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Al Dschazira Die Besten von CNN

15.05.2006 ·  Jede Woche gibt Al Dschazira die Verpflichtung weiterer prominenter Journalisten bekannt, die für das englischsprachige Programm aus aller Welt berichten sollen. Den arabischen Journalistennachwuchs schult derweil ein eigenes Ausbildungszentrum.

Von Rainer Hermann, Doha
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In weniger als zehn Jahren ist Al Dschazira zu einem der bekanntesten Markennamen der Medienwelt aufgestiegen, und schon vor seinem zehnten Geburtstag hat sich der Nachrichtensender aus Qatar zu einem „Netzwerk“ weiterentwickelt. In dessen Mittelpunkt steht der arabische Sender, voraussichtlich von Juni an wird er vom englischsprachigen „Al Dschazira International“ ergänzt. Hinzu kommen ein live übertragender Kanal, der aus aller Welt wichtige Konferenzen, Reden und Pressekonferenzen zeigt, sowie ein Kindersender, drei Sportkanäle und ein Dokumentarsender.

All diese weniger bekannten Sender sind in den vergangenen Jahren entstanden. Im Frühjahr wurden sie zu einem Unternehmen gebündelt. Zum Generaldirektor des „Netzwerks Al Dschazira“ berief die Herrscherfamilie Qatars den Intendanten des arabischen Nachrichtenkanals, Waddah Khanfar. Der kommt mit einem Budget von hundertfünfzig Millionen Dollar im Jahr aus. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber dem Start 1996. Seither hat sich die Zahl der Beschäftigten des Senders von 500 auf 1200 erhöht. Der sei schon so weit institutionalisiert, daß sich personelle Veränderungen nicht auf seine redaktionelle Linie auswirkten, sagt Yusuf al Shouli, einer der leitenden Redakteure von Al Dschazira.

Prominente Journalisten aus aller Welt abgeworben

Tür an Tür zum arabischen Sender wird bald das englischsprachige Al Dschazira auf Sendung gehen. Noch testet man die komplizierte Technik. Und keine Woche vergeht, ohne daß der Sender die Verpflichtung weiterer prominenter Journalisten bekanntgibt. Verpflichtet wurden Sir David Frost und Riz Khan, der bisherige Anchorman von CNN. In Doha werden Jane Dutton von CNBC und David Foster von Sky News die Nachrichten präsentieren, in London Felicity Barr von ITV und Stephen Cole von der BBC, in Kuala Lumpur Veronica Pedrosa von CNN. Dave Marsh wechselt vom amerikanischen Sender ABC zu Al Dschazira und Steve Clark von Sky News.

Zuletzt verpflichtete der Sender die kanadische Fernsehjournalistin Kimberly Halkett als Nachrichtensprecherin für das Studio in Washington und für das Studio in London vom britischen Sender Channel Five News die italienische Journalistin Barbara Serra. Die Korrespondentenplätze Buenos Aires und Caracas besetzte Al Dschazira im April mit Lucia Newman von CNN und mit Mariana Sanchez vom Sender Panamericana Television.

Ein Trainingszentrum am Rande von Doha

Diese erfahrenen Journalisten werden die am wenigsten bekannte Einrichtung des Netzwerks nicht mehr benötigen. Denn das am Stadtrand von Doha gelegene Trainingszentrum von Al Dschazira richtet sich an jene, die noch Erfahrungen sammeln müssen. Praxisnah bildet es seit drei Jahren Journalisten fort. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sind bei Al Dschazira beschäftigt, die anderen kommen aus allen Regionen der arabischen Welt. Das Trainingszentrum sei in der arabischen Welt einzigartig, sagt sein Direktor Mahmud Abdulhadi stolz. Lediglich das ägyptische Staatsfernsehen hat für seinen Bedarf ebenfalls ein Fortbildungszentrum eingerichtet.

Anders als dieses bietet das von Al Dschazira auch Kurse für gedruckte Medien und das Internet. Die Kurse dauern mindestens eine Woche, höchstens aber sechs Wochen. Wichtig sei die gelebte Praxis, nicht die graue Theorie, doziert Abdulhadi. Daher nehme die Arbeit im Studio siebzig Prozent eines Kurses ein, vor und hinter den Kameras oder am Mikrofon. Die Kurse hat das Zentrum selbst entwickelt, der Stundenplan eines vierwöchigen Kurses addiert sich auf 150 Stunden.

Vielleicht schon im Herbst wird aus dem Zentrum ein Institut. Das werde ganzjährige Kurse anbieten, ebenfalls praxisnah und zusätzlich zum aktuellen Programm des Zentrums, sagt Abdulhadi. An Forschung sei man nicht interessiert, Konkurrenz zum Adham Center für elektronischen Journalismus an der Amerikanischen Universität in Kairo werde man also nicht. Einige der Starjournalisten von Al Dschazira hatten immerhin dort ihr Handwerk gelernt.

Für eine neue Generation gut informierter Bürger

Während das Programm des Adham Center auf zwei Jahre angelegt ist, mit dem M.A. abschließt und nur Fernsehjournalisten anspricht, wird sich das Programm des Instituts von Al Dschazira auf ein Jahr und auf das Sammeln praktischer Erfahrungen beschränken. Im letzten Jahr hatte das Zentrum 1120 Journalisten fortgebildet. 57 Prozent von ihnen kamen vom Fernsehen, bereits vierzehn Prozent von den elektronischen Medien. Daneben entwickelt das Zentrum Kurse auf Anfrage. Bei ihnen wollen sich Institutionen, wie jüngst die Armee Qatars, für den Umgang mit den Medien rüsten.

Abdulhadi spricht stolz von einem „Al-Dschazira-Trend“ in der arabischen Welt. Noch befinde sich diese in einer Übergangsphase. Die Zeit der staatlichen Informationsmonopole sei aber unwiderruflich vorbei, die Menschen seien hungrig auf Satellitenfernsehen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren werde sich in der arabischen Welt viel ändern, sagt der Chefausbilder voraus. Wachsen werde die Meinungsfreiheit, aber auch die Konkurrenz unter den neuen Sendern, so daß nur wenige überleben. Wichtig sei, daß eine neue Generation gutinformierter Bürger heranwachse, die sich nicht länger von staatlicher Propaganda abspeisen lasse. Das ist, was Abdulhadi den „Al-Dschazira-Trend“ nennt.

Quelle: F.A.Z., 15.05.2006, Nr. 112 / Seite 44
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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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