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Ann Coulter : Sie teilt aus wie Michael Moore, nur viel schöner

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„Die Paris Hilton der postmodernen Politik”: Ann Coulter Bild: AP

Sie will Nordkorea mit Atombomben angreifen, islamistische Terroristen zu Christen machen, liebt kurze Röcke und große Autos: Die Politkommentatorin Ann Coulter ist der Medienstar der amerikanischen Rechten.

          Wie kommt man in die Medien und nicht darin um? Macht Tamtam und generiert Aufmerksamkeit noch und nöcher? Ann Coulter weiß, wie es geht, zumindest in den Vereinigten Staaten: „Ich finde, wir sollten Nordkorea sofort mit Atomwaffen angreifen, um dem Rest der Welt eine Warnung zu verpassen. Bumm!“ sagte sie in einem Interview mit dem „New York Observer“ Anfang dieses Jahres. Da johlt der konservative politische Stammtisch, die Liberalen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, und das Magazin „Time“ - hebt Miss Coulter auf den Titel.

          Denn weder Rush Limbaugh noch Howard Stern vermögen Amerikas Gemüter derart zu erhitzen wie die Wiedergängerin Michael Moores auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Die dreiundvierzig Jahre alte Juristin und Politkommentatorin hat an der Cornell-Universität studiert und vier Bestseller geschrieben, ist für ihren scharfen Humor gefürchtet, und ihre Modelfigur samt blonder Mähne gereichen ihr auch nicht zum Nachteil. Die Zeitschrift „Vanity Fair“ hat sie zur „Paris Hilton der postmodernen Politik“ gekürt. Mit ihrer schlagzeilenträchtigen Dirty-Harry-Rhetorik ist sie zum Star einer politischen Subkultur geworden, die aggressiv Emotionen schürt und eine explosive Vermischung von Politik, Religion und Unterhaltung betreibt.

          Wir sollten sie zum Christentum konvertieren

          Am 13. September 2001, zwei Tage nach den Terrorangriffen auf New York und Washington, schrieb Ann Coulter: „Wir wissen, wer die selbstmörderischen Wahnsinnigen sind. Es sind die, die jetzt tanzen und jubeln. Wir sollten in ihre Länder einmarschieren, ihre Führer umbringen und sie zum Christentum konvertieren.“ Zwar wiesen ihre Unterstützer damals darauf hin, daß Ann Coulter der Tod einer Freundin bei den Terrorangriffen tief verletzt habe. Doch sind die Polemiken, mit denen Ann Coulter zum Popstar der amerikanischen Rechten wurde, durchaus kalkuliert, die Tabus der politischen Rhetorik, die Minenfelder der Diplomatie sprengt sie mit dem denkbar größten Knall in die Luft.

          Skandalfigur im kleinen Schwarzen

          Sie tritt gern im schwarzen Minirock auf und gibt Dinge von sich wie: „Die Behauptung, daß (der Prophet) Mohammed ein von Dämonen besessener Kinderschänder war, ist keine Attacke. Sie ist ein Fakt.“ Oder, in der Talkshow „Hannity und Colmes“: „Die Ethik des Naturschutzes leugnet die Herrschaft des Menschen über die Erde. Die niederen Arten sind hier zu unserem Gebrauch. Gott sagt es selbst: Geht, seid fruchtbar und mehret euch, vergewaltigt den Planeten - er ist euer. Große Autos mit hohem Benzinverbrauch - das ist die biblische Vision.“ Oder, gegenüber dem „Independent“: „Als wir den Kommunismus bekämpften, okay, da gab es Massenmörder und GULags, aber es waren weiße Männer, und sie waren zurechnungsfähig. Jetzt haben wir es mit vollkommen wahnsinnigen Wilden zu tun.“

          Feministinnen sind „erbärmlich“

          Auch mit ihrem eigenen Geschlecht geht Ann Coulter nicht zimperlich um. Feministinnen bezeichnete sie als „schwach und erbärmlich“, überhaupt sollten Frauen ihrer Meinung nach nicht wählen dürfen, weil sie „kein Verständnis dafür haben, wie man Geld verdient. Aber sie wissen, wie man es ausgibt . . . Da heißt es immer: Mehr Geld für Bildung, für Erziehung, für Kindergärten.“ Solche sachdienlichen Hinweise zur gesellschaftspolitischen Debatte aus dem Mund einer kinderlosen Tochter aus reichem Haus rufen Gegner selbstverständlich zuhauf auf den Plan, die Unterstützer preisen Ann Coulter derweil wegen ihrer entwaffnenden Sprache und Furchtlosigkeit, endlich mal jemand, der Tacheles redet, der einer vielkritisierten politischen Kultur des Taktierens, der Relativierungen, der political correctness den Mittelfinger entgegenstreckt.

          Ann Coulter ist jedoch nicht in einer Wohnwagensiedlung aufgewachsen, und sie muß auch nicht einer existenziellen Wut über Demütigung und Benachteiligung Luft machen. Sie stammt aus einem gottesfürchtigen konservativen Elternhaus in New Canaan, Connecticut. Ihr Vater machte sich als Anwalt einen Namen, der gegen die Gewerkschaften kämpfte, ihre Mutter saß im Stadtausschuß. Dieser persönliche Hintergrund wie ihre Auftritte verunsichern viele Beobachter im Fall der Ann Coulter: Meint sie es wirklich ernst? Oder spielt sie nur eine politische Satire, wie es der Talk-Zyniker Jon Stewart tut? „Das meiste von dem, was ich sage, sage ich, um mich selbst oder meine Freunde zu amüsieren“, gestand sie dem Autor der „Time“-Titelstory John Cloud und warf damit nur noch mehr Fragen auf.

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