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Der Kinothriller „13 Hours“ : Sterben und Töten für das Unverstandene

Pablo Schreiber (l.), John Krasinski, David Denman und Dominic Fumusa in „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ Bild: Christian Black/Paramount Pictures

Als Actionfilm hätte dieser Kinothriller überall spielen können, und auch politisch geht es nicht um Libyen: In „13 Hours - The Secret Soldiers of Benghazi“ sitzt Hillary Clinton auf der Anklagebank.

          Die Männer sinnieren in einer Gefechtspause über das Leben, da spricht einer von ihnen ein wahres Wort: Wenn er jetzt stürbe, sagt er, werde man wohl über ihn sagen müssen, dass er in einem Konflikt gefallen sei, den er nicht verstand, in einem Land, das ihm nichts bedeutete. Beides lässt sich nicht leugnen. Aber dass er den Konflikt nicht versteht und ihm das Land nichts bedeutet, gilt nicht nur für ihn, Jack Silva, sondern auch für den Film, in dem er den Helden spielt und folglich gar nicht schlecht aufgehoben ist.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          „13 Hours - The Secret Soldiers of Benghazi“ spielt in Libyen nach dem Sturz von Gaddafi. Die reich gefüllten Waffenkammern des Diktators, die zu Beginn ein paar kurze, verwackelte Originalaufnahmen zeigen, sind geplündert worden. Ihr Inhalt hat sich ins Land ergossen und die Marktplätze in Orte verwandelt, an denen nun Kalaschnikows feilgeboten werden wie Trauben. Freund und Feind sind bewaffnet und schwer zu unterscheiden, was Leute wie Silva (John Krasinski) anlockt, einen amerikanischen Söldner, dessen Job es hier ist, Gefahren zu wittern, bevor sie entstehen. Silva ist in dieser Geschichte einer von mehreren Ex-Marines, die als Sicherheitspersonal im Dienste der CIA stehen, Posterboys mit Dreitagebärten, Muskeln und Tattoos, deren Biographien sich ziemlich ähnlich sind. Zu Hause in Provinznestern der Vereinigten Staaten haben sie Häuser, Frauen und Kinder, die über Handykameras ins ferne Libyen winken und, im Fall von Silva, den Vater an das Baumhaus erinnern, das er versprochen hat, wenn er zurückkommt. Aber ein Baumhaus muss bezahlt werden, genauso wie die Versicherung, das Fällen der großen Eiche im Garten und überhaupt das Leben. Nur deswegen sind Jack Silva und fünf andere schwere Jungs nach Benghasi gekommen.

          Klischees, die das Offensichtliche nur unterstreichen

          Um zu zeigen, dass sich diese aus freien Stücken angetretenen Jobs für die Männer aber trotzdem anfühlen wie Dienste, die sie am Vaterland leisten, verfährt der Film von Regisseur Michael Bay nach einem Verfahren, das man als parallele Eskalation bezeichnen könnte: Je brenzliger die Lage in Benghasi wird, desto mehr spitzt sie sich auch zu Hause zu. Hatte es beispielsweise zu Beginn noch so ausgesehen, als liefe in der Familie Silva eigentlich alles nach Plan, erfährt Jack kurz vor dem Angriff von schwerbewaffneten Milizen auf die geheime CIA-Außenstelle, dass seine Frau wieder schwanger ist. Die Botschaft: Seht, was für den Helden auf dem Spiel steht! Und nun schaut, wie selbstlos er sich schlägt! Aber die Methode ist zu abgegriffen, als dass sie ihren Zweck, die Spannung zu erhöhen, noch erfüllen könnte.

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