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Ablehnung der Berliner Kinos : Arme Ritter

Mike und Alfred am Stehtisch der Burg: Szene aus „Weiße Ritter“ Bild: Westendfilme

Ihre Filme sind so etwas wie eine deutsche Antwort auf Jacques Tati. Warum finden Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler ausgerechnet in Berlin kein Kino für „Weiße Ritter“?

          Wer in kulturkommerziellen Geschäften während der Buchmessenwoche nach Frankfurt ohne Buch unter dem Arm kommt, der hat wenig Aussichten auf Erfolg. Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler hatten zwar gleich zwei höchst erfreuliche Angebote im Gepäck, aber es waren keine Bücher, sondern ihr seit zehn Tagen durch die deutschen Kinos tourender Spielfilm „Weiße Ritter“ und der schon sechs Jahre alte Kurzfilm „Wellenreiter“ - beides Bestandteile der seit 1997 entstehenden Westend-Reihe, mit der die beiden der „Kölner Gruppe“ angehörigen Regisseure und Schauspieler nun schon bei der achten Episode angelangt sind.

          Die Zahl der Zuschauer im Frankfurter Kinosaal bei diesem prominenten Besuch war auch nicht viel größer als acht - Buchmessenwoche eben. Alle, die zur gleichen Zeit anderswo feierten und schlemmten, verpassten ein Traumduo des einheimischen unabhängigen Films, das mit seinen schwarzweißen urkomisch-ironischen Arbeiten, in deren Mittelpunkt seit bald zwanzig Jahren die Regisseure in den Hauptrollen der beiden arbeitslosen Simpel Mike und Alfred stehen, etwas leistet, was man kaum für möglich halten sollte: eine deutsche Antwort auf Jacques Tati, die ihren Humor vor allem aus den Dialogen gewinnt.

          Mischkowski und Steinkühler reisen derzeit damit durchs Land; zwei Tage vor der Frankfurter Präsentation waren sie in München, dazwischen in Dresden, weitergehen würde es in Aachen, Düsseldorf und Hürth. Welcher Ort fehlt in dieser Perlenkette noch? „Wir hätten unseren Film gern in Berlin gezeigt.“ Nicht also etwa auf der Berlinale, nein, in irgendeinem beliebigen Programmkino, von denen es dort immerhin an die hundert gibt, mehr jedenfalls als in Hürth. In allein neun davon läuft immer noch „Toni Erdmann“, in acht „Swiss Army Man“, in sechs „Captain Fantastic“ und in einem „Kommen Rührgeräte in den Himmel?“. „Weiße Ritter“ ist komischer als sie alle, aber die Berliner Kinos haben keinen Platz für diesen Film. Und so ziehen die armen Ritter Mischkowski und Steinkühler weiter auf Queste durch die Provinz und träumen von der Hauptstadt. Wehe, wenn ihre beiden Helden Mike und Alfred einmal darauf losgelassen werden.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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