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Kino Junge Hüpfer

14.11.2005 ·  Der Zuschauer weint unter seinem Niveau: In Curtis Hansons „In den Schuhen meiner Schwester“ spielen Cameron Diaz und Toni Collette Schwestern, die Freundinnen und Rivalinnen sind.

Von Michael Althen
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Cameron Diaz ist immer ein guter Grund, einen Film anzusehen. Toni Collette sowieso. Und ein Regisseur wie Curtis Hanson auch, denn schließlich hat der Mann Filme wie „L.A. Confidential“ oder „8 Mile“ gedreht, die einen starken Blick für bestimmte Milieus besaßen. Wenn man so will, trifft das auch für „In Her Shoes“ zu: eine Anwaltskanzlei, ein Altersheim, alles stimmt, aber nichts paßt.

„In den Schuhen meiner Schwester“ basiert auf einem Bestseller von Jennifer Weiner, der von zwei Schwestern handelt, die beste Freundinnen und größte Rivalinnen sind. Cameron Diaz spielt die Schlampe, die an die ewige Jugend glaubt, keinen Job und nie Geld hat und sich von einer Affäre zur nächsten durchs Leben hangelt.

Toni Collette ist die Brave, die zuviel arbeitet und in ihren Chef verliebt ist, ihren Frust in sich hineinfrißt und mit ihrem Gehalt einer eher heimlichen Leidenschaft für Schuhe frönt. So kommt es, wie es kommen muß: Die eine spannt der anderen den einzigen Mann aus, den sie liebt. Einerseits ohne wirklich zu wissen, was sie tut, andererseits doch mit jener Mutwilligkeit, mit der Geschwister einander ihr Spielzeug kaputtmachen.

Unter ihren Möglichkeiten

Das Problem ist nur, daß sich Cameron Diaz sehr bemüht, dümmer zu wirken, als ihr Image es zuläßt, aber Curtis Hanson nicht einfällt, wie er die Geschichte auch ohne solche Überzeichnungen erzählen könnte. Und deshalb muß auch Toni Collette unter ihren Möglichkeiten bleiben, muß genau jenem Rollenbild entsprechen, das sie in jedem anderen ihrer Filme unterwandert. Ihre Leidenschaft für extravagantes Schuhwerk wirkt genauso angepappt wie der Analphabetismus der Schwester, der für allerlei herzerweichende Szenen herhalten muß, wenn sie sich mit stockender Stimme an Gedichte von e.e. cummings wagt, die sie dann zunehmend flüssiger vorliest.

Natürlich kann man sich der sentimentalen Kraft nur schwer entziehen, aber man fühlt sich dabei stets an der Nase herumgeführt. Zwei Schwestern, die den allzu frühen Tod der Mutter verarbeiten, die in ihrem Haß auf die idiotische Stiefmutter vereint sind und zusammenfinden unter der pfiffigen Regie von Shirley MacLaine, die als verschwundene Großmutter alles ins Lot bringen muß. Das alles ist rührend anzusehen, aber man weint sozusagen unter seinem Niveau. Und das hätte man gerade von Curtis Hanson nicht erwartet.

Quelle: F.A.Z., 14.11.2005, Nr. 265 / Seite 35
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