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Neuer „Timm Thaler“-Film : Wer zuletzt lacht, hat sich’s nicht abkaufen lassen

Bild: Constantin Film

Andreas Dresens Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers von James Krüss bietet mehr als Nostalgie. Die Brisanz des verkauften Lachens ist geblieben.

          Um ein Haar, so schreibt der Kinderbuchautor James Krüss im Nachwort seines Romans, hätte die Geschichte des Jungen Timm Thaler, der sein bezauberndes Lachen an einen zwielichtigen Baron verkauft, nie das Licht der Welt erblickt. Nachdem sie ihm nämlich sein alter Freund Timm erzählt und er selbst sie aufgeschrieben hatte, begegnete ihm im Zug ein Herr, unverkennbar ein Alter Ego des Barons, der ihm viel Geld dafür bot, die Geschichte nicht aufzuschreiben.

          Gemacht! Lefuet (Justus von Dohnányi) versucht Timm (Arved Friese).
          Gemacht! Lefuet (Justus von Dohnányi) versucht Timm (Arved Friese). : Bild: Constantin Film

          Warum dieser Rahmen um den Roman? Krüss hatte es nicht nötig, den Wert seiner Geschichte künstlich dadurch zu steigern, indem er darauf hinwies, wie brisant sie sei. Tatsächlich geht es ihm wohl um etwas anderes: Indem eine Romanfigur dem Erzähler begegnet, wird erstens die Wahrhaftigkeit des Geschilderten beglaubigt. Vor allem aber macht er deutlich, dass das, wofür der Baron steht, eben nicht nur Timms Integrität bedroht. Sondern jeden anderen auch, vor allem, wenn er als Künstler über eine Gesellschaft schreibt, in der alles käuflich ist, sogar das Lachen.

          Der Roman „Timm Thaler“ erschien 1962, die gleichnamige Fernsehserie mit Thomas Ohrner wurde 1979 ausgestahlt. Nun hat Andreas Dresen eine Neuverfilmung vorgelegt, die sich inhaltlich nicht allzu weit von der Vorlage entfernt und dankbar aufgreift, was sich dazu eignet, nostalgisches Dekor mit der Kapitalismuskritik des Romans zu verbinden.

          Manöver der Filmfigur sind allzu offensichtlich

          Das heißt zunächst, dass der Glanz von Grandhotel und Pferderennbahn mit den Bildern der Armut geschnitten wird, aus der Timm Thaler kommt. Zugleich zitiert der Film die offen zur Schau gestellte Gier der Neunziger, wenn der unheimliche Baron eine rauschende Börsenparty feiert, er verleiht der Konzernzentrale des Ultrabösen faschistoide Züge und dem Baron angemessen dämonische. Vor allem aber betont er, deutlicher noch als Krüss, dass es eben nicht damit getan ist, wenn jener Lefuet, gespielt von Justus von Dohnányi, dem Jungen sein Lachen abschwatzt. Was bei Timm jungenhaft und niedlich ist, wirkt bei Lefuet sadistisch und gemein.

          Das ist kein Zufall, weil Dresens Lefuet der Romanfigur nicht das Wasser reichen kann, was Intelligenz und Tücke angeht: Er protzt mit allem, was er hat, er lacht am lautesten aus Schadenfreude, und wo Krüss’ Lefuet Timms Lachen still und effektiv als Teil einer Charme-Offensive unter Geschäftspartnern einsetzte, sind die Manöver der Filmfigur allzu offensichtlich. Ihr Sadismus steckt an - auch Timm, gespielt von Arved Friese, ist dagegen nicht immun. Man kennt solche Gestalten, man durchschaut sie, und indem Dresens Film gerade diese Dimension so betont, erzählt er davon, was unsere Zeit von der Entstehungszeit des Romans unterscheidet. Besonders listig müssen sich Lefuets Gegenspieler nun nicht mehr anstellen, um dem Teufel das Lachen zu entreißen oder die hübschen Augen, die er einem kleinen Mädchen abgeschwatzt hat. Am Ende sitzt er dekorativ vernichtet auf einer Wiese. Ein frommer Wunsch, sicher. Aber es fällt nicht schwer, ihn zu teilen.

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