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Alida Valli : Die Frau am Horizont

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Mit zwei endlosen Minuten ist Alida Valli in die Filmgeschichte eingegangen, weil sie die Sehnsucht des Publikums nach einem glücklichen Ende wie kaum eine andere mißachtet hat. Am Sonntag ist sie 84jährig in Rom gestorben.

          Zwei Minuten dauerte ihre größte Szene, zwei endlose Minuten, mit denen Alida Valli in die Filmgeschichte eingegangen ist, weil sie darin die unstillbare Sehnsucht des Publikums nach einem glücklichen Ende wie kaum eine andere mißachtet hat. Es ist der Schluß von „Der dritte Mann“, Harry Lime ist nun wirklich unter die Erde gebracht, Alida Valli war seine Geliebte, Joseph Cotten sein Freund, beide wissen, daß Lime ein Verbrecher war, aber Cotten verrät ihn, während Valli sagt: „Ich liebe ihn nicht mehr, aber er ist ein Teil von mir für immer.“

          Cotten macht sich trotzdem Hoffnungen, und dann steht er am Ausgang des Friedhofs und wartet auf sie. Erst ist sie nur ein Punkt am Horizont, der langsam näher kommt, und während alle erwarten, daß sie einen Schritt auf ihn zumacht oder irgendwas passiert, geht sie einfach an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. So bleibt ihm nichts, als sich eine Zigarette anzustecken, während Alida Valli für immer ins Herz der Filmgeschichte eingegangen ist.

          In Hollywood wurde sie nicht glücklich

          Eigentlich hieß sie Alida Maria Laura Altenburger von Marckenstein und Frauenberg, geboren im istrischen Pula, aber damit macht man keine Karriere. Als David O.Selznick sie für Hitchcocks „Fall Paradin“ nach Hollywood holte, nannte er sie einfach nur „Valli“. In den Vierzigern war sie in Italien bereits ein Star, auch als Sängerin des Liedes „Ma l'amore no“. In Hollywood wurde sie erwartungsgemäß nicht glücklich, ihre Ehe mit dem Jazzmusiker und Maler Oscar de Mejo scheiterte, und sie ging mit ihren beiden Kindern zurück nach Rom. Sie drehte mit Visconti „Senso“, mit Antonioni „Der Schrei“ und geriet in einen Skandal des römischen Dolce vita, der ihre Karriere ruinierte.

          Sie hatte dem Musiker Piero Piccioni, Sohn des Außenministers, ein Alibi verschafft, als er im Mordfall des Partygirls Wilma Montesi Hauptverdächtiger war. Der Minister mußte zurücktreten, und Alida Valli von vorne anfangen. Sie spielte Theater, arbeitete in Frankreich, in Franjus „Augen ohne Gesicht“, und Marguerite Duras schrieb für sie „Noch nach Jahr und Tag“. Sie ging nach Mexiko, kehrte zurück, spielte für Pasolini „Edipo Re“, für Bertolucci „Strategie der Spinne“ und „La luna“ und für Argento „Suspiria“. Ihre hellen Katzenaugen, der kühn geschnittene Mund und der tiefe, geradezu unheilvolle Ernst ihres Ausdrucks ließen sie im Alter immer noch aufregender aussehen. Am Sonntag ist sie im Alter von 84 Jahren in Rom gestorben.

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