28.06.2006 · Er sei der einzige Jude, sagte Mel Brooks, der mit Hitler Kohle verdient habe. Seine Filme gehörten zum humoristischen Hausschatz der Kinofans. An diesem Mittwoch wird der Komiker und Regisseur achtzig.
Von Michael AlthenEr sei der einzige Jude, sagte Mel Brooks, der mit Hitler Kohle verdient habe. Und zwar für „The Producers“, in dem am Broadway als Abschreibungsprojekt ein Musical mit dem Titel „Frühling für Hitler“ auf die Beine gestellt wird, das der gewollten Idiotie zum Trotz ein Erfolg wird: „Don't be stupid, be a smarty. Come and join the Nazi party.“
Der Film war anfangs zwar kein Erfolg, bescherte Brooks aber einen Oscar fürs beste Drehbuch und dann noch mal späten Ruhm, als er es 2001 erfolgreich für den Broadway adaptierte, was Hollywood gleich mit einem Remake belohnte. Der Erfolg dürfte ihm eine besondere Genugtuung gewesen sein, da er in den Jahren davor als Musterbeispiel für einen Komiker galt, dem die Luft und das Publikum ausgegangen waren.
Dabei ist Brooks nicht nur der einzige, der Oscar, Emmy, Tony und Grammy gewonnen hat, sondern er war in den Siebzigern so allgegenwärtig, daß ihm die Filmbibliothek bei Hanser gemeinsam mit Woody Allen einen Band widmete. Zehn Jahre später wäre kein Mensch mehr auf die Idee gekommen, die beiden auf Augenhöhe zu verhandeln. Aber Mitte der Siebziger gehörten „Der wilde wilde Westen“, „Frankenstein Junior“, „Silent Movie“ und „Höhenkoller“ tatsächlich zum humoristischen Hausschatz der Kinofans und waren nicht nur Vorläufer der auch heute wieder beliebten Genre-Parodien, sondern im Falle des Western-Ulks „Blazing Saddles“ auch Urahnen der sogenannten Gross-out-Comedies und deren Analhumor.
Sein bester Witz
Eine gewisse Schamlosigkeit hatte Mel Brooks, der mit bürgerlichem Namen Melvin Kaminsky heißt, beim Tingeltangel im „Borscht Belt“ und als Gagman fürs Fernsehen gelernt, aber er selbst bestand hartnäckig auf der Lesart, seine Filme seien eine Hommage an ihre Vorbilder: den Horrorfilm in „Frankenstein Junior“, Hitchcock in „Höhenkoller“ oder den Stummfilm in „Silent Movie“, in dem nur ein einziges Wort gesprochen wird, ausgerechnet von dem Pantomimen Marcel Marceau. Aber sein bester Witz ist immer noch, daß in „Frankenstein Junior“ jedesmal im Hintergrund erschrecktes Pferdewiehern zu hören ist, wenn der Name der bösen Haushälterin Blücher fällt.
Die wenigsten wissen, daß die Rampensau Mel Brooks dauerhafteren Ruhm als Mann im Hintergrund erworben hat. Er produzierte unter anderem Cronenbergs „Fliege“ und Lynchs „Elefantenmensch“, in dem seine 2005 verstorbene Ehefrau Anne Bancroft eine wunderbare Rolle spielte, und wahrscheinlich müßte man mal der Frage nachgehen, wo der Schnittpunkt zwischen diesen Geschichten menschlicher Deformationen und dem Humor seiner Regiearbeiten liegt.
Im Sinne seines Filmtitels „Die Geschichte der Welt: Teil 1“ könnte man vielleicht sagen, die achtzig Jahre sind Teil 1 in „Das Leben des Mel Brooks“. Fortsetzung folgt.