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40 Jahre Hofer Filmtage : Es geht um die Wurst

  • -Aktualisiert am

Brian de Palma 1976 mit Hans Badewitz, dem Gründer der Hofer Filmtage Bild: dpa

Die Hofer Filmtage sind eine Art Klassentreffen des deutschen Films. Fünf Tage im Herbst wird hier der Eindruck erweckt, als gebe es nichts Interessanteres und Lebendigeres als den deutschen Film. Ein Rückblick auf die letzten vierzig Jahre.

          Vierzig Jahre Hof, das ist auch so eine Art Klassentreffen des deutschen Films, wo sich in die Freude des Wiedersehens ein leichtes Erschrecken mischt: Gott, was sind wir alle alt geworden. Das ist natürlich nicht ganz gerecht, weil die Filmtage gleichzeitig genauso ewig jung geblieben sind wie die Frisur ihres Leiters Heinz Badewitz, die je nach Betrachtungsweise an Beatniks erinnert oder an Mireille Mathieu.

          Er ist der lebende Beweis, daß man eine Frisur nur lang genug tragen muß, damit sie eine gewisse Resistenz gegen die Wechselhaftigkeit der Moden entwickelt. Und mit seinem Festival führt Badewitz Jahr für Jahr vor, daß es möglich ist, durch beharrlichen Enthusiasmus immer wieder den Eindruck zu erwecken, es gebe im Weltkino kaum etwas Interessanteres und Lebendigeres als den deutschen Film. Für jene fünf Tage im Herbst ist man sogar geneigt, ihm zu glauben - zur Feier des Jubiläums sind es diesmal sogar sechs Tage.

          Vom Zonenrandgebiet zur Twilight Zone

          Das Geheimnis besteht darin, daß auf den Filmtagen die verschiedenen geologischen Schichten des deutschen Kinos über- und untereinander existieren: die Veteranen, die Hof vielleicht längst entwachsen, aber dem Festival immer noch freundschaftlich verbunden sind; jene Regisseure, deren Ruhm womöglich nie übers Festival hinauswächst, über deren Filme man sich aber wie über alte Bekannte freut; und die Debütanten, deren Nervosität über den ersten Festivalauftritt alle anderen schon deshalb infiziert, weil alle in nur zwei Kinos mit sechs Sälen zusammengepfercht sind und einander nicht entgehen können. Ein paar ausgewählte Filme des unabhängigen Weltkinos und eine stets verdienstvolle Retrospektive verhindern darüber hinaus, daß irgendwer dieses Stelldichein für provinziell halten könnte.

          Dabei ist Hof mittlerweile so weit an den Rand der Landkarte gerückt, daß es überhaupt nur noch einmal am Tag eine Direktverbindung aus Berlin gibt. Was einst Zonenrandgebiet war, ist bald nur noch Twilight Zone. Aber auch darin liegt der Reiz des Festivals, auf dem es kaum Gelegenheit zur Ablenkung gibt. So treffen sich nach Mitternacht alle Beteiligten in der Tanzschule Swing, in einem feuerpolizeilich gefährdeten Schuppen namens „Galerie“ oder in der Gaststube des Hotels Strauß, wo der Nachtportier Herr Schulz bis ins Morgengrauen darüber wacht, daß jeder noch sein letztes Bier bekommt - und dann noch ein allerletztes.

          Das klingt weder hip noch glamourös, noch sexy, aber all die Kategorien, mit denen das Kino in den Metropolen seine Reize ausstellt, sind in Hof aufs schönste außer Kraft gesetzt, so daß man sich ganz auf das konzentrieren kann, worum es wirklich geht: Filme und das Reden darüber. Dazwischen stehen alle am Rostbratwurststand vor dem Kino Central, wo die Hungrigeren um die Wette essen. Am Dienstag abend hatte der Führende bereits sechs Bratwurstsemmeln verdrückt und ist auf bestem Weg, den alten Weltrekord von 29 Stück zu brechen.

          Quelle: F.A.Z., 26.10.2006, Nr. 249 / Seite 43

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