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Kino : Zehn Prozent Handlung, acht Prozent Musik

So sieht der perfekte Film aus: „Toy Story 2” Bild: Buena Vista

Wonach die Filmbranche seit Jahrzehnten vergeblich sucht, das präsentiert nun die britische Professorin Sue Clayton: die Erfolgsformel für den perfekten Spielfilm.

          Da sage noch einer, der Wissenschaftsbetrieb sei weltfern und unproduktiv. Im Filmgeschäft können jetzt die Produzenten von einer Professorin lernen. Wonach die Branche seit Jahrzehnten vergeblich sucht, das präsentiert nun die britische Professorin Sue Clayton: die Erfolgsformel für den perfekten Spielfilm.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Prof. Clayton hat sich eine Reihe erfolgreicher Filme angeschaut, „Ganz oder gar nicht“ etwa, „Notting Hill“ oder „Titanic“, hat ihre Inhalte verglichen und gerechnet. Das Ergebnis: Der perfekte Spielfilm besteht aus 30 Prozent Action, 17 Prozent Humor, 13 Prozent Gut gegen Böse, 12 Prozent Romantik und/oder Sex, 10 Prozent Special Effects, 10 Prozent Handlung und 8 Prozent Musik.

          Feine Balance

          Die feine Balance zwischen den verschiedenen Komponenten macht nach den Erkenntnissen von Prof. Clayton den Unterschied aus „zwischen einem netten Film und einem Kassenschlager“. Der Disney-Trickfilm „Toy Story 2“, der allein in Großbritannien 61 Millionen Euro einspielte, kommt ihrer Formel am nächsten (obwohl er, wenn wir uns recht entsinnen, unmöglich die empfohlene Erotik-Quote erfüllt haben kann).

          Nicht ganz so perfekt war Claytons Berechnung zufolge „Shakespeare in Love“: Hier war der Anteil der Special Effects zu niedrig. Nicht nur in kommenden Shakespeare-Verfilmungen dürfte die Studie Prof. Claytons ihre Spuren hinterlassen. Hinter den armen Regisseuren, die zwangsläufig zu Mathematikern mutieren, dürften sich nun drohend die Produzenten mit dem Taschenrechner aufstellen und das noch fehlende Prozent Action einfordern.

          Verrechnet

          Und nicht nur ein Wim Wenders wird sich eingestehen müssen, sich in seinem bisherigen Schaffen gründlich verrechnet zu haben: Seine Formel - 38 Prozent Tiefsinn, 2 Prozent Handlung, 0 Prozent Action, 0 Prozent Humor, 30 Prozent Musik, 30 Prozent Handke - war einfach nicht die richtige. Der Erfolg eines durchschnittlichen Schwarzenegger-Films wiederum (40 Prozent Action, 40 Prozent Gut gegen Böse, 20 Prozent Special Effects) erscheint nach Prof. Claytons Studie um so unerklärlicher.

          Eine angenehme Überraschung ist es auf jeden Fall, daß in Prof. Claytons Formel eine Größe fehlt, die wir bislang für den entscheidenden Beitrag zu einem Blockbuster hielten: Geld.

          Quelle: @jöt

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