pastewka und die Seinen Bild: Sat.1/Marcus Müller

Es hat lange keine so gelungene deutsche Comedyserie gegeben: In „Pastewka“ spielt der Komiker Bastian Pastewka sich selbst - als ängstlichen Neurotiker, dessen faule Kompromisse in Katastrophen münden.

          Man hat es ja nicht leicht, als Komiker. Neulich in der Bank sagt die wildfremde Beraterin als erstes zu ihm: „Guten Tag, Herr Pastewka, Mensch, Sie sehen aber heute Scheiße aus.“ Andererseits kommt das nette Paar, das sich im Cafe endlich ein Herz faßt und ihn anspricht und um ein Autogramm bittet, aus dem Entschuldigen nicht heraus. „Das muß ja furchtbar für Sie sein, dauernd“, sagt die Frau, während Bastian Pastewka routiniert die vorbereiteten Karten und einen passenden Filzstift aus der Tasche kramt.

          Offenbar hat das Publikum genau die richtige Grundannahme für eine Serie, die das Leben eines Komikers jenseits der Preisverleihungen und Talkshow-Auftritte zeigt, mit den Zumutungen, die der ganz normale Alltag für uns alle bedeutet, verschärft um die Komponente, daß die Menschen einen erkennen und für reich, prominent, witzig oder, schlimmer, für Ingolf Lück halten. Bastian Pastewka spielt einen Mann namens „Bastian Pastewka“, bei dem es sich um einen Komiker handelt, der früher in der „Wochenshow“ mit der Figur Brisko Schneider Furore gemacht hat und eine beunruhigende Liebe zu den achtziger Jahren und dem Fernsehen entwickelt hat.

          Noch-nicht-Sitcom und Nicht-mehr-Doku

          Eigentlich müßte er dementieren. Müßte die Frage, wieviel dieser „Pastewka“, den Pastewka in seiner neuen Serie „Pastewka“ spielt, mit dem echten Pastewka zu tun hat, als Ausdruck großer Naivität und amateurhafter Verwechslung von Fiktion und Realität abtun. Müßte erklären, daß das natürlich eine Rolle ist wie Brisko Schneider. Aber er dementiert nicht. Er sagt: „Die Reihe liegt zwischen Noch-nicht-Sitcom und Nicht-mehr-Doku.“

          Und so fährt der Serien-Pastewka mit seiner griesgrämigen pickeligen dreizehnjährigen Nichte Kim (grandios: Christina do Rego) im Auto und hat die fatale Idee, sie mit einem Ratespiel „Welche Fernsehmusik aus den achtziger Jahren ist das?“ aufmuntern zu wollen, ergänzt durch einen nicht enden wollenden Strom von Das-weiß-sonst-keiner-Anekdoten und Die-hat-außer-mir-keiner-Prahlereien. Als er seiner (realen) Freundin eine Folge gezeigt hatte, hoffte Pastewka, daß sie so etwas sagt wie: „Ja, lustig, aber ganz so trottelig und asozial bist du ja in Wahrheit nicht.“ Statt dessen lobte sie, wie gut die Serie ihn und seine Marotten getroffen habe. Na bravo.

          Im Grunde kein schlechter Mensch

          Anders als „Anke - die Serie“, die mit Anke Engelke als an sich zweifelnder Talkmasterin schon einmal einen ähnlichen Spagat zwischen Realität und Fiktion versucht hat, sind die Geschichten in „Pastewka“ nicht in erster Linie Medien-, sondern Alltagsgeschichten. „Pastewka“ hat eine ihm überlegene Freundin, einen anstrengenden Halbbruder, eine ihn hassende Nichte, eine nervige Nachbarin, viele Kollegen, die ihn - jenseits der öffentlichen Bussis - eigentlich unausstehlich finden (ganz wie er sie), und reichlich Menschen, die ihn aus dem Fernsehen kennen und für witzig halten. Er ist im Grunde kein schlechter Mensch, aber stärker als jedes soziale Gefühl ist im Zweifel die Sehnsucht, von all dem verschont zu bleiben, was das Leben anstrengend macht. „Läuft!“ ruft er den Leuten zu, was die als Versprechen mißverstehen, eigentlich aber nur eine Art ist, seine Ruhe zu bekommen. Aber weil das Leben auf seine Art gerecht ist, holen ihn all seine faulen Kompromisse und kleinen Notlügen als stattliche Katastrophen wieder ein.

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